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Federers Goodbye und die seltsame Kommunikation

Roger Federer und Paul Annacone beenden ihre Zusammenarbeit. Mehr als dies überrascht die Kommunikation der Trennung.

Roger Federer engagiert den Amerikaner im August 2010.
Roger Federer engagiert den Amerikaner im August 2010.
Reuters
Mit Paul Annacone kann Federer durchaus Erfolge feiern.
Mit Paul Annacone kann Federer durchaus Erfolge feiern.
Reuters
Was immer in der Öffentlichkeit vergessen wird: Davis-Cup-Coach Severin Lüthi gehört seit Jahren zum Federer-Clan. Das Tennis-Ass findet auch bei ihm immer wieder Rat. Der Einfluss von Lüthi auf Federer dürfte jetzt nach der Trennung von Annacone wieder grösser sein.
Was immer in der Öffentlichkeit vergessen wird: Davis-Cup-Coach Severin Lüthi gehört seit Jahren zum Federer-Clan. Das Tennis-Ass findet auch bei ihm immer wieder Rat. Der Einfluss von Lüthi auf Federer dürfte jetzt nach der Trennung von Annacone wieder grösser sein.
Keystone
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Es spricht für Roger Federer, dass er Coach Paul Annacone in der Mitteilung in höchsten Tönen lobt, in der er in der Nacht auf Sonntag auf seiner Website die Trennung bekannt gab. Von «fantastischen dreieinhalb Jahren Zusammenarbeit» schreibt er darin, er dankt dem 50-jährigen Amerikaner herzlich und verspricht, sie würden Freunde bleiben. Doch spätestens, als er die gemeinsam erreichten Ziele dieser Partnerschaft hochleben lässt, kommen gewisse Zweifel auf.

«Als wir mit der Kooperation begannen, hatten wir einen Dreijahresplan, der den Gewinn eines weiteren Grand-Slam-Titels sowie die Rückkehr zur Nummer 1 des Rankings vorsah», führt Federer aus. Diese zwei Hauptziele seien erreicht worden, «nebst vielen weiteren Zielen». Das ist neu und mutet seltsam an. Zum Zeitpunkt, als er im Juli 2010 Annacone verpflichtete, war er die Nummer 3 und hatte in den fünf vorangegangenen Jahren zwölf Grand-Slam-Titel gewonnen, darunter vier an den letzten acht Turnieren. Wie hätte es da sein Ziel sein können, in den nächsten drei Jahren lediglich einen weiteren dieser Titel zu holen?

Wimbledon 2012 überstrahlt alles

Die Vermutung liegt nahe, dass er Annacone lediglich ein gutes Abschlusszeugnis ausstellen wollte. Die beiden dürften in Wahrheit selber nicht restlos damit zufrieden sein, dass sie in den über drei gemeinsamen Jahren nur einen Grand-Slam-Titel feiern konnten, 2012 in Wimbledon. Da dieser – zusammen mit einer Serie anderer Turniersiege – reichte, um nochmals die Nummer 1 zu werden, kann die Partnerschaft zweifellos nicht als Flop bezeichnet werden. Dennoch fällt die Bilanz der Zusammenarbeit bei den meisten Experten eher zwiespältig, ja enttäuschend aus.

Und dies nicht nur resultatmässig – 15 Titel hätte er in dieser Zeit möglicherweise auch ohne ihn erobert –, sondern auch spielerisch: Annacone schaffte es nie wirklich, Federers Spiel seine Handschrift zu geben, speziell in der Offensive hätten viele vom früheren Angriffsspezialisten mehr Impulse erwartet. Grosse taktische Neuerungen liessen Federers Partien gegen die Hauptrivalen Novak Djokovic, Rafael Nadal und Andy Murray nicht erkennen. Dass Annacones Einfluss eher beschränkt war, lässt sich auch daran ermessen, dass die Dienste von Severin Lüthi in den vergangenen drei Jahren nicht überflüssig wurden, wie es zu befürchten gewesen war. Im Gegenteil: Die Position des Thuner Davis-Cup-Captains dürfte nach dieser Zeit der Dreierbeziehung sogar stärker geworden sein. Er ist nun wieder der alleinige Coach an Federers Seite.

Die Trennung sei die Folge zahlreicher «Gespräche, die sich vor allem im letzten Trainingsblock häuften», schreibt Federer. In Shanghai, wo er im zweiten Einsatz an Gaël Monfils scheiterte, war Annacone nicht mehr dabei. Der Zeitpunkt der Trennung vom langjährigen Coach von Pete Sampras und Tim Henman kommt wenig überraschend, war von vielen erwartet worden. Annacone war einst verpflichtet worden, um Federers Potenzial weiter auszureizen, ihm auf höchstem Niveau jene kleinsten Details, Erfahrungen und taktischen Finessen mitzugeben, die im Kampf um die grössten Titel und die Nummer 1 den Ausschlag geben konnten. Von diesem Niveau hat er sich deutlich entfernt. Er kämpft nun um viel profanere Dinge wie um das Selbstvertrauen oder gegen Rückenschmerzen. Dafür braucht er keinen taktischen Spitzentrainer mehr.

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