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Federers Magie ist zurück

Roger Federer hat nicht gegen, sondern mit Tomas Berdych gespielt und ihn deklassiert.

Galavorstellung: Roger Federer besiegt Tomas Berdych mit 6:2, 6:4, 6:4.
Galavorstellung: Roger Federer besiegt Tomas Berdych mit 6:2, 6:4, 6:4.
AP Photo/Dita Alangkara
Im Schnelllauf: Nach 90 Minuten verwertet Roger Federer seinen zweiten Matchball.
Im Schnelllauf: Nach 90 Minuten verwertet Roger Federer seinen zweiten Matchball.
EPA/LUKAS COCH
Härtetest: Roger Federer muss in der dritten Runde des Australian Open gegen den besser platzierten Tomas Berdych spielen.
Härtetest: Roger Federer muss in der dritten Runde des Australian Open gegen den besser platzierten Tomas Berdych spielen.
Michael Dodge/Getty Images
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Als er noch vor einer Stunde mit zwei Sätzen führte, sagte ein tschechischer Journalist in Melbourne kopfschüttelnd: «Ist Roger eigentlich verrückt?» Dass Federer bei seinem Comebackturnier nach sechs Monaten den tschechischen Top-10-Spieler Tomas Berdych derart dominieren würde (6:2, 6:4, 6:4), nicht einmal einem Breakball gegenüberstand, hatten auch sie nicht erwartet. Viele hatten sich sogar darauf eingestellt, dass Federer ein höchst unangenehmer Abend mit einer frühen Niederlage bevorstehen würde.

Nach einem schwierigen Start mit zwei Doppelfehlern im ersten Aufschlaggame war seine Unsicherheit aber schlagartig weg. Immer mehr drückte seine alte Klasse durch, kehrte die Magie zurück. Kapital war dabei, dass er schon bei erster Gelegenheit sein erstes Break schaffte – nach 12 Minuten zum 3:2. Darauf wurde er immer lockerer, immer sicherer. Er zeigte Stoppbälle und Halbvolleys, wie nur er sie kann, zog die Vorhand aggressiv durch, spielte mit grimmiger Entschlossenheit, packte fast jeden Breakball, war schnell unterwegs.

«Ich bin von mir selber überrascht»: Roger Federer im Platzinterview. (Video: Youtube/HD Tennis)

Die Verwandlung war total. Da stand ein anderer Spieler auf dem Platz als in den zwei Auftaktrunden gegen Jürgen Melzer und Noah Rubin. Dort hatten dem 35-jährigen Baselbieter nicht nur die Matchpraxis und die Automatismen gefehlt – sondern vor allem das Selbstvertrauen. Dieser Mix hatte dazu geführt, dass er zu viel nachdachte, verhalten spielte und seinen üblichen Spielwitz vermissen liess. Entsprechend tief waren die Sorgenfalten danach in seinem Gesicht.

Federer hatte gewusst, dass er sich steigern musste, schlagartig, dass er sonst schon die Koffer packen würde. Dass ihm dies gelang und er bei seiner Rückkehr schon wieder einen Top-10-Spieler bezwingen konnte, gegen den er selbst in seinen besten Jahren schon verlor, bedeutet für ihn bereits einen geglückten Saisonstart. Alles, was in Melbourne jetzt noch kommt, ist ein Bonus. Sicher aber wird Federer auch gegen Kei Nishikori im Achtelfinal viel entschlossener auftreten als in den ersten beiden Runden.

Für den 17-fachen Grand-Slam-Sieger ging es in diesem Match aber auch um viel. Es war für ihn der erste grosse Test – und der Druck war riesig, denn bei einer Niederlage wäre er sogar aus den Top 30 gefallen. Das Publikum und viele in der Tenniswelt nahmen seine unerwartete Gala dankbar zur Kenntnis. «Er spielt nicht gegen, er spielt mit Berdych»; «Welches Jahr schreiben wir überhaupt?» – so und ähnlich lauteten viele Kommentare in den sozialen Netzwerken. Und John McEnroe verkündete bereits, dass der Baselbieter in dieser Verfassung sogar ein Titelanwärter sei. Aber man weiss es ja: Der New Yorker ist ein Meister der Übertreibung.

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