Federers tückische Wimbledon-Mission

Der dreifache Saisonsieger hat sich vor der für ihn wichtigsten Phase des Jahres in eine heikle Situation manövriert.

Zugzwang: Eine frühe Niederlage wie in Stuttgart kann sich Roger Federer in Halle nicht erlauben.

Zugzwang: Eine frühe Niederlage wie in Stuttgart kann sich Roger Federer in Halle nicht erlauben. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Für die britischen Buchmacher ist drei Wochen vor Wimbledon klar: Roger Federer und Andy Murray, der Vorjahressieger, werden etwa auf gleicher Höhe als erste Titelanwärter in die All England Championships steigen. Dabei wird der Schweizer – zumindest ausserhalb Grossbritanniens – eher favorisiert. Auch sentimental würden ihm Millionen weltweit einen weiteren Triumph in London wünschen.

Es wäre auch eine schöne Geschichte, könnte er sich mit fast 36 Jahren zum alleinigen Rekordhalter seines Lieblingsturniers emporschwingen, fünf Jahre nach dem siebten Triumph. «Es wäre absolut unglaublich», sagt Federer, gibt aber zu: «In meinem Hinterkopf ist sehr präsent, dass die Chancen da sind. Nach meinem guten Saisonstart sind diese natürlich gestiegen. Dieser hat mir auch wieder gezeigt, wozu ich fähig bin.»

Seine Lage sieht auf den ersten Blick denn auch vielversprechend aus. Er ist nach eigenen Angaben fit, austrainiert, spiele im Training super und freue sich, endlich wieder Turniere zu bestreiten nach seiner freiwilligen zehnwöchigen Pause, sagte er in Stuttgart. Er hat sich intensiver und besser denn je auf eine Rasensaison vorbereitet. Und auch sein Selbstvertrauen müsste stimmen: Er hat die drei grössten Turniere, die er 2017 bestritt, in Melbourne, Indian Wells und Miami, alle gewonnen.

Bildstrecke: Federers Triumphe und Tragödien in Wimbledon

Dazu kommt, dass von den Hauptrivalen nur einer richtig in Form ist – Paris-Sieger Rafael Nadal. Andy Murray und Novak Djokovic belegen in der Jahresrangliste nur die Ränge 6 und 5, Stan Wawrinka kam in Wimbledon noch nie über die Viertelfinals hinaus, Dominic Thiem gewann bei drei Anläufen erst zwei Partien. Bleiben Spieler wie Raonic, Nishikori, Zverev, Kyrgios oder Cilic, die Federer in Rasen-Bestform aber nicht sollten stoppen können.

In Melbourne krasser Aussenseiter, in Wimbledon der Favorit

Aber war da nicht noch was? Genau: das Turnier von Stuttgart mit Federers Startniederlage gegen Tommy Haas (6:2, 6:7, 4:6). Seine erste Partie auf Rasen hat gereicht, seine Ausgangslage zu verändern. Statt, wie angenommen worden war, im TC Weissenhof seinen 16. Rasentitel zu holen, musste er erstmals seit 2002 als Startrundenverlierer vom Grün.

Und nun ist er in der kurzen Rasensaison bereits unter Zugzwang. Eine weitere frühere Niederlage in Halle kann er sich nächste Woche nicht leisten, will er mit intaktem Selbstvertrauen seine wichtigste Mission der Saison in Angriff nehmen. Doch selbst wenn er in Halle seinen neunten Titel holen sollte, wäre seine Ausgangslage völlig anders als im Januar in Melbourne. Dort war er beim ersten Turnier nach sechs Monaten ohne Erwartungen angetreten und hatte seinen 18. Grand-Slam-Titel geholt. Den Aussenseiterbonus hat er verloren, in Wimbledon wird sein Sieg fast erwartet.

Sarkasmus nach der Niederlage

Federer reagierte auf die Niederlage gegen seinen guten Freund Tommy Haas mit Sarkasmus. «Ich spiele schon über zwei Wochen auf Rasen. Vielleicht wäre es besser, wenn ich nächstes Mal nur einen Tag darauf trainiere, wie in den Jahren, als ich jeweils direkt von Paris kam. Dann spiele ich vielleicht besser.»

Dabei kennt er die Tücken des Rasentennis zur Genüge. «Gerade wenn die Plätze so schnell sind wie in Stuttgart, sind die Margen klein. Einmal im falschen Moment mit den Augen gezwinkert beim Return, ist es vielleicht schon passiert.» Zudem hatte Haas den Vorteil, bereits eine Runde bestritten zu haben. Federer-Niederlagen auf Rasen sind aber zuletzt ohnehin häufiger geworden. Hatte er von 2003 bis 2008 zehn Rasenturniere und 65 Partien in Folge gewonnen, so verliess er seit dem achten Titel in Halle 2015 nun fünf von ihnen geschlagen.

Nach fünf Turnieren stehen damit in dieser Saison drei grossen Titeln zwei frühe Niederlagen gegen Spieler mit dreistelligem Ranking und nach vergebenen Matchbällen gegenüber. Dubai – wo er gegen Donskoi verlor – und Stuttgart hätten wieder einmal gezeigt, dass es keine Erfolgsgarantie gebe, sagt Federer. «So ein Reset tut manchmal gut. Aber es war auch nicht so, dass ich dachte, ich komme schnell und gewinne Stuttgart und Halle und gehe mit viel Selbstvertrauen nach Wimbledon.» Eines sei nun aber klar: «In Halle werde ich voll angreifen.» (SonntagsZeitung)

Erstellt: 18.06.2017, 09:41 Uhr

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Einmal Gipfelträume und zurück – ganz bequem

Die Schweizer Bergwelt ist einzigartig. Mit den exklusiven Kombi-Angeboten von RailAway profitieren Sie von attraktiven Vergünstigungen.

Blogs

Mamablog Bye, mein Grosser

Blog Mag Facetime überall?

Newsletter

Kurz, bündig, übersichtlich

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Die Welt in Bildern

Auf Abfall gebettet: Ein Arbeiter einer Wertstoffdeponie in Peschawar, Pakistan, ruht sich auf einem riesigen Berg Plastikmüll aus. (17. August 2017)
(Bild: Fayaz Aziz) Mehr...