Feuer und Eis: Eine Rivalität lebt neu auf

Das legendäre Tennisduell: McEnroe vs. Borg erlebt ein doppeltes Revival – am Laver-Cup und im Kino.

In Ehren ergraut: Die ehemaligen Tennisgrössen Borg,  Laver und McEnroe (v.l.), dazwischen die heutigen Stars Nadal und Federer. Bild: Getty Images

In Ehren ergraut: Die ehemaligen Tennisgrössen Borg, Laver und McEnroe (v.l.), dazwischen die heutigen Stars Nadal und Federer. Bild: Getty Images

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Als John McEnroe am Donnerstagabend an der Gala im ehrwürdigen Gemeindehaus von Prag auf die noch leere Bühne kommt, geht er gegenüber den erwartungsfrohen Gästen gleich in den ­Angriff über. «Ich bin sehr froh, dass ich hier bin als Captain. Aber ich weiss nicht, was ihr hier macht. Ich sage euch: Europa hat fast keine Chance, uns zu schlagen.»

Wie so oft hat McEnroe dabei den Schalk in den Augen. Der 58-jährige New Yorker ist längst zum Entertainer geworden, der weiss, was die Öffentlichkeit mag. Eine Weile hatte der Kunstlieb-­haber und Vater von fünf Kindern sogar eine eigene Talkshow in einem amerikanischen TV-Sender.

Gleich nach ihm kommt Björn Borg auf die Bühne, sein Freund und früherer Rivale, wie er längst in Ehren ergraut. Die 14 Duelle, die sie sich lieferten, hatten genügt, um das Tennis vom Nischen- zum Massensport werden zu lassen. Feuer gegen Eis, ­Angriff gegen Verteidigung, Heisssporn gegen Pokerface. Ähnlich wie heute die Rivalität zwischen Roger Federer und Rafael Nadal strahlten ihre Duelle weit über das Tennis hinaus. Und wie die aktuellen Nummern 1 und 2 respektierten auch sie sich stets. Da waren keine Animositäten oder ­Gehässigkeiten im Spiel, wie in den Duellen zwischen McEnroe, Connors und Lendl oder später zwischen Agassi und Sampras.

Auch in Prag zeigt sich, wie gegensätzlich sie sind

2017 kommt es nun zum grossen Revival dieses Zweikampfs. Einerseits wegen des Laver-Cup, der heute zu Ende geht, andererseits in einem neuen Kinofilm. In Prag sitzen die beiden als Captains der Teams von Europa und dem Rest der Welt stundenlang auf einem Ledersofa neben dem Court der O2-Arena, wenige Meter voneinander entfernt. Auch hier zeigt sich, wie unterschiedlich sie sind: Borg wirkt meist wie versteinert, während McEnroe fuchtelt, klatscht, redet, lacht, belehrt und schmollend die Arme verschränkt, wenn die Partien anders laufen, als er es sich erhofft hat. Was an den ersten zwei Tagen oft der Fall ist. Mikrofone fangen sogar ein, wie er zu Jack Sock bei einem Seitenwechsel gegen Nadal sagt, er soll «diesen Hurensohn erledigen».

Dazu befragt, weicht Nadal aus. «Mit Borg haben wir es friedlich», sagt er nur. Die Europäer sind von der schwedischen Legende angetan. «Er spricht nur, wenn er etwas zu sagen hat», bemerkt Federer ehrfurchtsvoll. «Aber er ist ruhig, ausgeglichen, positiv. Und wenn er spricht, hört man genau zu und merkt, wie viel er vom Tennis versteht.» Federer will die Zeit mit dem fünffachen Wimbledon- und sechsfachen Paris-Sieger optimal nutzen. Er löchere Borg permanent mit Fragen, gibt er zu. «Und er erzählt mir alles, ungefiltert.»

Er sei aber auch ein grosser Fan von McEnroe gewesen, sagt ­Federer. Der Amerikaner und Borg waren seine Wunschbesetzung für die Position der Captains, beide sagten für drei Jahre zu. «Es freut mich, dass es für sie stimmt. Das war mir auch wichtig», betont der Mitbegründer dieses Turniers.

Der Zufall will es, dass in ­diesem Monat auch die Filmbiografie «Borg/McEnroe» des Dänen Janus Metz Pedersen anläuft. McEnroe geht mir ihr aber hart ins Gericht. «Auch wenn ich es mir ­gewünscht hätte: Es ist kein guter Film, so leid es mir tut», sagt er.

«Vieles stimmt nicht, und ich weiss nicht, warum sie einige Sachen ­erfinden mussten. Um mich wie ein Trottel aussehen zu lassen, hätten sie viel bessere Details finden können.» McEnroe ist enttäuscht, dass weder er noch Borg in den Film involviert waren. Der Schwede beurteilt das Werk milder: «Ich sah ihn vor einigen Wochen in Stockholm und finde, er ist okay. Aber er ist wirklich Fiktion.»

McEnroe hätte gerne öfter gegen Borg gespielt

Im Gegensatz zum epischen Duell Federer vs. Nadal, das nun im 14. Jahr angelangt ist, spielten McEnroe und Borg nur während dreier Jahre auf höchster Stufe gegeneinander, von 1978 bis zum US Open 1981. «Ich hatte mir immer gewünscht, dass unsere Rivalität länger gedauert hätte und wir öfter gegeneinander gespielt hätten», sagt McEnroe in Prag. «Dank Borg wurde ich stärker, und er möglicherweise durch mich auch. Es hätte fantastisch sein können.» Er habe auch versucht, ihn vom Rücktritt abzuhalten. «Selbst wenn ich dadurch die Nummer 1 verloren hätte, wäre es mir lieber gewesen, dass er weitergespielt hätte.»

Dass Borg schon kurz vor dem 26. Geburtstag genug hatte, ist ­ironischerweise aber auch zum Teil McEnroes Schuld. Er war es, der ihn vom Thron stiess, indem er die letzten drei ihrer vier Grand-Slam-Endspiele ­gewann. Das war für den stolzen Tennisgott aus dem hohen Norden hart zu akzeptieren.

Doch nun sind sie wieder da, dank dem Laver-Cup, dessen Ziel es auch ist, Legenden dieses Sports eine neue Plattform zu geben. Borg und McEnroe nehmen sie dankbar wahr. Dass der Captain des unterlegenen «Team Welt» mit seiner Prognose ziemlich falsch lag, kann er verschmerzen.

Erstellt: 23.09.2017, 23:35 Uhr

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