Für Williams wird der grosse Rekord zur Bürde

Nach der Niederlage gegen die Chinesin Qiang Wang scheint ihr 24. Grand-Slam-Titel ferner denn je.

Hat schwierige Monate vor sich: Die Jagd nach der Bestmarke hat bei Serena Williams zu einer Verkrampfung geführt.

Hat schwierige Monate vor sich: Die Jagd nach der Bestmarke hat bei Serena Williams zu einer Verkrampfung geführt. Bild: Keystone

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Als Serena Williams 2017 zum siebten Mal das Australian Open gewann, schien es nur eine Frage der Zeit, bis sie den Rekord der meisten Grand-Slam-Titel an sich nehmen würde. Zu jenem Zeitpunkt hatte sie fünf der letzten neun dieser Pokale erobert und ihr Total auf 23 verbessert. Nur noch einer fehlte ihr, um zur Australierin Margaret Court aufzuschliessen, die mit 24 Trophäen diese Bestmarke hält.

Was damals keiner erwartet hätte: Drei Jahre und zwölf Grand-Slam-Turniere später wartet die US-Amerikanerin immer noch auf den erlösenden 24. Triumph, von einem 25. spricht schon gar keiner mehr. In Melbourne hatte die 38-jährige Williams indes als Favoritin gegolten, nachdem sie in Auckland zum Saisonauftakt ihr erstes Turnier als Mutter gewonnen hatte, ihr 73. insgesamt. Nun scheiterte sie am Yarra River erstmals seit 2006 noch vor den Achtelfinals, und erst noch gegen eine Spielerin, der sie vor vier Monaten am US Open in 44 Minuten nur 15 Punkte überlassen hatte: die Chinesin Qiang Wang (WTA 29).

«Irgendwann wird es geschehen, ich weiss nur nicht, wann», sagte Williams als Erstes, was illustriert, wie präsent ihr diese Rekordjagd ist. Nachdem sie wegen ihrer komplizierten Mutterschaft nach dem Sieg in Melbourne 2017 vier Majorturniere auslassen musste, reist sie nun schon zum achten Mal in Folge geschlagen von einem solchen ab. Die zum Greifen nahe Bestmarke hat unübersehbar zu einer Verkrampfung geführt. Dies zeigte sich vor allem in den Endspielen von Wimbledon und dem US Open, die sie in den vergangenen zwei Jahren alle aus einer Favoritenposition verlor – in London gegen Angelique Kerber und Simona Halep, in New York gegen Naomi Osaka und Bianca Andreescu, und das mit den Satzresultaten 3:6, 3:6, 2:6, 4:6, 2:6, 2:6, 3:6, 5:7.

«Ich verstehe, wie enttäuschend das für die Fans ist», stellte sich in Melbourne ihr Coach Patrick Mouratoglou via Twitter schützend vor sie. «Aber sie macht täglich alles, um ihren Traum zu erfüllen.» Sie habe vor dieser Saison extrem hart trainiert und sei kräftiger als letzte Saison, «irgendwann wird sich das auszahlen», sagte auch Williams. Es tönte wie eine verzweifelte Beschwörung.

Die dominanteste Spielerin der Profiära belegt ungewollt die vielfach geäusserte These, dass Stillstand auf dieser Stufe im Profitennis Rückschritt bedeutet. Ihre Power im Aufschlag und in den Grundlinienschlägen ist zwar noch da, ihr Siegeswille und ihre Kampfkraft sind ungebrochen. Doch ihre Beine werden nicht schneller, dafür die Gegnerinnen immer schlagstärker – und zudem haben sie den Respekt vor der früheren Seriensiegerin abgelegt. Der Kreis der Spielerinnen, die sie schlagen können, ist dadurch grösser denn je. Das zeigte die Chinesin Wang, die unbeeindruckt ihre Schläge durchzog und nur bei den ersten zwei Matchbällen kurz zitterte. Williams tat ihr dann aber den Gefallen, die Partie mit zwei Fehlern zu beenden.

Die stolze Amerikanerin dürfte nun vor schwierigen Monaten stehen. Denn Sand war noch nie ihre bevorzugte Unterlage, und in Wimbledon und am US Open dürfte das Siegen für sie durch die Negativerlebnisse der letzten zwei Jahre einiges schwieriger geworden sein. Margaret Courts Rekord scheint damit plötzlich in weiter Ferne.


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Erstellt: 24.01.2020, 15:22 Uhr

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