Gekommen, um zu bleiben

Belinda Bencic erklimmt mit dem Sprung in die Top 10 neue Höhen.

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Gleich 30 Ausrufezeichen benutzte Belinda Bencic hinter ihrem Tweet mit dem Wort «TOP 10» am Samstag, um das grosse Ereignis zu verkünden – ­gefolgt von einem Icon mit Tränen, einem mit Herzen in den Augen, einem grossen roten Herz und einem Popeye-artigen Muskelarm. Selbst für sie, die emotionelle Ostschweizerin, war das eine bemerkenswerte Gefühlsbekundung. Und diese darf das Fazit des Turniers in St. Petersburg bleiben.

Auch wenn sie den Final gegen die überragend spielende, 32-jährige Italienerin Roberta Vinci (WTA 16) mit einem zu deutlichen 4:6, 3:6 verlor, kann Bencic auf zwei ihrer erfolgreichsten Karrierewochen zurück­blicken. In Leipzig schlug sie vor acht Tagen Australian-Open-Siegerin Ange­lique Kerber und trug die Schweiz mit zwei Einzel- und einem Doppelsieg neben Martina Hingis in die Halbfinals des Fed-Cups. Nur Tage danach wurde sie ihrer erstmaligen Setzung als Nummer 1 an einem WTA-Turnier gerecht, schlug die unbequemen Annika Beck und Anastasia Pawljutschenkowa sowie die erst 18-jährige Daria Kasatkina. Sie spielte auch einen guten Final, in dem sie mit 17 Winnern bei 14 unerzwungenen Fehlern aber an einer an diesem Tag überlegenen Gegnerin scheiterte. Die erfahrene Vinci dominierte beide Kategorien (32/12).

Altersrekorde kein Thema

Mit dem Vorstoss in die Top 10 – als erster Teenager seit Caroline Wozniacki 2009 – hat Bencic ihr bisher grösstes Zwischenziel erreicht, und das schon mit 18 Jahren und gut 10 Monaten. Allein das ist höchst bemerkenswert und bezeugt, dass sie in ihrer Karriere bisher sehr wenig falsch gemacht hat – falls überhaupt. Bencic ist zwar weit entfernt von einem Altersrekord. Maria Scharapowa etwa erreichte die Top 10 bereits mit 17 Jahren und 2 Monaten als bislang zehntjüngste Spielerin – doch in dieser Statistik sind Fussnoten anzubringen. In den zwölf Jahren, die seither vergangen sind, entwickelte sich das Frauentennis vor allem in athletischer Hinsicht. Spielerische und taktische Brillianz fällt inzwischen viel weniger ins Gewicht als zu den Zeiten von Hingis, die mit sechzehneinhalb Jahren die jüngste Nummer 1 wurde.

Bedeutender als die Niederlage gegen Vinci, die am US Open 2015 sogar den Grand Slam von Serena Williams verhindert hatte, ist die Art, wie Bencic in Russland auftrat. ­Erstmals topgesetzt und mit ihrem erklärten, aber schon mehrfach ­verpassten Ziel Top 10 vor Augen zeigte sie Qualitäten, die auf diesem Top­niveau entscheidend sind. Wie die Fähigkeit, Rückstände aufzuholen oder in kapitalen Phasen das beste Tennis zu spielen und an Herausforderungen zu wachsen.

Der Weg nach oben bleibt steil

Belinda Bencic steht der Weg in den Tennisolymp zweifellos offen. Nicht zu übersehen ist aber, dass sich das Frauen­tennis in einer Übergangsphase befindet, in der nicht nur sie an die Spitze drängt. Der Weg dorthin scheint für sie zwar vorgezeichnet, ist jedoch kein Selbstläufer, wie nun erwartet werden könnte. In einer Weltsportart wie Tennis werden keine Fehler ver­geben, bedeutet Stillstand Rückschritt. Bencic ist zwar die klare Anführerin der Verfolger – aber auch vor und hinter ihr tut sich vieles. Kerber hat ihre Machtansprüche angemeldet, dahinter lauern Muguruza, Halep oder Radwandska. Und im Windschatten Bencics regen sich Teenager wie ­Kasatkina, Kulikowa, Ostapenko oder Konjuh. Belinda Bencic aber scheint gut gerüstet und beraten für alles, was da kommen mag.

Erstellt: 14.02.2016, 23:26 Uhr

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