Wawrinka siegt – und steigt aus

Der Romand erreicht die Viertelfinals der Swiss Indoors, erklärt aber spätabends Forfait und lässt das Schweizer Duell platzen.

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Am Tag nach seiner flammenden Grundsatzrede über die mangelnde Wertschätzung der Medien für ihn sammelte Stan Wawrinka in Basel weitere Argumente, die für ihn sprechen. In der bisher besten Partie des Turniers rang er nach 2:32 Stunden den Amerikaner Frances Tiafoe 6:3, 3:6, 7:5 nieder. Damit schien sein 27. Duell gegen Roger Federer, der gestern einen ­Ruhetag hatte, Tatsache. Bis der Romand selber für Ernüchterung sorgte, als er den Medien erklärte: «Die schlechte Nachricht ist, dass ich gegen Roger nicht spielen kann. Ich muss leider aufgeben.»

Passiert sei es im letzten Game, da habe er sich am Rücken verletzt, führte er aus. «Es gibt keine Möglichkeit, dass ich so schnell wieder fit bin.» Damit steht Federer kampflos im Halbfinal und kommt heute bereits zu seinem dritten Ruhetag der Woche. Am Samstag könnte er auf Stefanos Tsitsipas treffen, der heute noch gegen den Sieger des letzten Achtelfinals antreten muss, den Serben Filip Krajinovic, der mit Fabio Fognini einen Gesetzten eliminierte.

«Liess alles auf dem Platz»

Wawrinka bedankte sich nach dem Krimi gegen Tiafoe bei den 9000 entzückten Zuschauern für den grossen Support, der federersche Ausmasse angenommen hatte. «Ich liess alles auf dem Platz und servierte stark. Merci, merci beaucoup.» Die Stimmung sei schlicht unglaublich gewesen.

Er gewann den Startsatz nach einem Break zum 3:1 problemlos. Doch dann steigerte sich der 21-jährige Amerikaner, der Lausanner fiel 1:3 zurück und konnte trotz fünf Chancen nicht zurückbreaken. Die Partie wurde zum verbissenen Kampf, Wawrinka reinigte zwischendurch persönlich den Court vom Schweiss des Gegners.

Er hoffe, er werde auch etwas Applaus bekommen, hatte Tiafoe (ATP 48) vor der Partie gesagt. Doch auch im 3. Satz zeigte er sich unbeeindruckt von der Davis-Cup-Atmosphäre. Im vierten Game konnte er drei weitere Breakchancen Wawrinkas annullieren. Dieser enervierte sich danach über Schiedsrichter Mohamed Lahyani, obwohl er das Game zum 5:4 trotz eines Fehlentscheides klar gewonnen hatte. Im nächsten Aufschlaggame spielte er fehlerhaft und musste zwei Breakbälle abwehren. Als das Tiebreak schon Tatsache schien, schaffte Wawrinka im elf Minuten dauernden letzten Game doch noch das erlösende Break – dank einer Rückhand.

Der in Basel seit 22 Partien unbesiegte Federer hat damit so problemlos wie nie zuvor die Halbfinals erreicht. Gegen Peter Gojowczyk hatte er am Montag 6:2, 6:1 gewonnen, gegen Radu Albot am Mittwoch 6:0, 6:3, insgesamt stand er weniger als zwei Stunden im Einsatz. Federer wäre auch gegen Wawrinka der grosse Favorit gewesen, zumal er 23:3 führt und alle 17 Partien auf Hartplätzen gewonnen hat.

Power und Gefühl

Wawrinka hatte sich gegen Tiafoe von weit hinter der Grundlinie stark verteidigt. Er wechselte Power mit gefühlvollen Flugbällen und Lobs und schien sich so richtig wohlzufühlen, was in Basel bisher noch nicht oft der Fall war. Umso enttäuschender ist sein abrupter Ausstieg aus dem Turnier, an dem er in 14 Anläufen nur fünfmal in die Viertelfinals vorstossen konnte.

Nach seinem Startsieg über Pablo Cuevas hatte er in einem Monolog den Journalisten vorgeworfen, bei ihm immer nur das Negative zu suchen und nicht zu realisieren, wie hart es für ihn gewesen sei, nach der schweren Knieoperation wieder auf Rang 15 der aktuellen Jahreswertung vorzustossen. «Deshalb habe ich die Freude verloren, mit den ­Medien in der Schweiz zu sprechen.» Diese seien verwöhnt angesichts der Schweizer Erfolge.

Federer stützte Wawrinkas Aussage im Prinzip, führte sie aber auf eine breitere Ebene. Er wisse nicht, ob das nur ein Schweizer Problem sei, sagte er gegenüber SRF. «Generell ist es sicher nicht einfach für Stan. Denn im Tennis betrachtet man es nur als halbwegs gelungene Saison, wenn einer die Nummer 15 ist. Als 15. bester Fussballer oder Basketballer sähe es ganz anders aus.» Dazu komme, dass Tennisspieler immer an vergangenen grossen Erfolgen gemessen würden.

Erstellt: 24.10.2019, 22:43 Uhr

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