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Grandios grotesk

Die französische Wimbledon-Siegerin Marion Bartoli lässt sich im Training an die Leine legen und ist auch sonst bemerkenswert merkwürdig.

Weltklasse-Tennisspielerinnen sind blond, haben endlos lange Beine und schweben voller Grazie über den Court, ehe sie nach getaner Arbeit im kleinen Schwarzen lächelnd und über rote Teppiche staksen. So sieht das Idealbild der Werbeindustrie und der seit Jahren mit der Attraktivität ihrer Exponentinnen kokettierenden Women's Tennis Association aus. Die neue Wimbledon-Siegerin Marion Bartoli, deren hausbackene Gestalt einen BBC-Reporter am Wochenende zu spöttischen Bemerkungen veranlasste, will deshalb so gar nicht ins Bild passen. Die Französin ist durchaus nicht bemerkenswert elegant, dafür aber bemerkenswert merkwürdig.

In Wimbledon bestand Bartolis Aufwärmprogramm darin, die von einem knienden Lakaien aus nächster Nähe zugeworfenen Bälle im Stil eines Baseballprofis mit der Rückhand über das Netz zu prügeln. Prompt postete der schwedische Ex-Profi Jonas Björkman auf der Social-Media-Plattform Instagram Bilder des grotesken Treibens. Am letztjährigen US Open zog Bartoli den Spott der Tennisgemeinde auf sich, weil sie – in eine abenteuerliche Konstruktion aus Seilen, Bändern, Metallösen und Gewichten gespannt – auf dem Trainingsplatz angestrengt schnaufend eine wilde Abfolge von Schattenschlägen vollführte. Ihr linkes Bein war durch eines der Gummiseile mit dem rechten Knöchel ihres Vaters und langjährigen Trainers Walter Bartoli verbunden – wie eine Spielfigur in Heinrich von Kleists Essay «Über das Marionettentheater» mit ihrem Meister.

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