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«Ich bin über den Berg»

Mit altem Racket und neuer körperlicher Frische will Roger Federer in Ohio an frühere Erfolge anknüpfen. Zum Start bezwang er Philipp Kohlschreiber 6:3, 7:6.

Den Blick aufs Wesentliche gerichtet: Federer beim Spiel gegen Kohlschreiber in Cincinnati.
Den Blick aufs Wesentliche gerichtet: Federer beim Spiel gegen Kohlschreiber in Cincinnati.
Reuters

Philipp Kohlschreiber (ATP 26) dürfte sich in der Nachbetrachtung der Partie die Haare raufen. Er hatte im Tiebreak des zweiten Satzes ein 2:5 aufgeholt und kam bei 7:6 sogar zu einem Satzball. Roger Federer wehrte ihn mit einem Aufschlagwinner ab – dachte auch der Deutsche und verzichtete auf den Videobeweis. Blöd für ihn, denn Federers Ball war klar im Aus gelandet. Zwei Punkte später war die Partie vorbei, 6:3, 7:6 für den Schweizer, der in den Achtelfinals nach einem Ruhetag heute auf den Deutschen Tommy Haas (ATP 13) trifft, gegen den er mit 11:3 Siegen führt.

Federer trat wieder mit seinem kleineren Racket an, nachdem Tests mit einem grösseren Schlägerkopf (632 statt 581 Quadratzentimeter) in Hamburg und Gstaad zwiespältig verlaufen waren. Das überraschte angesichts seiner Aussagen vor dem Turnier, erwies sich aber als richtige Entscheidung und klares Signal: Anstatt sich durch Experimente zusätzlich verunsichern zu lassen, kehrt er zurück zum Bewährten. Er habe spontan entschieden, bis nach dem US Open wieder das alte Racket zu verwenden und erst danach wieder neue Modelle zu testen, wenn er mehr Zeit habe, sagte er. «Ich hatte das Gefühl, dass ich alles vereinfachen und wieder so spielen muss, wie ich es am besten kann.» Er habe momentan genug anderes, um das er sich kümmern müsse, werde aber den schwarzen Prototyp nach New York definitiv weitertesten.

Frappanter Unterschied zu den letzten Auftritten

Der Unterschied zu den missglückten Auftritten in Hamburg und Gstaad – wo ihn Rückenprobleme aus dem Tritt brachten – war frappant. Aufschlag und Vorhand waren wieder präzise Stärken, er gewann seine Aufschlagspiele in durchschnittlich 95 Sekunden und dominierte die Partie mit 11:1 Breakmöglichkeiten. Allerdings konnte er erst die siebte Chance packen (zum 4:2), worauf er im zweiten Satz aus heiterem Himmel selber 2:4 zurückfiel, nachdem er Kohlschreiber das Break mit einem verunglückten Smash und seinem einzigen Doppelfehler grosszügig geschenkt hatte (darauf aber gleich das Rebreak schaffte). Diese Szenen legten den Verdacht nahe, dass Federers Selbstvertrauen noch immer sehr fragil sein dürfte.

«Ich hatte zuletzt harte Wochen und Monate, in denen ich um vieles kämpfen musste. Es war wichtig, dass mir ein sauberer Match gelang», sagte der fünffache Cincinnati-Sieger nach der bei kühlen Bedingungen gespielten Abendvorstellung des Dienstags. «Nun kann ich wieder frei aufspielen. Ich war sogar überrascht, wie gut ich den Ball heute Abend schlug.»

Cincinnati – entspannt, schnell

Er denke, dass er «über den Berg» sei, auch was seine Rückenprobleme betreffe, schob er in einem Interview mit einem lokalen Fernsehsender nach. «Nach Gstaad sagte ich: Ich werde erst wieder auf den Court gehen, wenn ich keine Schmerzen mehr spüre. In Gstaad war ich zwar ziemlich schmerzfrei, aber nach der harten Woche in Hamburg schlecht vorbereitet.» Etwa fünf Tage nach dem Ausscheiden gegen Daniel Brands habe er es wieder mit Tennis versucht, und seither trainiere er hart, auch im körperlichen Bereich. «Ich fühle mich stärker, das ist auch mental gut, und ich bin wieder schmerzfrei.»

Für Federer geht es in Cincinnati um viel, er könnte im Fall eines frühen Scheiterns als Titelverteidiger nächsten Montag bis auf den 7. Rang abrutschen. Er hofft, dass ihn das entspannte Ambiente und die schnellen Bedingungen in Ohio einmal mehr seine Topform finden lassen. «Dank meiner früheren Erfolge weiss ich, dass ich das Turnier gewinnen kann, wenn die Dinge plötzlich gut laufen. Aber ich habe eine ziemlich harte Auslosung und schaue noch nicht so weit voraus.» Schon in den Viertelfinals könnte er auf Rafael Nadal treffen, der in der Nacht auf heute gegen Benjamin Becker startete, während Stanislas Wawrinka auf Tommy Robredo traf.

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