«Ich habe diesen Blödsinn schon oft genug gehört»

Nach dem Sieg gegen Daniel Evans war die Hitze das grosse Thema. Der Diskurs, dass er bevorteilt werde, nervt Roger Federer gewaltig.

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Es ist wärmer geworden in New York. Als Roger Federer am Freitag zur Mittagszeit den Court betrat, zeigte das Thermometer 30 Grad an. Unweigerlich kamen Erinnerungen auf ans vergangene Jahr, als er während seines verlorenen Achtelfinals gegen John Millman grosse Mühe gehabt hatte mit der Hitze. Er sei fast froh gewesen, als es vorbei gewesen sei, sagte er damals. Er habe kaum mehr Luft bekommen.

Als er den Court verliess, ging er damals nicht in die Garderobe, sondern direkt zum Arzt. Er musste längere Zeit liegen bleiben, um seine Atmung wieder unter Kontrolle zu bringen. «Ich hatte einen Hitzestau, wie ich ihn vorher noch nie erlebt hatte», sagte er nun rückblickend. «Die Hitzewelle kam damals in New York überfallartig. Im ersten Match gegen Nishioka war es schon sehr, sehr heiss gewesen.»

Der Körper brauche seine Zeit, um sich daran zu gewöhnen, so Federer. Deshalb seien jene im Vorteil gewesen, die in heissen Bedingungen aufgewachsen seien oder leben würden. Interessant ist: Vier der acht letztjährigen US-Open-Halbfinalisten bei den Männern und Frauen hatten den Wohnsitz in Florida.

Nicht mehr oft in Dubai

Federer pflegte zu Beginn seiner Karriere die Trainingsbasis nach Dubai zu verlegen, um besser mit der Hitze zurechtzukommen. In den letzten Jahren hat er als ­Familienvater, der möglichst viel Zeit mit seinen Kindern in der Schweiz verbringen möchte, nur noch die Saisonvorbereitung im Dezember im Emirat gemacht.

Um diesmal am US Open keine weitere unliebsame Überraschung zu erleben, suchte er im Vorfeld die Hitze: «Als es in der Schweiz heiss war, sagte ich: Heute wird extra hart trainiert! Und nachdem ich in Cincinnati ausgeschieden war, war es am wärmsten am Samstag, Sonntag und Montag. So trainierten wir genau dann, wenn es am heissesten war. Das war hart, ich war total kaputt. Aber deshalb glaube ich, dass ich diesmal viel mehr ready bin für die heissen Tage als die letzte Saison.»

Zumal er damals nach Wimbledon während drei, vier Wochen einen steifen Rücken gehabt hatte und vor Flushing Meadows nicht so oft und hart hatte trainieren können wie gewünscht.

Federer fühlt sich diesmal also bereit für die Hitze, hätte gegen Daniel Evans (ATP 58) auch eine intensive Partie bei 30 Grad gut durchstehen können. Doch das war nicht nötig. Er brauchte nur gerade 80 Minuten, um Evans 6:2, 6:2, 6:1 vom Platz zu fegen. 48 zu 7 Winner lautete die Bilanz, die seine erdrückende Überlegenheit dokumentierte.

«Er hat mich von Anfang ­dominiert», sagte Evans. «Er beherrscht jeden Schlag. Und es ist nicht ideal, einen Gegner zu haben, der jeden Schlag beherrscht. Dazu kam, dass ich mich müde und steif fühlte.» Der 29-Jährige hatte am Donnerstag noch über drei Stunden gekämpft, um Lucas Pouille zu schlagen. Derweil genoss Federer einen spielfreien Tag, weil er am verregneten Mittwoch unter geschlossenem Dach gespielt hatte. Was natürlich ein Vorteil war.

Er hätte gerne am Abend gespielt, um sich länger erholen zu können, jammerte Evans. Federer hatte Verständnis für dessen Klage. Aber als ein englischer Journalist nachfragte, ob er gewünscht habe, möglichst früh zu spielen, reagierte Federer verärgert.

Er spielt auch um 4 Uhr morgens

«Es ist nicht so, dass Roger alles bekommt, was er möchte», sagte er und fixierte den Reporter mit den Augen. «Ich habe diesen Blödsinn schon oft genug gehört. Ich bin es nicht, der hier bestimmt, es sind das Turnier und die TV-Stationen. Ich kann meine Meinung äussern. Aber mehr nicht. Wenn sie sagen, ich solle um 4 Uhr morgens spielen, dann laufe ich dann auf den Court.»

Dies dürfte wahrscheinlich nicht passieren, denn auch in der Stadt, die angeblich nie schläft, sind zu dieser Zeit nicht mehr viele wach. Das späteste Ende eines Spiels am US Open war um 2.26 Uhr morgens.

Erstellt: 30.08.2019, 23:34 Uhr

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