«Wir haben uns unterhalten, aber Rogers Nummer habe ich nicht»

Die 15-jährige Cori Gauff, Siegerin des WTA-Turniers in Linz, spricht über das Erwachsenwerden und die Gründe, die sie zu Federers Agentur Team8 führten.

Cori Gauff gewann in Linz ihr erstes WTA-Turnier. (Bild: Keystone)

Cori Gauff gewann in Linz ihr erstes WTA-Turnier. (Bild: Keystone)

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In Wimbledon hatte sie inklusive Qualifikation sechs Spielerinnen geschlagen, darunter Venus Williams. Am US Open stand sie unter den letzten 32. Und nun dies: Nachdem sie in Linz im Vorturnier ausgeschieden war (4:6, 2:6 gegen die Deutsche Tamara Korpatsch), rutschte Cori «Coco» Gauff als Lucky Loser ins Hauptfeld nach. Dort schlug sie mit Kiki Bertens erstmals eine Top-10-Spielerin und gewann am Sonntag auch den Final, gegen die frühere French-Open-Siegerin Jelena Ostapenko.

Wie haben Sie dieses Turnier in Österreich erlebt?
Ich bin überwältigt und geschockt. Es tönt verrückt, dass ich einen WTA-Titel gewonnen habe. Das stand nicht auf meinem Jahresplan, weil ich dachte, ich käme gar nicht in solche Turniere hinein. Mein Vater hatte mir vor dem Hauptturnier gesagt: «Du kannst nicht zweimal im gleichen Turnier verlieren.» Es war eine unglaubliche Woche.

Die grosse Bühne hatten Sie 2019 schon: Sie spielten vor der Royal Box in Wimbledon, trafen Michelle Obama, begeisterten beim US Open. Hatten Sie Zeit, alles zu verarbeiten?
Nicht wirklich. Immer passierte Neues, Aufregendes. Nach der Saison werde ich aber alles noch einmal durchgehen, um zu verstehen, was passiert ist. Auch um zu wissen, wie und wo ich mich verbessern kann. Dieses Jahr war bisher das beste meines Lebens.

Ihr Vater Corey, ein früherer Basketballspieler, ist Ihr Trainer. Ihre Mutter Candi war eine gute Leichtathletin. Beide opferten ihre Jobs für Sie.
Beide sind sehr wichtig für mich. Er führt mich und hilft mir, das nächste Level zu erreichen. Und er entscheidet auch, woran wir arbeiten sollen.

Die Öffentlichkeit warüberrascht von Ihren Erfolgen. Sie auch? Immerhin waren Sie als Juniorin die Nummer 1.
Das ist nicht einfach zu beantworten. Es ist so: Wenn ich auf den Platz gehe, erwarte ich, nicht zu verlieren. Deshalb war ich vielleicht nicht immer sehr überrascht. Aber auch wenn ich in den sozialen Medien aktiv bin, behalte ich vieles für mich, weil es ­private Gedanken sind.

In Linz waren Sie zuerst eine von vielen, während Sie in den USA als Supergirl gefeiert werden. Wie erleben Sie das?
Das ist gar kein Problem, da ich in meiner Karriere meist nur kleine Turniere gespielt habe. Für mich hat sich Linz angeboten, weil ich in Nizza manchmal trainiere. (In der Akademie von Patrick Mouratoglou, dem Trainer von Serena Williams, Red.)

Ihr Alter löst immer wieder Diskussionen aus. Beispiele von jungen Spielerinnen, die früh verheizt wurden, gibt es einige: Capriati, Austin, Jaeger ... Wie sehen Sie das?
Ich finde es in Ordnung, dass man bis 16 nur eine bestimmte Anzahl an Turnieren spielen darf. Ich weiss, dass dies zum Schutz von jungen Spielerinnen ist. Ich würde höchstens für eine leichte Aufweichung plädieren.

Was bemerkenswert an Ihnen ist: Mit 15 haben Sie bereits eine starke Bindung zum Publikum. Ist dies manchmal mental anstrengend? Wie war das nach New York?
Ich würde nicht sagen, dass mich das mental ausgelaugt hat. So bin ich eben und das hilft mir. Aber etwas habe ich gelernt: Grand Slams sind viel intensiver, das sind andere Matches als etwa in Linz. Es passiert viel mehr.

Wenn man Ihr Erscheinen in einem grösseren Zusammenhang betrachtet, fällt auf:Die Teenager rocken! Greta Thunberg hat politisch eine Welle losgetreten. In der Musik erstürmt Billie Eilish die Welt ...
Ich liebe Billie Eilish. Ich würde auch gerne an eines ihrer Konzerte gehen.

Gibt es so etwas wie den Geist einer neuen Generation?
Das kann ich schwer beurteilen, aber wenn ich erlebe, dass ich offenbar andere Mädchen inspiriere, dann ist das schön. Ich habe auch Inspirationen gefunden, die mir immer wieder geholfen ­haben. Serena und Venus (Williams) bewundere ich für vieles. Und ich bin sicher, auch Greta wurde von jemandem inspiriert, um so aktiv zu werden.

Sie sind bereits bei einernamhaften Agentur unter Vertrag. Team8 gehört Roger Federer und dessen Manager Tony Godsick. Wie kam es dazu?
Roger ist eine Legende, ein Vorbild im Tennis, und mit ihrer ­Erfahrung und ihren Kontakten können sie mir sicher sehr gut helfen. Das war der Gedanke.

Das hat bereits geklappt, nicht nur sportlich. Mit einem Sportbekleider haben Sie einen grossen Vertrag abgeschlossen, viele Sponsoren interessieren sich für Sie. Wie intensiv ist der Austausch mit Federer?
Wir haben uns natürlich schon unterhalten, hauptsächlich bei Grand Slams laufen wir uns über den Weg. Ansonsten sehe ich ihn nicht so oft. Ich habe nicht mal Rogers Nummer (lacht). Mich ­begleitet auch nicht ständig ein Agent, ich bin ja immer mit meinem Vater unterwegs, auch hier.

Wie gehen Sie die nächsten Monate an?
Ich werde vor allem Zeit mit meiner Familie verbringen, ein schönes Thanksgiving-Essen haben, und ich hoffe, ich schaffe es nach Orlando, ins Disney World. Ich muss nur noch meine Mutter überzeugen. Sportlich habe ich dieses Jahr keine weiteren Ziele. Ich habe alles erreicht, was ich mir erhofft hatte.

Die 15-Jährige aus Florida, die das Jahr als 875. der Welt begonnen hatte, stiess auf Rang 71 vor und ist die jüngste Turniersiegerin seit 2004 (Nicole Vaidisova). Als sie in Linz zum Gespräch ­erscheint, ist da eine höfliche, fröhliche junge Frau, die kaum fassen kann, wie ihr geschieht.

Erstellt: 15.10.2019, 08:41 Uhr

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