«Ich hätte gegen Dimitrov wohl die leicht bessere Chance»

Wen sich Roger Federer als Gegner für den Final wünscht und warum er an das legendäre Wimbledon-Endspiel von 2008 denkt.

«Für mich zählt nur der Sieg»: Federer (Mitte) trifft entweder auf Grigor Dimitrov (l.) oder Rafael Nadal – das entscheidet sich heute. Fotos: Keystone

«Für mich zählt nur der Sieg»: Federer (Mitte) trifft entweder auf Grigor Dimitrov (l.) oder Rafael Nadal – das entscheidet sich heute. Fotos: Keystone

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Können Sie nun, da Sie im Final stehen, Ihre sechsmonatige Verletzungspause als etwas Gutes sehen?
Jetzt sieht es zumindest so aus. Eine Pause einzulegen, war sicher die richtige Entscheidung. Irgendwann waren die Mittel zur Pflege, damit ich mich halbwegs okay fühlte, erschöpft. Ich realisierte, dass ich die Top-10-Spieler nicht mehr schlagen würde, wenn ich mich nicht gut fühle. Ich erreichte mein ­Limit. Vielleicht würde ich mal einen fordern können, vielleicht sogar bezwingen. Aber sicher nicht mehrere nacheinander. Ich fühlte mich nicht mehr gut ­genug dazu, weder körperlich noch mental. Deshalb sagte ich mir: Es reicht. Ich will das Tennis wieder 100-prozentig geniessen können. Die Trainings, die ­Behandlungen, die Matches, die ganze Routine. Wenn man nur immer am Feuerlöschen ist, macht es keinen Spass mehr. Mir haben diese sechs ­Monate viel gegeben. Und natürlich bin ich happy, dass diese Woche nun so gut verlaufen ist.

Dachten Sie nicht, als der Match gegen Stan Wawrinka auch über fünf Sätze ging, das könnte für Sie zu viel sein?
Zum Glück erarbeitete ich mir in den ­ersten zwei Sätzen einen Vorsprung, ­indem ich sehr viele Dinge richtig tat. Aber ab Mitte des vierten Satzes realisierte ich, dass Stan von der Grundlinie aus der Chef war. Trotzdem glaubte ich noch an meine Chance. Ich ermahnte mich, die Dinge zu tun, die ich anfangs so gut getan hatte. Ich bin sehr zufrieden mit meiner Einstellung im fünften. Ich weiss nicht, ob ich mir das entscheidende Break wirklich verdient hatte. Es war etwas glücklich. Es war ein komischer Match, aber ich bin überglücklich, dass ich ihn gewinnen konnte.

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Wenn Ihnen vor zwei Wochen ­jemand gesagt hätte, Sie würden als Finalist hier sitzen – was hätten Sie ihm geantwortet?
Logisch, im Sport ist alles möglich. Aber ich hätte trotzdem abgewunken. Ich hätte nicht gedacht, dass es so kommen könnte. Ich sah einfach zu viele starke Spieler, an denen ich nicht vorbei­kommen könnte. Ich bin schon sehr überrascht.

Worauf sind Sie stolzer? Auf Ihre Fitness, die es Ihnen erlaubte, ­solche Matches durch­zustehen? Oder auf Ihre mentale Stärke?
Ich habe mich in vielen Bereichen überrascht. Aber ich sagte immer: Wenn der Aufbau mit Pierre (Paganini) von Ende Oktober bis Anfang Dezember gut läuft, bin ich körperlich vielleicht so gut vorbereitet wie noch nie. Aber natürlich muss ich es dann auch im Match umsetzen. Ich wusste also, ich habe viel getan, aber ich wusste nicht, wie ich reagieren würde, wenn ich mehrere Matchs in ­Serie spielen würde.

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Wen wünschen Sie Roger Federer als Finalgegner?




Sie liessen sich vor dem fünften Satz an den Adduktoren behandeln. War es danach besser?
Nein, es war weder besser noch schlechter. Ich spürte eine Verkrampfung während des ganzen Matches. Und ich hatte das Gefühl, dass mich das bremste. Aber es ist nichts Gravierendes. Ich mache mir da keine grossen Sorgen.

Wird Ihr Oberschenkel Sie am ­Sonntag im Final behindern?
Ich glaube nicht. Aber ich bin schon sehr froh, dass ich nun zwei Tage frei habe und nicht nur einen. Das könnte ­Wunder bewirken. Ich werde alles geben am Sonntag, auch wenn ich danach fünf ­Monate Pause machen muss.

Fast alle wünschen sich einen Final Federer - Nadal. Und Sie?
Ich denke, ich hätte wohl die leicht ­bessere Chance gegen Dimitrov als gegen Nadal. Aber wer weiss. Mir ist eigentlich egal, wer auf der anderen Seite des Netzes steht. Für mich zählt nur der Sieg.

Sie sagten, Sie hätten gegen Nadal ein bisschen zu oft auf Sand gespielt. Wie meinten Sie das?
Sagen wir es so: Wahrscheinlich verlor ich den Wimbledon-Final 2008, weil er mich zuvor in Paris zerstört hatte. Natürlich, er spielte stark. Aber das hatte ­Spuren hinterlassen. Ich denke, das Mentale war in unserer Rivalität in ­gewissen ­Momenten entscheidend. Aber jetzt ist eine andere Zeit, und ich weiss, ich kann hier gegen Rafa auf eine Weise spielen, wie das am French Open nicht möglich ist. (Aufgezeichnet: sg.)

Erstellt: 27.01.2017, 08:00 Uhr

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