«Man erhält schönere Hotel­zimmer und Geschenke»

Die nun 19-jährige Belinda Bencic sagt, was ihr neuer Status als Top-10-Spielerin mit sich bringt und ob sie nun Golf spielt.

Schokolade statt Kuh: Belinda Bencic träumt vom ersten Grand-Slam-Titel und entsprechenden Geschenken. Foto: John G. Mabanglo (EPA)

Schokolade statt Kuh: Belinda Bencic träumt vom ersten Grand-Slam-Titel und entsprechenden Geschenken. Foto: John G. Mabanglo (EPA)

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Wie haben Sie Ihre ersten drei Wochen als Top-10-Spielerin erlebt?
Resultatmässig ist es mir zwar nicht so gut gelaufen in Doha und Dubai (sie verlor zweimal im Startspiel, gegen Jelena Jankovic und Coco Vandeweghe). Aber ich hatte vorher auch viel gespielt, und diese Resultate haben keine negativen Spuren hinterlassen. Ich fühle mich weiter­hin sehr gut auf dem Platz.

Was hat sich geändert durch Ihren neuen Status?
Es ist vor allem ausserhalb des Platzes mehr los, wie zum Beispiel dieser Medientag hier. So etwas erlebe ich zum ersten Mal. Das ist für mich ein Lern­prozess – aber ich hatte ja auch schon vorher viele Pressekonferenzen. Es ­gefällt mir schon, noch ein bisschen mehr Aufmerksamkeit zu bekommen. Denn dies zeigt dir, dass du wirklich ­angekommen bist in den Top 10.

Was ist das Schönste daran, zu den besten zehn Spielerinnen der Welt zu gehören?
Man ist überall gesetzt, bekommt bessere Trainingsplätze, kann in bessere Garderoben, erhält schönere Hotel­zimmer und Geschenke. Hier war es zum Beispiel ein riesiger Lebensmittelkorb. Es gibt in allem nur Vorteile.

Haben Sie sich nun ein neues Ziel gesetzt?
Nein. Das Ziel ist, dass ich mich möglichst gut etabliere, das ist nicht so ­einfach. Viele Spielerinnen kommen schnell in die Top 10, aber verschwinden dann auch schnell wieder. Ich versuche vor allem, nun konstant gute Resultate zu haben.

Nach Doha hatten Sie nun erstmals in dieser Saison eine Woche ohne Turnier. Wie verbrachten Sie diese freien Tage?
Wir waren in Boca Raton, Florida. Meine Mutter und mein Bruder waren auch da, ich konnte Zeit mit ihnen verbringen und etwas abschalten. Das war schön.

Haben Sie das Gefühl, dass Sie Anfang Jahr zu viel gespielt haben? Sie waren acht Wochen in Folge unterwegs, zuerst in Australien, dann in Leipzig und St. Petersburg und schliesslich in Dubai und Doha.
Nein. Ich finde, es war gerade richtig, ideal. Denn es gab ja auch zwischendrin immer wieder kleinere Pausen. Wir ­passen die Turnierplanung stets meinen Gefühlen an, können auch reagieren.

Mitte April steht der Fed-Cup-Halb­final gegen Tschechien in Luzern an. Ist das für Sie ein Höhepunkt?
Ich finde es super, dass wir endlich wieder einmal zu Hause spielen können (seit April 2013 musste die Schweiz fünfmal in Folge auswärts antreten). Vor allem jetzt, wo wir so gute Resultate haben. Es dürften viele Leute kommen, das Interesse an dieser Begegnung ist gross. Wo in der Schweiz das Spiel stattfinden würde, war mir eigentlich egal.

Spielen Sie nach Indian Wells und Miami unmittelbar vor Luzern auch noch in Charleston auf Sand? Der Fed-Cup findet dann ja wieder auf einem Hartplatz statt.
Wenn ich hier oder in Miami sehr erfolgreich spielen sollte, würden wir uns einen Start in Charleston nochmals überlegen. Aber ich bin dort gemeldet und gehe davon aus, dass ich spiele.

Wissen Sie inzwischen, ob Sie an Olympia in Rio mit Martina Hingis auch das Doppel bestreiten werden?
Das ist noch nicht entschieden.

Zurück zur Gegenwart: Warum ist Indian Wells Ihr Lieblingsturnier?
Mit den Resultaten hat das nichts zu tun (2015 unterlag sie im Achtelfinal ­Jelena Jankovic, 2014 im Startspiel ­Heather Watson). Aber für uns Spieler ist es hier einfach am besten. Es gibt das Hawkeye (Videobeweis) auf allen Plätzen, die Garde­robe ist super, die Players Lounge ebenfalls. Und zudem ist einfach alles super schön.

Es gibt hier auch unzählige Golfplätze. Spielen Sie manchmal auch?
Ich würde gerne, aber dazu braucht man viel Zeit. Ich war einmal auf der Driving Range, aber das ist schon länger her.

Das dritte und bisher grösste Turnier als Top-10-Spielerin findet für Belinda ­Bencic an ihrer Lieblingstation auf der Tennistour statt: in der kalifornischen Wüstenoase Indian Wells im Coachella Valley, drei Autostunden von Los Angeles. «Wenn du am Morgen aus dem ­Fenster blickst und das siehst, weisst du, dass sich harte Arbeit auszahlt», twittert sie aus ihrem Hotel, zusammen mit ­einem Bild des idyllischen Panoramas mit Pool, Palmen und Bergen, das sich zu ihren Füssen ausbreitet.

Die Ostschweizerin feierte gestern ­ihren 19. Geburtstag. Sie musste am grössten Turnier nach den Grand Slams als eine der besten acht schon vor ihrem Startspiel (am Samstag gegen die Amerikanerin Lauren Davis) viele Interviews geben. Dabei sind die Journalisten aber an diesem Mittwoch weniger an ihr als an ihrer Meinung zum Dopingfall von Maria Scharapowa interessiert: Zwei Drittel der über dreissig englischen Fragen an ihrer Medienkonferenz betreffen dieses Thema. Bencic bewältigt das Kreuzverhör geschickt, weicht aus, wenn sie muss, und spricht von den vielen Kontrollen, die sie vor, während und nach Turnieren sowie zuhause über sich ergehen lassen muss. Sie erzählt, dass sie auch persönlich alle Medikamente überprüfe, falls sie wirklich einmal welche benötige. Zwischendurch spricht die Nummer 8 aber auch über ihre eigene Karriere, die neue Höhen erreicht hat.

Irgendwann an diesem Medientag wird Belinda Bencic von einem amerikanischen Reporter darauf angesprochen, dass Roger Federer nach seinem ersten Grand-Slam-Sieg in der Schweiz eine Kuh erhalten habe (2003 vom Turnier in Gstaad). Und fragt, was sie denn gerne erhalten würde nach Ihrem ersten Grand-Slam-Titel – als ob klar sei, dass sie selber bald auch solche Turniere gewinnen wird. «Eine Kuh will ich nicht», schiesst es aus ihr heraus. Was denn? «Einen riesigen Korb voll Schokolade.»

Erstellt: 11.03.2016, 08:09 Uhr

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