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«Ich würde gerne Namen hören»

Roger Federer bedauert zwar, dass das Australian Open von neuen Wettspekulationen überschattet wird. Er sieht darin aber auch eine Chance.

Attraktive Werbeplattform: Wettanbieter William Hill sponsert das Grand-Slam-Turnier von Melbourne. Foto: Keystone
Attraktive Werbeplattform: Wettanbieter William Hill sponsert das Grand-Slam-Turnier von Melbourne. Foto: Keystone

Was sagen Sie zu den neuen Vor­würfen, im Tennis würden Partien für Wetten abgesprochen?

Diese Anschuldigungen sind nicht sehr neu für mich, es gibt ja keine neuen ­Namen. Aber man muss das ernst nehmen und dafür sorgen, dass alle Spieler merken, wie wichtig es ist, dass der Sport sauber bleibt. Wenn Partien abgesprochen werden, warum soll man dann noch an Turniere gehen? Alle müssen das Maximum dagegen tun. Aber man kann nicht verhindern, dass Spieler von verschiedenen Leuten angesprochen werden. Jeder, der sich auf Absprachen einlässt, muss aber wissen, dass dies seine Karriere beenden kann.

Halten Sie es für möglich, dass die Funktionäre etwas verstecken? Ich denke nicht. Ich habe Vertrauen in die Gremien und glaube an das System, auch wenn man immer mehr machen könnte, wie im Doping. Aber mich überrascht auch nicht, dass diese Story am Tag vor einem Grand-Slam-Turnier ­publiziert wurde. Ich weiss, wie es läuft. Ich hatte schon am Samstag gehört, dass eine solche Geschichte kommen würde. Aber solange man keine neuen Namen kennt, gilt für alle die Unschulds­vermutung.

Bedauern Sie, dass dieses Thema nun vom Turnier ablenkt?

Das gehört halt dazu. Mich persönlich lenkt es nicht ab. Aber solche Neben­geräusche sind in meinen Augen schade für das Australian Open. Sie wollen hier ein gutes Turnier organisieren, und dann legt sich ein solcher Schatten da­rüber und drückt auf die Stimmung. Aber es könnte ja auch eine positive Auswirkung haben: Dass man dieser Geschichte wirklich auf den Grund geht – egal, wie viel dahintersteckt. Es ist logisch, dass das Tennis diesen Rucksack, diesen Ballast loswerden muss. Dafür müssen alle kämpfen, die Grand Slams, die ITF, die ATP und die WTA. Für das Turnier ist es zwar nicht optimal, aber letztlich vielleicht trotzdem positiv.

Wie wichtig ist für Sie dieses Thema?

Ich habe darüber schon länger nicht mehr gesprochen, wurde auch noch nie von jemandem in dieser Hinsicht kontaktiert. Zum Glück. Am Anfang meiner Karriere hätte ich nicht gewusst, wie ich reagieren soll, da gab es noch keine ­Tennis Integrity Unit. Als einmal ein Gambler kam, um uns Spieler darüber zu informieren, hatte ich keine Ahnung, wovon er sprach. Das war etwa 2007. Seither kamen tröpfchenweise Informationen, wer was gemacht haben soll.

Überrascht es Sie, dass nun sogar Grand-Slam-Champions involviert sein sollen?

Je höher Klassierte involviert wären, ­desto überraschter wäre ich. Aber ich würde gerne Namen hören. Waren es Spieler? Leute aus ihrem Umfeld? Wer war es und wann? An welchem Grand-Slam-Turnier? Es ist einfach, etwas in die Luft zu setzen. Und ein Unsinn, auf pure Spekulationen zu antworten.

Aber erweckt es nicht auch einen schlechten Eindruck, dass Spieler zwar nicht wetten dürfen, im Tennis aber viele Sponsoring-Verträge mit Wettfirmen eingegangen werden?

Gewettet wird auf der ganzen Welt, in ­allen Sportarten. Die Spieler müssen sich einfach bewusst sein, dass die In­tegrität der Sportart bewahrt werden muss. Was das Sponsoring betrifft, geht es wohl auch um sehr viel Geld. Aber das ist eine Frage, die Sie eher Leuten in Anzügen stellen müssten als jemandem im Trainingsanzug. (Aufgezeichnet rst)

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