Federer patzt und witzelt

Der Maestro setzte bei Matchball Djokovic einen Tiefpunkt. Bei der Siegerehrung war er aber schon wieder zum Spassen aufgelegt.

Und wieder ist es Djokovic, der den Pokal stemmen darf – Federer hat nach Wimbledon und dem US Open auch seinen dritten grossen Final des Jahres gegen ihn verloren. Foto: EQ

Und wieder ist es Djokovic, der den Pokal stemmen darf – Federer hat nach Wimbledon und dem US Open auch seinen dritten grossen Final des Jahres gegen ihn verloren. Foto: EQ

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Nach nur 80 Minuten stoppte die Matchuhr, das Skore sprang auf 6:3, 6:4. Und Roger Federer musste sich einmal mehr auf jene Rolle vorbereiten, die ihm in diesem Tennisjahr schon in Indian Wells, Rom, Wimbledon und New York geblieben war: die des Finalverlierers. Und wieder war es Novak Djokovic, der eine Trophäe in Empfang nehmen durfte, die auch er gerne gehabt hätte, diesmal die der ATP-Finals, die an einen Schirmständer erinnert.

«Ich bin sehr stolz. Besser hätte das Ende nicht sein können. Es war das beste Jahr meiner Karriere», sagte der 28-jährige Serbe, nachdem Feuerwerk in die 02-Arena hochgegangen und ein Konfettiregen über ihn niedergerieselt war. Als Erster konnte er dieses Turnier viermal in Folge gewinnen. Es war bereits sein elfter Turniersieg eines Jahres, in dem er sich in eigenen Sphären bewegte, bereits sein 15. Endspiel in Folge bestritt und ihm, zumindest rückblickend betrachtet, nur Stan Wawrinka vor dem Grand Slam gestanden war, im Final von Roland Garros. Es war auch ­finanziell eine Rekordsaison des Serben, der mit den 2,061 Millionen von London als erster Spieler in einem Jahr die Marke von 20 Millionen Dollar übertrifft.

«Besser, als nicht zu spielen»

Federer beendete sein 10. Endspiel an diesem Turnier mit einem stimmungsmässigen Tiefpunkt. Beim zweiten Matchball unterlief ihm ein Doppel­fehler, entsprechend verhalten fiel der ­Jubel Djokovics aus. Der Baselbieter fand an der Siegerehrung sein Lächeln schnell wieder. «Es ist nie lustig, zu verlieren. Aber es ist immer noch besser, als gar nicht zu spielen», sagte er zum ­Publikum, in dem eine Mehrheit bis ­zuletzt auf eine Wende gehofft hatte.

Doch es war nicht Federers Tag. Von den 62 Punkten, die Djokovic gewann, waren offiziell die Hälfte unerzwungene Fehler. Wie am US Open startete Federer schlecht. Er fiel 1:3 zurück und verpasste es im Gegensatz zum Halbfinal gegen Stan Wawrinka, sich schnell zurückzukämpfen. Eine Breakchance zum 3:3 vergab er mit einem Fehler, dafür wurde er zum 3:6 erneut gebreakt. Und obwohl er sich im zweiten Durchgang steigern konnte und deutlich besser aufschlug, kam er zu keinen weiteren Breakchancen. «Chumm jetzt endlich», rief ein ­Zuschauer aus dem Rund entnervt. Doch weder dies noch ein letzter Lärmausbruch des Publikums bei 4:4 sorgten dafür, dass ­Federer noch einmal kam.

Der gewachsene Bart liess ihn zwar optisch als verwegenen Herausforderer wirken. Doch seiner Spielweise war einmal mehr der grosse Respekt anzumerken, den er Djokovic in dessen Karriere­hoch entgegenbringt. Er schien nicht wirklich an seine Chance zu glauben, ­dosierte oft falsch und musste sich mit ­einigen herrlichen Punkten trösten.

Auch für Becker gewonnen

Djokovic beendet damit das Jahr mit fünf Turniersiegen in Folge und einer 82:6-Bilanz. Am letzten Wochenende glich er die Duelle gegen Rafael Nadal (23:23) und Federer (22:22) beide aus. Seine letzten beiden Niederlagen fügte ihm der Baselbieter zu, in Cincinnati und sechs Tage zuvor in der Round-Robin-Phase. Seit im Oktober 2014 sein Sohn Stefan zur Welt kam, hat er 91 von 97 Partien und 13 Titel gewonnen. Der 10-fache Grand-Slam-Sieger dachte aber gestern auch an Boris Becker, seinen Coach, dem er noch auf dem Court zum 48. Geburtstag gratulierte. Auch für ihn habe er diese Trophäe geholt, sagte er. Später verteilte er – eine Tradition – den Medienvertretern Pralinés, während seine Frau fotografierte.

«Ich retournierte besser als am Dienstag, und seine Rückhand war nicht so gut», sagte er zum Final. Doch nun hat auch er vorerst genug gewonnen: «Nun nehme ich zwei Wochen Ferien und will von Tennis erst mal nichts mehr wissen.»

Aber auch Federer darf auf seine Saison stolz sein. Mit 34 Jahren ist er der älteste Spieler seit zehn Jahren und Andre Agassi, der ein Jahr als Top-10-Spieler beendet (der Amerikaner war damals die Nummer 7). Mit seiner Matchbilanz von 63:11 erreichte er in seiner 17. Profisaison zum 7. Mal einen Wert von über 85 Prozent gewonnener Partien. Ebenfalls erst zum 7. Mal schliesst er ein Jahr mit sechs oder mehr Turniersiegen ab.

Erstellt: 22.11.2015, 23:03 Uhr

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