In Lausanne ist alles eine Nummer kleiner

Die Veranstalter des Ladies Open haben in Gstaad drei Jahre lang Verlust gemacht und sind daher mit dem Turnier nach Lausanne umgezogen – ein Augenschein.

Kleiner, bescheidener, billiger: Timea Bacsinszky auf dem Lausanner Centre-Court. Foto: P. Müller (Freshfocus)

Kleiner, bescheidener, billiger: Timea Bacsinszky auf dem Lausanner Centre-Court. Foto: P. Müller (Freshfocus)

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Logisch, die Beine wirbeln schneller über den roten Sand als gewöhnlich, die Schläge fallen härter aus, und zuweilen wird auch deutlich lauter gestöhnt. Doch wer nicht auf Details achtet, kommt am frühen Nachmittag im Tennis-Club Stade-Lausanne zumindest südlich des Clubhauses kaum auf die Idee, dass hier ein internationales Profiturnier stattfindet. Als sich auf Court 1 Liudmila Samsanowa und Pauline Parmentier messen, sitzen ein paar Zaungäste in drei Reihen auf Plastikstühlen.

Wer sich genauer umschaut, findet zwei Foodtrucks, ein paar kleine Sponsorenzelte, elektronische Anzeigetafeln und zwischen Restaurant und der stark befahrenen Avenue de Rhodanie den Centre-Court, der von einer provisorischen Tribüne und dem gedeckten VIP-Bereich eingerahmt wird. In Lausanne ist alles mindestens eine Nummer kleiner und bescheidener als noch in Gstaad, wo das WTA-Event in den letzten drei Jahren stattfand.

«In Gstaad ist alles teuer»

Jean-François Collet bestätigt den Eindruck. «Das Stadion in Gstaad ist schon für die Männer zu gross, für die Frauen sowieso», sagt der Turnierdirektor. Die Roy Emerson Arena, die jeweils im Chaletdorf errichtet wird, fasst 4500 Personen, der Centre-Court in Lausanne nur 1500. Die Redimensionierung ist gewollt. Das traditionsreiche Swiss Open der Männer ist zwar rentabel, aber mit dem Ladies Open haben die Organisatoren von der Grand Chelem Event SA von 2016 bis 2018 jedes Jahr Verlust gemacht.

Collet gibt zu, die Sache falsch eingeschätzt zu haben. Einerseits habe er nicht bedacht, einen grösseren Anteil an den Kosten für die Infrastruktur, die auch das Beachvolleyball-Turnier verwendet, übernehmen zu müssen, andererseits hätten sich die beiden Tennisanlässe publikumsmässig kannibalisiert. WTA-Veranstaltungen haben sowohl bei den Zuschauern als auch bei den Sponsoren weniger Zugkraft als ATP-Events, daher liessen sich die hohen Ausgaben nicht refinanzieren. «In Gstaad ist alles qualitativ top, aber auch teuer», sagt Collet und erwähnt die hohen Preise für Kost und Logis der Spielerinnen.

Der Wechsel nach Lausanne zahlt sich aus wirtschaftlicher Sicht aus. «Ich weiss jetzt schon, dass wir kein Geld verlieren werden», hält Collet fest. Anders als im bernischen Gstaad profitiert der Veranstalter in Lausanne von Dienstleistungen und Zuwendungen der Stadt und des Kantons Waadt: Die Zusatztribüne und das Maison du Sport International, das unter anderem für das Mediencenter genutzt wird, wurden zum Beispiel gratis zur Verfügung gestellt. «Ohne diese Unterstützung hätten wir nicht weitergemacht», sagt Collet. Das Budget des WTA-Turniers in Gstaad liess sich wegen der Verflechtung mit dem ATP-Event nicht genau quantifizieren, aber es war deutlich höher als die rund 2 Millionen Franken für den neuen Anlass.

Bacsinszkys Umarmung

Die Französin Alizé Cornet, die 2018 im Saanenland triumphierte, sagt, sie sei «sehr traurig» gewesen, als sie von der Verlegung gehört habe. «Die Umgebung in Gstaad ist herrlich, wir waren in einem wunderbaren Hotel einquartiert. Es war schlicht eine Traumwoche.» Trotzdem war für die Französin sofort klar, dass sie auch in Lausanne antreten würde. «So kann ich eine neue Stadt kennen lernen.» Mit dem geringeren Komfort hat sie sich arrangiert. «Hier ist es familiär. Man fühlt sich fast wie daheim, und der See ist ganz in der Nähe.»

Offenbar haben sich nach Arbeitsschluss noch zahlreiche Leute auf die Anlage begeben. Denn als sich Timea Bacsinszky und Jil Teichmann duellieren, sorgen immerhin rund 1000 Leute für eine gute Stimmung. So viele kamen in Gstaad vielleicht für den Final. Um 20.50 Uhr umarmt die geschlagene Turnierbotschafterin Bacsinszky am Netz ihre Kollegin herzlich. Auf einigen Plätzen spielen derweil Clubmitglieder. Logisch, die Beine wirbeln etwas langsamer über den roten Sand.

Erstellt: 16.07.2019, 23:38 Uhr

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