Intime Atmosphäre im Gewächshaus

380 Millionen Euro investiert Frankreichs Tennisverband in die Modernisierung von Roland Garros im Westen von Paris. Stan Wawrinka hat seine Partie auf dem neuen Court genossen.

Viel Lob für die neue Anlage: Stan Wawrinka, der die 1. Runde ohne grosse Mühe überstand. Foto: Christophe Ena (AP/Keystone)

Viel Lob für die neue Anlage: Stan Wawrinka, der die 1. Runde ohne grosse Mühe überstand. Foto: Christophe Ena (AP/Keystone)

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Viel Glas, viel Metall, nach innen gebogene Wände: Von aussen sieht der Court Simonne Mathieu aus wie ein riesiges Gewächshaus. Der Eindruck ist nicht falsch, denn die Tribünen der neusten Tennisarena auf dem Roland-Garros-Gelände verstecken sich hinter vier Treibhäusern, in denen zum Teil bedrohte Pflanzen aus Afrika, Amerika, Asien und Ozeanien wachsen.

Die Fédération Française de Tennis (FFT) hatte grosse Widerstände von Anwohnern und Umweltschützern überwinden müssen, bis der Ausbau der Tennisanlage Richtung Osten bewilligt war. Der Deal: Die Infrastruktur muss sich harmonisch in die vom Jardin des Serres d'uteuil geprägte Umgebung einfügen, die Pariser Bevölkerung soll während des Jahres profitieren. Das tut sie, weil die vier Treibhäuser und Teile der Anlage ausser in den Turnierwochen öffentlich zugänglich sein werden.

Von innen präsentiert sich die 5000 Besucher fassende Arena als Bijou. Der untere Tribünenring ist in den Boden eingelassen, daher befinden sich alle Zuschauer nahe am Geschehen, was für eine intime Atmosphäre sorgt. Garbiñe Muguruza, die erste Siegerin auf diesem Platz, bezeichnet das Stadion «als nicht klein, aber doch gemütlich. Es ist wie in einem Garten.» Benannt ist der neue Court nach Simonne Mathieu; ihr Name ist ein Synonym für Durchhaltewillen: Die Französin hatte in den 1930er-Jahren sechs French-Open-Finals verloren, ehe sie doch noch zweimal triumphierte.

Ab 2021 Night Sessions

Das Tennistreibhaus ist die auffälligste, aber beileibe nicht die einzige Änderung auf der Anlage. Nach dem Finalsieg von Rafael Nadal im Vorjahr wurde der Court Philippe Chatrier fast vollständig niedergerissen und innert zehn Monaten neu aufgebaut. Belassen wurde einzig die Spielfläche - mit Erfolg: Die Akteure sind sich einig, dass die Spieleigenschaften unverändert geblieben sind. Im westlichen Teil der Anlage wurden zudem vier Wettkampf- und zwei Trainingscourts erneuert. Die Renovation ist noch nicht abgeschlossen. Bis in einem Jahr wird der Centre-Court mit einem mobilen Dach versehen und Platz 1 dem Erdboden gleichgemacht sein. Die bei Aktiven und Zuschauern beliebte Stierkampfarena muss dem so genannten Mousquetaires-Garten weichen, der als «grüne Lunge» gepriesen wird.

Insgesamt investiert die FFT 380 Millionen Euro, umgerechnet fast 430 Millionen Franken, in das Stade Roland Garros - nicht ganz freiwillig. Die Franzosen waren im Vergleich mit den drei anderen Veranstaltern von Grand-Slam-Turnieren massiv in Rückstand geraten. Ohne überdachten Platz konnte die FFT den TV-Anstalten als Gegenleistung für die teuren Übertragungsrechte keine fixen Spielzeiten garantieren. Zudem waren die Platzverhältnisse kritisch und einzelne Bereiche der Anlage veraltet. Logischerweise sollen die Ausgaben mittelfristig refinanziert werden, denn mit dem French Open werden 82 Prozent der FFT-Einnahmen generiert. Geplant ist, ab 2021, wie am Australian Open und am US Open üblich, Night Sessions zu veranstalten, also für den Centre-Court zweimal pro Tag Tickets zu verkaufen.

Wawrinka begeistert

Die Spieler sind mit der Entwicklung in Paris zufrieden. Stan Wawrinka sagt, der Veranstalter bewege sich in die richtige Richtung. «Es ist toll, all die neuen Dinge zu sehen.» Nach seinem 6:1, 6:7, 6:2, 6:3-Erfolg über den Slowaken Jozef Kovalik äussert sich der Waadtländer mit Begeisterung über das Treibhaus mit Tennisplatz: «Der Court ist schön, ich liebe die Atmosphäre. Als ich dort trainierte, hörte ich das Echo. Die Geräusche bleiben im Stadion, du spürst die ganze Unterstützung des Publikums.»

Rund um die Arena hat es Grünflächen, auf denen die Zuschauer gemütlich verweilen können. In der turnierfreien Zeit wird dieses Gebiet zu einem öffentlichen Park, die vier Treibhäuser sind dann frei zugänglich. Der Verband muss Wort halten.

Erstellt: 28.05.2019, 15:18 Uhr

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