Kälte, Nässe und eine zu starke Gegnerin

Weshalb das French Open für Timea Bacsinszky trotz der Viertelfinal-Niederlage gegen eine Aussenseiterin ein Erfolg war.

Timea Bacsinszky mochte sich noch so strecken, gegen Kiki Bertens war sie chancenlos. Foto: Christophe Ena (Keystone)

Timea Bacsinszky mochte sich noch so strecken, gegen Kiki Bertens war sie chancenlos. Foto: Christophe Ena (Keystone)

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Kiki Bertens warf sich auf den Rücken und inszenierte eine halbe Rolle rückwärts, nachdem sie die erste holländische Grand-Slam-Halbfinalistin seit 1977 (Betty Stove) geworden war. Mit Timea Bacsinszky hatte sie eben die vierte Gesetzte an diesem Turnier eliminiert, mit einem 7:5, 6:2 in knapp zwei Stunden. Die 24-Jährige schwebt zurzeit auf einer Wolke, hat zwölf Einzel in Serie gewonnen und sich in Paris von Rang 58 auf 27 vorgearbeitet. Und heute darf sie Serena Williams fordern.

Die Atmosphäre auf dem Suzanne-Lenglen-Court erinnerte an diesem feuchtkalten Nachmittag weniger an ein Grand-Slam-Turnier als an eine Clubmeisterschaft, spät im Herbst. Bei 11, 12 Grad hüllten sich die wenigen Hundert Zuschauer, die sich auf den Rängen verloren, in ihre Jacken. Derweil mühten sich die Spielerinnen mit den schwierigen Bedingungen ab, die sich nicht unerwartet für Bacsinszky als nachteilig erwiesen. Sie waren mitverantwortlich dafür, dass ihre French-Open-Kampagne zu einem abrupten Ende kam, nachdem sie zuvor fünf Gegnerinnen klar besiegt hatte.

Ihre Grundlinienschläge, vor allem die starke Rückhand, blieben mit den aufgedunsenen Bällen und auf dem langsamen Spielbelag ungewohnt wirkungslos. Die robustere und kraftvollere Holländerin kam damit klar besser zurecht und schlug auch immer wieder Winner, obwohl sie einen Unterschenkel einbandagieren liess.

Dazu kam, dass der Favoritin aus Lausanne vor allem in wichtigen Ballwechseln immer wieder unerzwungene Fehler (insgesamt 40) unterliefen. Zuerst verspielte sie eine 4:2-Führung, und als sie bei 5:4 zum Satzgewinn aufschlagen konnte, wurde sie ein drittes Mal gebreakt – sie verlor bis zum 0:4 im 2. Satz sieben Games in Folge.

Vorwürfe fehl am Platz

Bacsinszky hat auf den ersten Blick zwar die grosse Chance vergeben, wie 2015 in die Halbfinals vorzustossen und erneut Williams zu fordern. Auch die Amerikanerin tat sich gestern schwer, gab gegen Julia Putinzewa einen Satz ab und scheint unter den aktuellen Bedingungen einfacher zu schlagen zu sein als im Sonnenschein.

Vorwürfe musste sich Bacsinszky gleichwohl nicht ­machen – und sie tat dies auch nicht, so enttäuscht sie war. Weil sie weiss, dass sich die Verhältnisse gerade auf Sand von Tag zu Tag stark ändern können und dass sie nicht täglich ihr bestes Tennis spielen kann. 2015 habe sie einige Partien gehabt, die sie mit geschlossenen Augen hätte spielen können, sagte sie. Auf einen solchen Gnadentag wartet sie 2016 bisher vergeblich. Sie habe ihren Rhythmus und die richtige Länge in den Bällen nie gefunden, sagte sie. Die Niederlage war denn durchaus logisch.

Probleme mit den Knöcheln

Ihre Turnierbilanz fällt trotzdem sehr positiv aus. Ein Grand-Slam-Viertelfinal ist für Bacsinszky, die erst vor zwölf Monaten erstmals so weit kam, noch immer ein grosses Resultat. Und dass sie auch nach dem French Open noch in den Top 10 steht – sofern Samantha Stosur nicht das Endspiel erreicht –, hatte Anfang Jahr nicht erwartet ­werden können. Nach einer Knieverletzung startete sie verunsichert und mit einem Trainingsdefizit in die Saison.

Zudem bekannte Bacsinszky nach dem Ausscheiden, dass sie schon seit Rom von Problemen in beiden Fuss­gelenken begleitet wird, weshalb sie in der Woche vor Roland Garros kaum habe trainieren können. Angesichts dieser Situation habe sie das Turnier sehr gut gemeistert, fand sie zu Recht.

Die Vaudoise wird kommende Woche erst 27, sie dürfte noch einige Chancen erhalten, in Paris nochmals in die Halbfinals oder sogar ins Endspiel vorzustossen. Und schon in Wimbledon, wo sie vor zwölf Monaten unter den letzten acht stand, dürfte wieder mit ihr zu rechnen sein. Sie ist keine, die sich auf ihren Meriten ausruht; mit ihrem Coach Dimitri Zavialoff versucht sie, ihr Spiel permanent zu verbessern. Vorerst geht es aber nun darum, ihre Knöchel auszuheilen. Bis zum Rasenturnier in Eastbourne bleiben ihr dazu zwei Wochen Zeit.

Erstellt: 03.06.2016, 01:53 Uhr

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