Jetzt kämpft Federer gegen
Nadal um die 1

Wie der Schweizer wieder den Tennis-Thron erklimmt.

Er könnte ein starkes Jahr mit dem Spitzenplatz krönen: Roger Federer in Wimbledon. Foto: Andrew Couldridge (Reuters)

Er könnte ein starkes Jahr mit dem Spitzenplatz krönen: Roger Federer in Wimbledon. Foto: Andrew Couldridge (Reuters)

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Roger Federer war schon früh vernarrt in die Nummer 1. In den ­Tagen, als er mit 17 der weltbeste Junior wurde, faszinierte ihn diese Position extrem. ­Inzwischen besetzte er sie in der ATP-Rangliste schon 302 Wochen, länger als alle anderen. Nach seinem achten Wimbledon-Sieg ist er ihr nun wieder sehr nahe. Im ATP-Ranking ist er zwar hinter Andy Murray und Rafael Nadal erst Dritter. Doch die Tage des Schotten an der Spitze sind gezählt: «Ich verdiene es nicht, dort zu stehen», sagt er selber.

Federers Faszination für Rang 1 hat aber nachgelassen. Weil er schon Rekordhalter ist, und weil er weiss, dass es üblicherweise Extra-Efforts benötigt, um dorthin zu kommen – gerade in seinem Alter. Und weil er sich bewusst ist, dass für solche Anstrengungen gelegentlich ein hoher Preis bezahlt werden muss – in Form von körperlichem Verschleiss oder Verletzungen. Zu solchen Kompromissen ist er prinzipiell nicht mehr bereit.

Persönlich unterscheidet er, ob ­jemand die Spitze am Ende eines Jahres – was wertvoller ist – oder irgendwann während der Saison besetzt. «Die Nummer 1 per Ende dieses Jahres war für mich nie ein Ziel», sagte er gestern klar. «Zumal Nadal nach der Sandsaison einen grossen Vorsprung hatte.» Für ihn stelle sich aber nun die Frage, ob ihm diese Position tatsächlich noch sehr wichtig sei. «Falls ja, muss ich viel spielen. Damit würde ich aber auch Risiken eingehen. Und ich weiss nicht, ob ich dazu bereit bin.» Noch einmal für mindestens eine Woche die Rangliste anzuführen, würde ihn aber auch sehr befriedigen. Er wäre dann auch die ­älteste Nummer 1, vor Andre Agassi.

Bilder: 2015 – ein Federer-Jahr

«Wir werden uns im Team zusammensetzen und besprechen, wie ich vorgehen muss, um weiter auf meinem Topniveau zu spielen», so Federer. Wie gut seine Chancen stehen, vielleicht sogar ohne Kompromisse nochmals an die Spitze zu kommen, zeigt aber das «Race to London», die Punktewertung des Jahres. Er hat sich ganz nahe an Nadal herangesiegt und sich bereits einen der acht Plätze an den World Tour Finals im ­November in London gesichert. Obwohl er 2017 erst sieben Turniere gespielt und die Sandsaison ausgelassen hat, sammelte er dank 31 Siegen in 33 Partien bereits 6545 ATP-Punkte. Nadal, der die Sandsaison dominierte und gegen den er schon dreimal gewann, brauchte 11 Turniere und 53 Partien (46:7), um gerade 550 ATP-Punkte mehr zu holen in dieser Saison. Die Verfolger sind derweil schon ziemlich klar distanziert.

Die Vergangenheit legt zudem die Prognose nahe, dass Nadal in den verbleibenden vier Monaten der Saison deutlich weniger stark abschneiden dürfte als Federer. Der Melbourne- und Wimbledon-Sieger wird voraussichtlich vor dem US Open mindestens ein Vorbereitungsturnier bestreiten (wohl Cincinnati), er hat in der Weltrangliste bis Ende Saison keine Punkte mehr zu verteidigen und gilt als formstärkster Spieler. Und das mit fast 36 Jahren.

ATP-Weltrangliste
1. (1.) Andy Murray (GBR): –1640; 7750
2. (2.) Rafael Nadal (ESP): +180; 7465
3. (5.) Roger Federer (SUI): +1280; 6545
4. (4.) Novak Djokovic (SRB): +270; 6325
5. (3.) Stan Wawrinka (SUI): –35; 6140

Erstellt: 18.07.2017, 08:00 Uhr

Race to London

World Tour Finals

1. Nadal: 7095
2. Federer: 6545
3. Thiem: 3345
4. Wawrinka: 3150
5. Cilic: 2905
6. A. Zverev:2710
7. Djokovic: 2585
8. Murray: 2290
9. Dimitrov: 1925
10. Berdych: 1905
11. Goffin: 1820
12. Carreno Busta: 1740

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