«Das Akt-Shooting war eine Challenge»

Stan Wawrinka spricht über seine Verletzung, seine Nacktbilder – und er sagt, warum er nicht auf Stufe «Big 4» ist.

Stan Wawrinka im Fokus: Der French-Open-Gewinner musste in Gstaad verletzungsbedingt passen, erfreute seine Anhänger aber mit einer Autogrammstunde.

Stan Wawrinka im Fokus: Der French-Open-Gewinner musste in Gstaad verletzungsbedingt passen, erfreute seine Anhänger aber mit einer Autogrammstunde. Bild: Keystone

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Wie geht es Ihnen gesundheitlich? Schmerzt die Schulter noch?
Stan Wawrinka: Es geht besser, viel besser, aber es wäre wirklich zu riskant gewesen, in Gstaad anzutreten.

Wann können Sie wieder richtig trainieren?
Am Montagmorgen traf Magnus (Norman, sein Coach/die Redaktion) in der Schweiz ein, und ich trainierte zum ersten Mal wieder. Am Dienstag und Mittwoch pausierte ich. Am Donnerstag stand dann das zweite Tennistraining auf dem Programm.

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Schafft Stan Wawrinka nochmals einen Grand-Slam-Titelgewinn?





Befürchten Sie, aufgrund der Sehnenentzündung in der Schulter, am US Open nicht in Topform antreten zu können?
(denkt nach) Ich glaube nicht, dass diese Gefahr besteht. Einerseits versuche ich immer, positiv zu denken, anderseits war es keine schwerwiegende Verletzung in dem Sinn, dass sie mich für vier, fünf Wochen zum Nichtstun verurteilt hätte. Ich konnte zwar nach dem Ausscheiden in Wimbledon über zwei Wochen nicht Tennis spielen, dafür habe ich während zehn Tagen ein intensives Fitnesstraining absolviert und so im physischen Bereich die Basis für die zweite Saisonhälfte gelegt.

Wenn wir schon beim Thema Topform sind: Können Sie beschreiben, wie es sich anfühlt, dermassen überragendes Tennis zu spielen, wie es Ihnen im Roland-Garros-Final gelang?
Es geschieht sehr selten, dass du dein allerbestes Tennis spielst – und noch seltener in einem Grand-Slam-Final gegen die Nummer 1 der Welt. Wenn es passiert, verspürst du ein Glücksgefühl; du fühlst dich unheimlich gut. Noch wichtiger war für mich aber, dass ich für dieses grosse Spiel zu 100 Prozent bereit war und alles machte, was ich mir vorgenommen hatte.

Wie meinen Sie das?
Gegen Djokovic musst du bis zum Schluss immer präsent sein. Wenn du zwei blöde Fehler begehst, breakt er dich und schafft die Wende. Auch wenn ich nur etwas langsamer gespielt hätte, wäre es vorbei gewesen. Djokovic ist dermassen stark.

Alex Corretja sagte, Ihre Leistung in Paris sei eine der besten gewesen, die er in seinem Leben gesehen habe. Glauben Sie daran, dieses fantastische Niveau wieder erreichen zu können?
Es ist klar: Ich hoffe, dass ich eines Tages wieder eine solche Leistung erbringen kann. Der Final ist der Beweis dafür, dass dieses Niveau in mir steckt. Es ist nun aber nicht so, dass ich ständig versuche, dieses Niveau zu erreichen.

Sondern?
Ich bin in meiner Karriere an einem Punkt angelangt, an dem es vor allem darum geht, Spiele zu gewinnen. Ich will die erste Runde überstehen, danach die zweite Runde, und so weiter – und zwar auch, wenn ich mich nicht toll fühle. Dass einem fast alles gelingt, kommt während einer Saison nicht oft vor. Manchmal fühlst du dich nicht frisch, manchmal triffst du die Vorhand nicht besonders gut. Es gilt, solche Mängel zu akzeptieren und den Match doch zu gewinnen. Wenn mir das gelingt, stärkt das mein Selbstvertrauen, und das lässt mich entspannter spielen. Und nur so kann ich mein bestes Tennis abrufen.

Können Sie den Unterschied zwischen dem Stanislas Wawrinka von 2013 und dem Stan Wawrinka aus dem Jahr 2015 erklären?
Jetzt habe ich grosses Vertrauen in meine Fähigkeiten. Ich weiss, dass ich an einem tollen Tag alle besiegen kann, selbst Federer, Djokovic oder wen auch immer. Die Gewissheit, alle schlagen zu können, macht einen grossen Unterschied. 2013, als ich in die Top Ten vorstiess, begann sich dieses Gefühl zu entwickeln. Doch jetzt steige ich wirklich in jeden Match mit der Überzeugung, gewinnen zu können, wer mir auch immer gegenübersteht.

Ein paar Monate nach Ihrem Überraschungscoup in Melbourne waren Sie völlig erschöpft. Fällt es Ihnen diesmal leichter, mit den Begleitumständen des Grand-Slam-Titels umzugehen?
Ja, eindeutig. Einerseits wusste ich bereits, was auf mich zukommen würde. Ich hatte gelernt, wie ich die zusätzlichen Verpflichtungen in mein Programm einbauen musste. Anderseits begann kurz nach dem French Open die Rasensaison mit Wimbledon als Höhepunkt, daher kehrte schneller wieder der Alltag ein.

Inwiefern haben die Grand-Slam-Titel Ihre Ziele verändert?
(überlegt kurz) Eigentlich gar nicht. Ich wollte 2015 ein Turnier gewinnen und mich für das Masters (die ATP World Tour Finals in London) qualifizieren. Jetzt, da ich das schon geschafft habe, möchte ich auch in der zweiten Saisonhälfte einen Titel holen. Zudem versuche ich, meine Disziplin aufrechtzuerhalten, die es mir ermöglicht, täglich hart zu arbeiten und mein bestes Tennis zu zeigen.

Sie trainieren oft mit Novak Djokovic, Rafael Nadal und Roger Federer. Haben Ihnen diese Einheiten geholfen, deren Niveau zu erreichen?
Für mich ist es ein grosses Glück, mit ihnen trainieren zu dürfen. Es handelt sich um drei der besten Spieler in der Tennisgeschichte, da kannst du immer etwas abschauen. Ich habe noch viel zu lernen.

Anderseits müssen Sie dann in den wichtigsten Partien gegen Kollegen antreten.
Ja, das stimmt. Aber mir gelingt es ziemlich gut, im Training die Rivalität und im Match die Freundschaft auf die Seite zu schieben. In einem Direktduell macht jeder sein Ding und gibt 100 Prozent, um den anderen zu schlagen. Doch nach dem Match ist das vorbei, zumal ich weiss, dass ein einzelnes Resultat nicht mein Leben verändert wird.

Anfänglich hatten Sie aber gerade gegen Federer Mühe, entspannt und ohne Hemmungen zu spielen.
Ich habe zu Beginn auch gegen Djokovic und Nadal immer verloren. Doch es ist wahr: Gegen «Rodsch» war es für mich schwieriger; wir stehen uns nahe, sind schon lange Freunde. Dazu kam aber auch, dass er unglaublich stark war. Zudem ist für mich seine Spielart grundsätzlich viel unangenehmer als etwa jene von Djokovic.

Es gibt Journalisten, die Sie auf eine Stufe mit den «Big 4», wie Federer, Nadal, Djokovic und Andy Murray genannt werden, stellen wollen. Warum wehren Sie sich dagegen?
Ich bin die Nummer 4, doch die «Big 4» sind vier Spieler, die während zehn Jahren alles gewonnen und dadurch Tennisgeschichte geschrieben haben. Basta! Was man sicher diskutieren kann, ist, ob ich momentan zu den vier Besten zähle.

Sie posierten für ein Sonderheft des «ESPN Magazine» als Aktmodell. Mussten Sie sich für diese ungewöhnliche Aufgabe überwinden?
Ja, es war eine Challenge, eine persönliche Herausforderung. Ich nahm das Angebot nicht sofort an. Doch rückblickend bin ich froh, mitgemacht zu haben. Es war eine sympathische Sache.

Wie sind die Reaktionen ausgefallen?
Es gab ziemlich viele, und die meisten fielen positiv aus. Das hängt damit zusammen, dass die Bilder nicht zu extrem herausgekommen sind. Es ist eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Doch jetzt ist es vorbei.

Sie haben das Swiss Open nun trotz Vertrag zweimal in Folge verpasst. Haben Sie vor, nächstes Jahr in Gstaad anzutreten?
Aufgrund der Olympischen Spiele in Rio ist die Sache kompliziert, der Turnierkalender überladen. Es ist noch zu früh, über das nächste Jahr zu reden. Wir müssen uns Zeit nehmen, um zu entscheiden, in welche Richtung es gehen soll. Das gilt auch für das Gstaader Turnier.

Erstellt: 31.07.2015, 10:09 Uhr

Stan Wawrinka persönlich

Lieblingssport (ohne Tennis): «Pingpong. Es ist auch ein Rückschlagspiel, und früher hatten wir im Davis-Cup-Team stets einen Tischtennistisch dabei
und trugen grosse Schlachten aus.»

Lieblingsfernsehsport: «Fussball und Eishockey.»

Lieblingssportler: «Kobe Bryant. Ich finde Basketball toll, und Kobe hat mich schon immer beeindruckt. Er ist der einzige Sportler, den ich gefragt habe, ob er sich mit mir fotografieren lasse. Das war an den Olympischen Spielen in Peking.»

Lieblingssportteam: «Jeder weiss, dass ich Fan des Lausanne HC bin. Mit etwa weniger Lokalkolorit wähle ich Real Madrid.»

Lieblingsstadt: «Es gibt zu viele schöne Städte. Ich entscheide mich daher für Lausanne, meine Stadt.»
Lieblingsferiendestination: «Überall, wo es einen schönen Strand hat.»

Lieblingsfilm: «‹Le dîner de cons›, ein lustiger französischer Film.»

Lieblingsschauspieler: «Denzel Washington. Es gibt so viele Filme mit ihm, die ich mag, und der Schauspieler interpretiert viele unterschiedliche Rollen und ist in allen gut.»

Lieblingsbuch: «Das habe ich nicht. Ich lese weniger Romane oder Krimis, ich ziehe Bücher mit geschichtlichem Hintergrund oder Biografien vor.»

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