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«Mühsam war, dass ich so viel in den Rücken investieren musste»

Roger Federer will die Swiss Indoors zum 8. Mal gewinnen. Und wie sieht es mit der Nummer 1 aus?

René Stauffer, Basel
«Hier kenne ich alle Schleichwege»: Roger Federer ist vor seinem ersten Einsatz am Dienstag entspannt. Foto: Kurt Schorrer (Foto-net)
«Hier kenne ich alle Schleichwege»: Roger Federer ist vor seinem ersten Einsatz am Dienstag entspannt. Foto: Kurt Schorrer (Foto-net)

Nachdem er 2016 in Basel wegen seiner Auszeit gefehlt hatte, ist Roger Federer zurück an seinem Heimturnier. Schon am Sonntag dreht sich in Basel alles um den zwölffachen Finalisten und siebenfachen Sieger der Swiss Indoors. Nach dem Training mit Robin Haase, der heute von Abschiedsgast Marco Chiudinelli gefordert wird, trifft er 120 Mitglieder des Clubs Fans4Roger – und lässt sich mit jedem einzeln fotografieren. Später erscheint er im Medienzentrum, gibt Interviews und betont, wie sehr er sich auf seinen 17. Start in Basel freut. Er beginnt am Dienstag gegen Frances ­Tiafoe, den 19-jährigen Amerikaner, der ihm am US Open zwei Sätze abnahm.

Haben Sie sich gut erholt von Shanghai, wo Sie eben Ihr 6. Turnier der Saison gewannen?

Wenn ich müde wäre, würde ich es ­Ihnen sicher nicht sagen ... (lacht) Nein, ich war selber überrascht, dass ich nach Shanghai nicht müder war. Ich nahm drei Tage frei, seit Donnerstag trainiere ich wieder, im Fitnessraum und auf dem Court. Ich fühle mich gut, alles ist perfekt. Momentan bin ich noch daran, mich an die Bedingungen zu gewöhnen. Hier werden andere Bälle verwendet als in Shanghai, sie springen höher ab.

Sie haben immer noch die Möglichkeit, Rafael Nadal zu überholen und das Jahr als Nummer 1 zu beenden. Wie wichtig ist das für Sie?

Dieses Ziel hat keine Priorität, denn es ist zu weit weg. Ich begreife, dass die Leute mich danach fragen. Aber es wäre ein Fehler, wenn ich nun dauernd daran denken würde. Ich spiele nicht des­wegen. Ich will hier gewinnen, weil es Basel ist, und in London, weil es die World Tour Finals sind. Aber selbst in diesem Fall wäre die Chance klein, dass ich die Nummer 1 würde. Ich versuche, Spass zu haben, gut zu spielen, und schaue dann, was passiert.

Video: Federers witziger Auftritt in Zürich

Wie war das schon wieder mit Borg und McEnroe?

Beabsichtigen Sie, nach Basel auch in Paris-Bercy anzutreten?

Wie immer werde ich das spontan entscheiden. Meine Priorität war immer ­Basel, nicht Paris. Darum habe ich dort wohl auch nur einmal gewonnen. Ich werde schauen, wie ich mich fühle.

Während Sie noch relativ frisch sind, haben dieses Jahr viele Spieler die Saison früh abgebrochen – Djokovic, Berdych, Nishikori, Raonic, Wawrinka, wohl auch Murray ... Ist dies ein neuer Trend, den Sie letztes Jahr ausgelöst haben?

Das ist wohl eher ein Zufall. Die meisten dieser Spieler sind auch nicht mehr 22, sondern um die 30 und haben viel gespielt. Eine lange Pause ist manchmal einfach notwendig und könnte eventuell zu einem Trend für ältere Spieler werden. Aber ich denke nicht, dass viele der Jüngeren inskünftig die Saison einfach so abbrechen, weil sie denken, das sei besser. Wenn einer spielen kann, dann spielt er auch. Wobei ich hoffe, dass sich künftig mehr Spieler auch unter dem Jahr Pausen gönnen, Trainingsblöcke einbauen und nicht alle Ende Jahr ausgebrannt sind.

Wie sieht es mit Ihrer mentalen Frische aus?

Gefühlsmässig habe ich noch genügend Power übrig für den Rest der Saison. Die Pause während der Sandplatzsaison hat positive Folgen, und auch der Spätsommer war eher ruhig, ich spielte ja nur in Montreal und am US Open. Mühsam war einfach, dass ich so viel in den Rücken investieren musste; Massage, Stretching und alles. Das kostet auch Energie.

Diese Swiss Indoors werden zum Abschiedsturnier von Marco Chiudinelli, Ihrem besten Freund aus der Jugend. Was löst das bei Ihnen aus?

Es stimmt mich irgendwie traurig. Dabei wäre das doch der Zeitpunkt, ihn zu feiern. Wir beide hatten Träume, und wie ich hat auch er mehr erreicht, als wir damals gedacht hatten. Es freut mich riesig für ihn, dass er eine gute Karriere hatte und jetzt den Moment zum Rücktritt gefunden hat. Er würde zwar gerne noch weiterspielen, wenn es möglich wäre. Aber er hat eingesehen, dass es keinen Spass macht, wenn man immer wieder verletzt oder krank ist. Und er ist nicht mehr 29. Er hat es lange durchgezogen, und auch darauf kann er stolz sein.

Welches sind Ihre stärksten Erinnerungen an gemeinsame Zeiten?

Die gehen in die Jugend zurück, denn damals sah ich ihn viel häufiger als danach auf der Tour. In die Zeit, als wir noch gegeneinander Fussball spielten, er als Libero beim FCB, ich als Mittelstürmer bei «Congeli» (Concordia). Oder wie wir zusammen in Spielsalons gingen und eine Stunde lang im Dunkeln nach Hause liefen, weil das letzte Tram schon gefahren war. Und dabei über alles sprachen, wie es beste Freunde tun. Das sind wir heute noch. Ich wünsche ihm für den nächsten Abschnitt alles Gute und werde ihm gerne helfen, wenn ich kann. Ich bin ein grosser Fan von ihm, als Spieler und als Mensch, und werde auch versuchen, seine Partie live zu sehen.

Ich bin froh, dass ich überhaupt noch auf der Tour bin, dass es mir gut geht und ich Freude am Spielen habe.

Wie ist es für Sie inzwischen, nach Basel zurückzukommen?

Ich liebe es. Hier gibt es an jeder Ecke Erinnerungen, hier kenne ich alles, ob mit dem Tram oder dem Bus, alle Schleichwege mit dem Velo. Ich erinnere mich, als ob es gestern gewesen wäre. Hier war ich Ballboy, verkaufte ich ­Löösli, hier wurde mir auch mehrmals das Fahrrad geklaut. Ich freue mich, dass die Halle endlich renoviert wird.

Video: Federers Machtdemonstration in Shanghai

Roger Federer bezwingt seien ewigen rivalen Rafael Nadal in zwei Sätzen. Video: TA/AP

Sie haben mit den Swiss Indoors einen neuen Dreijahresvertrag abgeschlossen. Also ist klar, dass Sie hier noch drei Jahre spielen?

Logisch. Zweifeln Sie daran?

Keineswegs. Aber warum nicht gleich ein Fünfjahresvertrag?

Nach diesen drei Jahren können wir ja nochmals einen Vertrag über drei Jahre machen ... (lacht) Ich bin froh, dass ich überhaupt noch auf der Tour bin, dass es mir gutgeht und ich Freude am Spielen habe. Und dass ich Basel wieder ­erleben kann, hoffentlich nächstes Jahr noch einmal. Denn 2016 ging es komplett an mir vorbei. Und mit der Planung sind wir jetzt auch langsam beim nächsten Herbst. Aber ein Vertrag ist ... Krimskrams, doch das gehört einfach dazu.

Sie starten am Dienstag gegen Frances Tiafoe, gegen den Sie am US Open fünf Sätze brauchten. Ein schwieriges Los?

Das wird gefährlich, gegen einen jungen Wilden, der nach keinem Schema spielt. Und dann noch auf einem schnellen ­Belag. Ich muss sicher aufpassen, aber es sollte eine lässige Partie werden. Das hier ist nicht New York, das ist Basel. Ich hoffe, dass er nicht so befreit und mit so viel Energie aufspielt wie am US Open.

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