Mit dem Supercoach soll es endlich klappen

Von den Top 10 setzen nur noch wenige auf einen ehemaligen Grand-Slam-Gewinner – einer von ihnen: Alexander Zverev.

Dächlikappe, Sonnenbrille, Wohlstandsbäuchlein: Der frühere Spitzenspieler Ivan Lendl weist seinem Schützling Alexander Zverev in New York den Weg. Foto: David Lobel

Dächlikappe, Sonnenbrille, Wohlstandsbäuchlein: Der frühere Spitzenspieler Ivan Lendl weist seinem Schützling Alexander Zverev in New York den Weg. Foto: David Lobel

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Alexander Zverev und Borna Coric trainieren intensiv. Der Deutsche ist bestrebt, mit seiner Vorhand Druck auf die Rückhand des Gegenübers zu erzeugen. Er wird nicht nur von vielen Fans beobachtet, sondern auch von vier Personen aus seinem Team, darunter seinem Vater.

Tonangebend ist indes ein Mann mit Dächlikappe, Sonnenbrille und Wohlstandsbäuchlein. Wer genauer hinsieht, erkennt Ivan Lendl, obwohl dieser nicht mehr viel mit dem drahtigen Topathleten zu tun hat, der er während seiner Karriere war. Geblieben ist die Akribie, immer wieder spricht er kurz auf Zverev ein, gibt Inputs und Anweisungen.

Lendl gehört zur Spezies der Supercoaches, wie ehemalige ­Gewinner von Grand-Slam-Turnieren, die als Trainer von Profis tätig sind, gerne genannt werden. Mit der Verpflichtung der früheren Nummer 1 folgte Zverev einem Trend, den Andy Murray Ende 2011 eingeläutet hatte, indem auch er mit Lendl zusammenspannte. Tatsächlich gelang es Lendl relativ rasch, dem Schotten zum ersten Grand-Slam-­Titel zu verhelfen.

Becker, Edberg, McEnroe

In der Folge bildeten sich zahlreiche Teams aus Altstars und Topspielern: ­Novak Djokovic ergänzte seine Equipe mit Boris Becker, Roger Federer stellte Severin Lüthi Stefan Edberg zur Seite, Milos Raonic sicherte sich die Dienste John McEnroes, Marin Cilic jene von Goran Ivanisevic. Die Entwicklung war, etwas weniger ausgeprägt, auch bei den Frauen zu beobachten: Agnieszka Radwanska beschäftigte Martina Navratilova, Madison Keys Lindsay Davenport, auch Martina Hingis versuchte sich als Coach.

Mittlerweile ist der Super­coach-Boom vorbei, der Trend geht in eine andere Richtung. Djokovic, der nach seiner Zeit mit Becker bei Andre Agassi anheuerte, ist zu seinem früheren Trainer Marian Vajda zurückgekehrt – mit Erfolg. Edberg, Navratilova und Hingis sind in Rente, McEnroe konzentriert sich wieder voll und ganz auf seine anderen Betätigungsfelder.

Ein Blick auf die Top 10 der Männer zeigt: Ausser Zverev arbeitet nur noch Rafael Nadal mit einem Grand-Slam-Champion zusammen. Und die Kooperation mit Carlos Moya ist nicht entstanden, weil Nadal einen Coach braucht, der ihm erklären kann, wie man sich in einem Major-Final fühlt und wie man diese entscheidenden, karriereprägenden Partien gewinnt. Denn das weiss der 32-Jährige so gut wie sonst nur noch Federer.

Moya und der Roland-Garros-Rekordgewinner stammen beide aus Mallorca und sind seit langer Zeit befreundet. Als Nadals Onkel Toni kürzertreten wollte, war Moya eine naheliegende Lösung, zumal der sensible Nadal viel Wert auf Nestwärme legt.

Lendls Leben ist einfacher

Alexander Zverev hingegen sucht wie einst Murray das letzte Teil im Erfolgspuzzle, und er hofft, dass Lendl dank seiner grossen Erfahrung und seinem taktischen Geschick helfen kann, es zu finden. «Ich versuche, die grössten Turniere der Welt zu gewinnen – das ist mein Ziel, das ist der Grund, weshalb Lendl da ist», sagt der 21-Jährige.

Der jüngere der Zverev-Brüder steht zu seiner Ungeduld. «Ich bin bereit und weiss jetzt genau, wer ich sein möchte und wer ich sein kann. Nur Persönlichkeiten wie Lendl können mich dorthin bringen.» Zur Debatte für den Coaching-Job beim Anführer der neuen Generation stand auch Becker. «Ich hatte zwei Optionen, Boris und Ivan.» Zwei Gründe nannte Zverev, weshalb letztlich Lendl zum Zug kam. Zum einen habe sein Fitnesscoach Jez Green schon mit Lendl zusammengearbeitet. Zum anderen sei Lendls Leben derzeit etwas einfacher als jenes Beckers.

Erstellt: 28.08.2018, 01:08 Uhr

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