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Das Turnier müsste eigentlich «Rafael Nadal Cup» heissen

Die Weltnummer 1 führt Spanien fast im Alleingang zum ersten Davis-Cup-Titel seit 2011. Und verhilft so der Premiere des Finalturniers zu einem versöhnlichen Ende

Acht Siege in acht Spielen und der erste entspannte Moment: Rafael Nadal im Triumph. (Bild: Getty Images/Clive Brunskill)
Acht Siege in acht Spielen und der erste entspannte Moment: Rafael Nadal im Triumph. (Bild: Getty Images/Clive Brunskill)

Tennis-Aficionados diskutierten letzte Woche kontrovers, wie die neue Veranstaltung in Madrid korrekterweise heissen müsste: Davis Cup by Rakuten, World Cup of Tennis oder sogar Piqué Cup. Der werte Kollege der «Süddeutschen Zeitung» brachte bei seiner Twitter-Umfrage noch eine andere Bezeichnung ins Spiel: Rakuten Cup by Shakira, in Anlehnung an Gerard Piqués Partnerin. Seine Follower, die es humorvoll mögen, favorisierten jenen Vorschlag. Doch das ist alles falsch. Richtig wäre gewesen: Rafael Nadal Cup.

Der 33-Jährige führte die Gastgeber mit acht Siegen in acht Spielen, drei davon im Doppel, zum ersten Davis-Cup-Titel seit 2011. Zum Abschluss besiegte er am Sonntagabend im zweiten Einzel des Finals gegen Kanada den aufstrebenden Denis Shapovalov (6:3, 7:6). Als die letzte Vorhand des 20-Jährigen im Netz hängen geblieben war, legte sich Nadal auf den Rücken und stürzten sich seine Teamkollegen und Captain Sergi Bruguera auf ihn.

Nadal besiegte die Welt – und rettete Gerard Piqué bei der ersten Austragung dieses Finalturniers mit 18 Nationen, das für viel Kritik gesorgt hatte. Nicht auszudenken, wie stimmungslos das Event ausgegangen wäre, wäre Spanien früh gescheitert.

Der Schicksalsschlag

Und das hätte ohne die Parforce-Leistung Nadals gedroht. Denn es war eine turbulente Woche für die Spanier. Der Vater von Roberto Bautista Agut verstarb, worauf der 31-Jährige abreiste, fürs Wochenende zurückkehrte und am Sonntag wieder spielte (und siegte). Dessen Ersatz Pablo Carreño Busta verletzte sich, im Halbfinal sprang der fürs Doppel selektionierte Feliciano Lopez ein.

Doch eben: Auf Nadal war Verlass. Und egal, wie viele Millionen Dollar seine Antrittsgage betrug, er war jeden Penny wert. In Madrid gingen gewissermassen zwei Wettbewerbe über die Bühne: Die Spanier trugen ihre Heimspiele aus vor über 12 000 begeisterten Fans. Die anderen spielten nicht einmal in halbvollen Arenen. Um für etwas Ausgleich zu sorgen, rief Andy Murray am Tag vor dem Halbfinal gegen Spanien britische Tennisfans auf, nach Madrid zu kommen. Der Verband bezahle die Tickets. Bruder Jamie suchte gleich noch die günstigsten Flüge von London heraus. Immerhin rund 1000 Briten waren am Samstag anwesend.

Die Episode zeigt: An den Spielern lag es nicht, wenn dieses neue Finalturnier lange stimmungsarm war. Sie mühten sich redlich ab, teilweise bis vier Uhr morgens. Etwas mehr als 123 000 Zuschauer kamen offiziell insgesamt. Gerard Piqué sprach von «unglaublichen Zahlen». Doch es ist weniger, als wonach es klingt. Denn bei 25 Begegnungen waren das im Schnitt nur rund 5000.

Javier Alonso, der Tennis-Verantwortliche der Kosmos-Gruppe, sah es schon realistischer als sein Chef. Im Interview mit der «Associated Press» räumte er ein, man müsse besser mit den Landesverbänden zusammenarbeiten, um mehr ausländische Fans zu mobilisieren. Vor allem die Begegnungen, die um elf Uhr morgens starteten, seien problematisch. Am Freitag wurden zur Mittagszeit Schulkinder eingeladen, um etwas mehr Sitze zu füllen. Auch beim Modus gibt es noch Probleme zu lösen.

Piqué setzt auf die ATP

Piqué bekräftigte gestern in der Pressekonferenz, was er schon im Interview mit dieser Zeitung gesagt hatte: Er will unbedingt den Davis-Cup und den ATP-Cup zusammenführen und erhofft sich da einiges vom neuen ATP-Präsidenten Andrea Gaudenzi.

Von der Männertour hat es bisher aber noch keine Signale in diese Richtung gegeben. So wurde der ­Davis-Cup auf den sozialen Kanälen der ATP nie erwähnt. Anders als etwa Roger ­Federers Südamerika-Tournee.

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