«Wie stark Rafa zurückkam, war nicht normal»

Paris-Out, Wimbledon-Out – was ist mit Rafael Nadal los? Ein Altprofi nimmt Stellung. Und er sagt, ob der Spanier Roger Federer punkto Grand-Slam-Titel noch überholt.

Rückkehr auf den Centre-Court: Der frühere Publikumsliebling Alex Corretja nahm in Gstaad an der Exhibition teil.

Rückkehr auf den Centre-Court: Der frühere Publikumsliebling Alex Corretja nahm in Gstaad an der Exhibition teil. Bild: Keystone

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Alex Corretja, ein profunder Kenner des Tennissports, spricht in Gstaad über...

...Rafael Nadals Probleme seit dem Comeback: «Wie stark Rafa nach früheren Verletzungen zurückkam, war nicht normal. Normal ist, was jetzt abläuft. Nach einer Pause brauchst du Zeit, Rhythmus, Matchpraxis. Rafa ist es gewohnt, viele Spiele zu bestreiten. Das fehlt ihm derzeit; er hat daher die Fähigkeit verloren, in den wichtigen Momenten automatisch das Richtige zu tun. Auch im läuferischen Bereich scheinen die Automatismen noch nicht ganz zurückgekehrt zu sein. Doch wie gesagt: Das ist normal, denn Ernstkämpfe lassen sich durch die besten Trainings nicht ersetzen.»

...über Nadals Zukunftsaussichten: «Rafa hat kein grundsätzliches Problem. Er braucht viele Matchs, um die alte Stärke zu erlangen. Deshalb spielt er diese Woche in Hamburg – ich halte das für einen guten Entscheid.»

...Nadals Niederlage in Paris gegen Novak Djokovic: «Djokovic befindet sich momentan in einer unglaublichen Verfassung. Auf der anderen Seite spielte Rafa die Vorhand weniger aggressiv und fühlte sich auf dem Platz noch nicht ganz wohl. So kam eine Niederlage zustanden, die wir jahrelang für unmöglich gehalten hatten. Trotzdem: Rafa muss sich keine Sorgen machen. Er hat das French Open neunmal gewonnen. Wenn er in Hamburg seinen Rhythmus findet und vier, fünf Partien bestreiten kann, wird er gut auf die Hartplatzsaison vorbereitet sein.»

...Djokovics Dominanz: «Er hat in seinem Spiel immer wieder kleine Dinge verbessert und zudem mental enorme Fortschritte erzielt. Physisch ist er sowieso stark. Djokovic hat sein Niveau in den letzten zwei Jahren also noch geringfügig angehoben, während die andern aufgrund von Verletzungen vielleicht eine Nuance schwächer geworden sind. Die Situation ist ähnlich wie vor zehn Jahren, als Roger (Federer/die Redaktion) auf seinem Höhepunkt war, und danach, als Rafa unglaublich stark spielte. Damals waren die beiden kaum zu schlagen, nun dominiert Djokovic.»

...Federers Leistungen mit fast 34 Jahren: «Roger ist zu gut, als dass er mich überraschen könnte – er ist einzigartig. Er wirkt auf und neben dem Platz sehr entspannt. Es ist beeindruckend, wie er sich in seinem Alter noch bewegt, was er noch leistet. Ich nehme an, dass es sein grosses Ziel ist, noch einen Grand-Slam-Titel zu gewinnen.»

...die Wahrscheinlichkeit, dass Nadal (14) Federer (17) in Bezug auf die Grand-Slam-Titel noch überholt: «Warum nicht? Aber es wird sehr, sehr schwierig für ihn, zumal auch Federer noch einen Major-Titel holen kann. Für mich sind sie Legenden. Ich habe vor beiden den allergrössten Respekt. Ich würde mir nie anmassen, sie zu kritisieren, wenn sie ausnahmsweise nicht ihr bestes Tennis spielen.»

...den Auftritt Stan Wawrinkas im French-Open-Final: «Das war eine der besten Leistungen, die ich in meinem Leben gesehen habe. Wawrinka spielte unfassbar aggressiv und dazu noch äusserst präzis. Im Verlauf des Turniers war ich zur Ansicht gelangt, dass Djokovic nur würde schlagen können, wer einen Wundertag einzieht. Stan hat diesen Wundertag gehabt; er hat perfektes Sandplatztennis gezeigt.»

...die gefährlichsten Gegner für Djokovic: «Wawrinka gehört sicher dazu, aber es gibt noch andere: Roger, Rafa – und auch Andy Murray ist in guter Verfassung. Er hat zuletzt zwar gegen Djokovic oft verloren, ihn aber zweimal in einem Grand-Slam-Final besiegt. Aber: Djokovics Service ist gut, die Vorhand ist gut, die Rückhand ist gut, die Beinarbeit ist hervorragend, der Return ist unglaublich. Und mental ist er sehr stabil geworden. Er weiss genau, was er will. Ich denke, Djokovic bleibt in den nächsten drei, vier Jahren der Mann, den es zu schlagen gilt.»

...künftige Stars: «Es ist nicht einfach, vorauszusehen, wer die Besten verdrängen könnte. Am ehesten Kei Nishikori, weil er auf allen Belägen stark ist. Aber er muss physisch noch zulegen. Milos Raonic ist wegen seines Aufschlags auch gefährlich. Doch er ist selten gesund.»

...die einhändige Rückhand: «Heute wird derart viel Druck erzeugt, dass nur noch Ausnahmeerscheinungen wie Wawrinka, Federer und Gasquet dagegenhalten können. Ich empfehle jungen Spielern daher, beide Hände zu benutzen.

Erstellt: 30.07.2015, 10:25 Uhr

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Zur Person

Alex Corretja gehörte um die Jahrtausendwende zu den weltbesten Sandplatzspezialisten. Der French-Open-Titel blieb dem heute 41-Jährigen aus Barcelona allerdings versagt – zweimal scheiterte er im Final. In Gstaad gehörte die ehemalige Weltnummer 2 einst zu den Stammgästen. 1998, 2000 und 2002 triumphierte er am Swiss Open.

Heuer kehrte er wegen des 100-Jahr-Jubiläums ins Chaletdorf zurück. Auf dem Weg in die Schweiz fragte ihn eine Tochter, weshalb er eingeladen worden sei. Als er seine drei Titel erwähnte, sagte die 12-Jährige: «Nur drei, Papa? Nadal hat in Paris neun Mal gewonnen.» Er erzählt, er habe schmunzeln müssen und habe geantwortet: «Ja, aber in Gstaad hat er nie gewonnen.» Der 2005 zurückgetretene Corretja war nach seiner Karriere unter anderem als Davis-Cup-Captain Spaniens sowie als Coach Andy Murrays tätig. Heute betreibt er mit seinem Bruder eine Sportvermarktungsagentur. Zu seinen Klienten gehören unter anderen die Swiss-Open-Teilnehmer Feliciano Lopez sowie Santiago Giraldo. Nicht nur deshalb ist er am Puls des Spitzentennis. Denn er amtet als Tenniskommentator für einen spanischen Sender und den Spartenkanal Eurosport. Corretja ist geschieden und hat zwei Töchter. Seit 2010 ist er mit dem Model Martina Klein liiert.

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