«Roger bringt mich zum Heulen»

Timea Bacsinszky erzählte nach ihrem Pariser Halbfinaleinzug, wer von den anderen Schweizer Tenniscracks sie am meisten inspiriert.

Ein kurzer Moment der Ungläubigkeit: Timea Bacsinszky nach ihrem fünften Sieg in Paris.

Ein kurzer Moment der Ungläubigkeit: Timea Bacsinszky nach ihrem fünften Sieg in Paris. Bild: Keystone

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Würde der Pariser Halbfinal in einem Rededuell entschieden, man könnte ihm aus Schweizer Sicht beruhigt entgegenblicken. Ein Journalist zählte genau nach, wie viel Timea Bacsinszky und Jelena Ostapenko nach ihren Siegen vom Dienstag zu sagen hatten. Die Lausannerin beantwortete 13 Fragen mit 2781 Wörtern, Ostapenko 24 Fragen mit 722 Wörtern. Man darf der Lettin zugute halten, dass sie mit ihren 19 Jahren noch nicht so geübt ist im Frage- und Antwortspiel, das eben auch zum Job eines Tennisprofis zählt.

Die Frage des neidischen Franzosen

Bei Bacsinzsky provozierte insbesondere die Frage eines französischen Radiojournalisten, der etwas neidisch wissen wollte, wer sie eigentlich inspiriere, ob Roger Federer, Martina Hingis oder Stan Wawrinka, eine ebenso ausführliche wie interessante Antwort. «Alle auf ihre eigene Weise», gab Bacsinszky zurück. «Roger ist der, der mich am meisten zum Heulen bringt. 18 Mal schon!», sagte sie schmunzelnd. «Er bringt bei mir einfach unglaubliche Emotionen hervor. Und ich bin ohnehin ein Mensch, bei dem der Sport vieles auslöst.»

Hingis sei für sie zu Beginn eine enorme Belastung gewesen, weil sie oft mit ihr verglichen worden sei. «Natürlich war das auch eine Ehre. Aber sie hatte, ja hat eine solch aussergewöhnliche Karriere, dass das für mich sehr schwierig war.» An den Olympischen Spielen in Rio im August 2016, wo die beiden zusammen Silber im Doppel errangen, haben sie sich nun besser kennen und schätzen gelernt. In Paris pflegt Hingis nach jedem Sieg der Lausannerin ein Zettelchen mit Glückwünschen an deren Garderobenkästchen, der Nummer 18, zu kleben. Auch gestern wieder, nach dem Erfolg über Kristina Mladenovic.

Und Wawrinka? «Er sollte für alle anderen Schweizer, die in der Zukunft noch hochkommen, eine Inspiration sein. Denn er hat, nebst vielem anderen, eine Gabe, die man nur selten antrifft: Ich habe noch nie jemanden erlebt, der so hart arbeitet wie er.» Dank ihrem Trainer Dimitri Zavialoff, der früher Wawrinka betreute, habe sie begriffen, wie viel Arbeit der dreifache Major-Champion hineingesteckt habe. «Egal, was passiert: Stan fällt, dann steht er wieder auf, er fällt, steht wieder auf, und so weiter. Und inzwischen fällt er nicht mehr so oft um. Seit er beschlossen hat, Grand Slams zu gewinnen.»

Bacsinszky und die Marsmenschen

«Diese drei inspirieren mich mich enorm», fuhr Bacsinszky fort. «Auch wenn es manchmal schwierig ist, zur Gruppe dieser Marsmenschen zu gehören. Aber ich bin sehr stolz, dass ich mich auf ihre Fersen gemacht habe. Und sie motivieren mich, noch viel höher zu klettern.» Am French Open bietet sich ihr dazu die Chance. Nur noch zwei Siege fehlen ihr zum ersten Grand-Slam-Titel.

Erstellt: 07.06.2017, 07:11 Uhr

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