Roger Federer bis 40 – wieso auch nicht?

Er sollte trotz der bitteren Final-Niederlage gegen Djokovic das Positive sehen – er spielt wohl das beste Tennis seit seinem Comeback.

Er kann noch gut bis 40 spielen – oder gar darüber hinaus: Roger Federer. (Bild: Kyodo News via Getty Images)

Er kann noch gut bis 40 spielen – oder gar darüber hinaus: Roger Federer. (Bild: Kyodo News via Getty Images)

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Es geht ihm gut. Er lächelt sogar schon wieder. Zumindest auf Selfies mit Fans. Statt Trübsal zu ­blasen wie nach 2008, nach dem Wimbledon-Final für die Geschichte, als er sich auf Korsika im Haus eines Freundes in seinem Zimmer verkroch, ging ­Roger Federer nach dem Tennis-Krimi gegen Novak Djokovic wandern mit der Familie. Im Appenzellerland, wo er schon 2016 für Aufsehen und Publizität gesorgt hatte. Natürlich nahm er sich auch Zeit für ein Erinnerungsfoto mit der Crew des Gasthauses Plattenbödeli, wo die Federers einkehrten.

Jene Bilder, die sich via soziale Medien verbreiteten wie ein Lauffeuer, waren Balsam auf die geschundene Seele seiner passioniertesten Fans, die keine einfache Arbeits­woche hatten. Oder sich krankmeldeten. Immer wieder dachten sie an die beiden verpassten Matchbälle, was hätte sein können… Auch Marc Rosset, als TV-Kommentator in Wimbledon, hatte grosse Mühe, diesen Final zu verdauen. Wenn er alles in die Waagschale werfe, was er im Sport erlebt habe, auch auf dem Court, auch seinen Olympiasieg, zähle dieses Erlebnis zu den Top 5 seiner stärksten Emotionen, positiv oder negativ, schrieb er in einer vorzüglichen Kolumne für «Le Temps».

Er ist auch ein Meister, bittere Matchs hinter sich zu lassen.

Doch zum Glück ist Federer auch ein Meister ­darin, bittere Niederlagen hinter sich zu lassen. Davon gab es ja schon einige. Schliesslich stellte er in Wimbledon einen «Rekord» von Ivan Lendl ein – indem er zum elften Mal einen Grand-Slam-Final verlor. Am Sonntag spät, nach fünfstündigem Kampf, sagte er auch: Er wolle sich von einem grossartigen Tennismatch nicht tagelang deprimieren lassen.

«Grossartig» ist das Schlüsselwort. Was er und Djokovic zeigten, war ganz grosses Tennis. Und das, nachdem Federer am ­Freitag schon gegen Rafael Nadal ein mitreissendes Duell geboten hatte. Er spielte in London zuletzt so gut wie lange nicht mehr – wohl auch besser als in Melbourne 2017 bei seinem märchenhaften Comeback. So bitter das Ende war, Federer darf Wimbledon als Bestätigung nehmen, dieses Jahr in der Vorbereitung ­alles richtig ­gemacht zu haben. Und auch dafür, dass er mit bald 38 ­immer noch auf allerhöchstem Niveau ist. ­Vergessen wir also all die Spekulationen um einen baldigen Rücktritt! Wenn Federer so weiterfährt, kann er gut bis 40 spielen. Oder darüber hinaus.



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Erstellt: 21.07.2019, 14:49 Uhr

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