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Roger Federer will nicht mehr Favorit sein

Roger Federer hat vor, künftig wieder so zu spielen wie nach seinem Comeback – mit der Einstellung, er habe nichts zu verlieren.

Roger Federer ist bereit für das Turnier in Cincinnati. Bild: Matthew Stockman/Getty Images

Roger Federer tritt seit dem Turnier in Wimbledon bekanntlich in Uniqlo-Kleidung an. Doch nun, da er in Cincinnati nach einem guten Monat Pause auf die ATP-Tour zurückkehrt, würde eigentlich die Marke «No Fear» perfekt zu ihm passen. Denn der Baselbieter hat sich vorgenommen, furchtlos und offensiv zu agieren – nicht nur hier, sondern auch am US Open.

Er sagt zwar, die Niederlage gegen Kevin Anderson habe ihn «nicht allzu stark und allzu lange geschmerzt; ich habe mich vom Match recht schnell erholt». Aber er bezeichnet das Aus im Viertelfinal gegen den Südafrikaner auch als «Augenöffner». Ihm wurde bewusst, dass er in dieser Saison in alte Muster verfallen war und zu oft abwartend aufgetreten war. «Wichtig ist, dass ich mich stets daran erinnere, offensiv zu spielen, damit ich nicht dauernd in das Fettnäpfchen trete, zu passiv zu agieren.» Gerade beim Return will er weniger auf den Slice vertrauen und wenn, dann mit der Absicht, mit dem nächsten Schlag das Zepter an sich zu reissen.

«Eine andere Erkenntnis war», berichtet Federer, «dass ich das Spiel der Medien nicht mehr mitmachen will, wenn es heisst, ich müsste Wimbledon, Cincinnati, das US Open, ja eigentlich jedes Turnier gewinnen. Als 37-Jähriger dürfte ich nicht der Favorit sein, jemand anders müsste diese Rolle übernehmen.»

«Nur so gut wie zuletzt»

Er kündigt an:«Ich werde in den nächsten Interviews sagen: ‹Ich bin nicht der Favorit, denn ich habe zehn Jahre lang das US Open nicht gewonnen.› Du bist nur so gut wie in den letzten Matchs oder wie in den letzten Jahren an einem bestimmten Turnier. Am US Open hat es andere, die grössere Favoriten sein müssten. So versuche ich, mir etwas den Druck zu nehmen.»

Die beiden angesprochenen Themen sind eng verknüpft. Weil Federer seit seinem Comeback oft auch gewann, ohne in den höchsten Gang zu schalten, schlich sich die Einstellung ins Unterbewusstsein ein, es genüge, den Verwaltungsmodus einzuschalten. Das funktioniert, solange der Superstar nicht auf einen seiner stärksten Konkurrenten in Topform oder auf einen über sich hinauswachsenden Aussenseiter trifft. Aber wenn der Widerstand plötzlich enorm stark ist, fällt es selbst einem begnadeten Spieler wie Federer schwer, den Schalter unter grösstem Druck umzulegen.

Der Gewinner von 20 Grand-Slam-Events verrät, welche Gedanken er sich in letzter Zeit gemacht hat: «Tief in dir drin spürst du in wichtigen Momenten, dass du eher taktisch vorgehst, anstatt dich zu fragen: ‹Wie hast du vor einem Jahr in Australien und in Wimbledon gespielt?› Dieses Jahr im Australian-Open-Final gegen Marin Cilic ging es gerade noch gut, aber schon da verfiel ich zu stark ins Prozenttennis.»

Das ständige Lob als Krux

Dieses Verhalten komme auch vom Umgang mit den Medien. «Wird dir immer wieder das Gleiche gesagt, verankert sich das im Unterbewusstsein. Und selber weisst du es auch. Wenn ich die Nummer 1 bin, will ich nicht sagen, ich sei nicht der Favorit. Aber ich darf nicht vergessen, dass ich befreit nach vorne spielen muss und dass alles, was jetzt noch kommt, ein Bonus ist. Ich muss mich daran erinnern, wie ich mich 2017 in Melbourne und in Wimbledon gefühlt habe. Genau so will ich mich wieder fühlen, denn in ­diesem Zustand spielte ich am besten.»

Damals war er mit einer Ich-habe-nichts-zu-verlieren-Attitüde angetreten – oder in anderen Worten: No Fear!

In Cincinnati wird es für Federer freilich schwierig, die Favoritenrolle loszuwerden, zumal Rafael Nadal nach seinem Triumph in Toronto kurzfristig abgesagt hat. Somit fehlt wie in den letzten 13 Monaten immer auch hier mindestens einer der «Big 4». Mit Andy Murray scheiterte zudem ein zweites Mitglied dieses exklusiven Clubs gestern an Lucas Pouille. Novak Djokovic, der Vierte im Bunde, kämpfte sich in der Nacht auf Dienstag in die zweite Runde.

Federer fühlt sich gut vorbereitet; er weilt bereits seit zwei Wochen in den USA. Die frühe Anreise hatte den Zweck, sich an die hohe Luftfeuchtigkeit zu gewöhnen. Er trainierte zum Beispiel im Arthur Ashe Stadium in New York und seit letztem Donnerstag hier auf dem Centre-Court. Sein erster Gegner ist der Deutsche Peter Gojowczyk (ATP 47). Müssig zu erwähnen, wer Favorit ist.

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