Djokovic attackiert Federers Laver-Cup

Bei der Premiere des Davis-Cup-Finalturniers läuft einiges schief. Novak Djokovic schlägt grundlegende Änderungen vor. Eine davon wird Roger Federer gar nicht freuen.

Novak Djokovic will ATP- und Davis-Cup vereinen und in den September verlegen. (Bild: Reuters)

Novak Djokovic will ATP- und Davis-Cup vereinen und in den September verlegen. (Bild: Reuters) Bild: Keystone

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Wer in Madrid nach 23 Uhr noch zu Abend essen möchte, findet locker ein Restaurant. Doch ein Tennismatch bis nach vier Uhr morgens, das ist selbst für spanische Verhältnisse spät. Exakt um 4.04 Uhr am Donnerstag früh durften die Amerikaner Querrey/Sock ihren Sieg über die Italiener Fognini/Bolelli bejubeln. So spät war in der 119-jährigen Geschichte des Davis-Cups noch nie ein Match beendet worden.

Ein paar vereinzelte Zuschauer harrten bis zuletzt an Court 2 aus. Die meisten der roten Sitze in den beiden kleineren Arenen, die 3500 und 2300 Zuschauer fassen, waren in den ersten Tagen ohnehin leer geblieben.

Zahlreich angereist sind dagegen die Tennisjournalisten, allein ein Dutzend aus England, und sie versäumten es nicht, auf die Schwächen des stark veränderten Wettbewerbs hinzuweisen. Richtig Stimmung kam bisher nur dann auf, wenn Spanien spielte. Dann war die Hauptarena mit rund 12'000 fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Sonst herrschte meist Tristesse.

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Die anderen 17 Teams werden von Fangrüppchen von 50 bis 350 unterstützt. Über den meisten Support dürfen sich die Kanadier freuen, die eine Tennisnation im Aufwind sind und sich am Donnerstag als Erste für den Halbfinal qualifiziert haben. Aus den USA ist kaum jemand angereist. Die lärmigen Kasachen konnten immerhin auf einen versierten Trompeter zählen.

Boykottiert wird der Anlass von den Supportern des französischen Davis-Cup-Teams. Erstmals habe er sich beim Singen der «Marseillaise» vor der Begegnung selber gehört, sagte Pierre-Hugues Herbert. Aber immerhin habe er nun mitbekommen, dass sein Doppelpartner Nicolas Mahut jeden Ton treffe. Die Spieler sind im Zwiespalt. «Unsere Rolle ist es, auf dem Platz alles zu geben», sagte Herbert. «Es ist nicht an uns, das Event zu organisieren.»

Aber die Spieler machen sich durchaus Gedanken, wie man den Wettbewerb verbessern könnte. Selbst Rafael Nadal, der Kosmos-Präsident Gerard Piqué voll unterstützt, monierte, die Begegnungen seien zu spät angesetzt. Er wurde erhört: Für Freitag und Samstag wurden die Sessionen um eine halbe Stunde vorverlegt.

Von 18 auf 8 Teams?

Novak Djokovic fordert grundlegende Veränderungen des Formats mit 18 Teams in sechs Dreiergruppen. Er schlägt einen Kompromiss vor: ein Finalturnier mit acht Nationen, vorher eine Qualifikation nach dem alten Muster mit Heim- oder Auswärtsbegegnungen. Es fragt sich nur, ob sich die Geldgeber darauf einlassen würden.

Ganz auf der Linie Piqués ist Djokovic, was die Konkurrenz zum ATP-Cup betrifft: «Für mich wäre es ideal, man würde die beiden Wettbewerbe zusammenlegen. Denn beide innert sechs Wochen ist untragbar.»

Davis-Cup vs. Laver-Cup

Als Präsident des Spielerrats hat die Stimme des Serben Gewicht. Den idealen Zeitpunkt für das vereinte Event sieht Djokovic nach dem US Open im September, was Roger Federer nicht gefallen dürfte. Denn da findet sein Laver-Cup statt. Was man dem Laver-Cup zugutehalten muss: Schon bei der Premiere in Prag 2017 kam er sehr professionell, edel daher. In Madrid hingegen fehlen nicht nur die Zuschauermassen, vieles ist noch nicht ausgereift. Die offizielle App etwa wies anfangs grosse Mängel auf, sodass gemäss dieser Spieler gegen sich selber spielten. Der Spott der Journalisten folgte auf dem Fuss.

Und sportlich ist nun auch ein Problem aufgetaucht: Wenn eine Begegnung nach zwei Einzeln entschieden ist und der Sieger fürs Doppel Forfait gibt wie die Kanadier gegen die USA, wird die Partie 6:0, 6:0 gewertet und verfälscht so die Rangliste. Nebst den sechs Gruppenersten kommen ja auch die zwei besten Zweiten in den Viertelfinal.

Der «New York Times»-Journalist Christopher Clarey, der dem Anlass durchaus eine Chance gibt, brachte das Grundproblem des neuen Wettbewerbs auf den Punkt: «Die Spannung besteht diesmal weniger darin, wer die grosse, glänzende Trophäe gewinnt. Sondern vielmehr darin, wie wichtig es den Leuten ist, wer die grosse, glänzende Trophäe gewinnt.»

Sollten sie am Sonntag Rafael Nadal und seine Spanier hochstemmen, wäre das für Piqué schon einmal ein Teilerfolg. Wobei: Es könnte auch Montag früh werden.


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Erstellt: 22.11.2019, 10:45 Uhr

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