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Serena und die positiven Wirkungen einer Schwangerschaft

Den Melbourne-Titel holte die jüngere Williams-Schwester schwanger. Gefährlich? Unter Umständen.

Florian Raz
Comeback geplant: 2018 will der Tennis-Star als Mama auf die WTA-Tour zurückkehren. Video: Tamedia/AFP

Erst wird gerechnet, dann kommt die Überraschung: Serena Williams gibt bekannt, dass sie in der 20. Woche ihrer Schwangerschaft steht. Und damit irgendwie auch, dass sie bei ihrem Sieg des Australian Open im zweiten Monat schwanger war. Aber Schwangerschaft und Spitzensport, geht das überhaupt?

In der achten Schwangerschaftswoche gewann Serena Williams den 23. Grand-Slam-Titel ihrer Karriere, schon den siebten in Australien. Auf Snapchat gab sie ihr Geheimnis preis. Nach der Geburt will die 35-jährige Amerikanerin 2018 in die WTA-Tour zurückkehren.
In der achten Schwangerschaftswoche gewann Serena Williams den 23. Grand-Slam-Titel ihrer Karriere, schon den siebten in Australien. Auf Snapchat gab sie ihr Geheimnis preis. Nach der Geburt will die 35-jährige Amerikanerin 2018 in die WTA-Tour zurückkehren.
Snapchat
Auch Kerri Walsh Jennings hatte schon zwei Buben und war zum dritten Mal schwanger, als sie 2012 in London auch zum dritten Mal Olympiagold gewann. Das Kind, eine Tochter, kam im darauffolgenden Frühling zur Welt.
Auch Kerri Walsh Jennings hatte schon zwei Buben und war zum dritten Mal schwanger, als sie 2012 in London auch zum dritten Mal Olympiagold gewann. Das Kind, eine Tochter, kam im darauffolgenden Frühling zur Welt.
Keystone
Am 21. März 2013 kam Yannis Elia Hug zur Welt, der erste Sohn von Nicola Spirig und Reto Hug. Gut sieben Monate zuvor hatte Spirig in London den Triathlon-Olympiasieg gefeiert. Der Sohn sei aber einen Monat zu früh zur Welt gekommen, stellte Spirig in einem Interview klar: «Ich war nicht schwanger in London.» Erst danach habe ein positiver Test ihre Schwangerschaft angezeigt. Im Mai erwartet das Paar ein zweites Kind – wohl ziemlich genau 40 Wochen nach ihrer Silbermedaille in Rio 2016.
Am 21. März 2013 kam Yannis Elia Hug zur Welt, der erste Sohn von Nicola Spirig und Reto Hug. Gut sieben Monate zuvor hatte Spirig in London den Triathlon-Olympiasieg gefeiert. Der Sohn sei aber einen Monat zu früh zur Welt gekommen, stellte Spirig in einem Interview klar: «Ich war nicht schwanger in London.» Erst danach habe ein positiver Test ihre Schwangerschaft angezeigt. Im Mai erwartet das Paar ein zweites Kind – wohl ziemlich genau 40 Wochen nach ihrer Silbermedaille in Rio 2016.
Keystone
In der neunten Schwangerschaftswoche nahm die deutsche Skeleton-Fahrerin Diana Sartor bei den Olympischen Spielen 2006 in Turin teil. Sie klassierte sich als Vierte.
In der neunten Schwangerschaftswoche nahm die deutsche Skeleton-Fahrerin Diana Sartor bei den Olympischen Spielen 2006 in Turin teil. Sie klassierte sich als Vierte.
Keystone
Amelie Kober hatte 2006 als Teenager Olympiasilber gewonnen, vier Jahre später war ihre Familienplanung schon fortgeschritten. Im Winter 2010 bestritt sie ausschliesslich die Olympischen Spiele, um sich danach zurückzuziehen. «Ich werde jetzt Mutter werden», sagte sie. Anschliessend kehrte sie in den Weltcup zurück.
Amelie Kober hatte 2006 als Teenager Olympiasilber gewonnen, vier Jahre später war ihre Familienplanung schon fortgeschritten. Im Winter 2010 bestritt sie ausschliesslich die Olympischen Spiele, um sich danach zurückzuziehen. «Ich werde jetzt Mutter werden», sagte sie. Anschliessend kehrte sie in den Weltcup zurück.
Keystone
Die deutsche Bogenschützin Cornelia Pfohl nahm gleich zweimal schwanger bei Olympischen Spielen teil. Als sie 2000 Bronze gewann, wusste sie von ihrer ersten Schwangerschaft noch nichts, beim zweiten Mal 2004 war sie jedoch schon im siebten Monat. Nicht schwanger hatte sie 1996 Olympiasilber gewonnen.
Die deutsche Bogenschützin Cornelia Pfohl nahm gleich zweimal schwanger bei Olympischen Spielen teil. Als sie 2000 Bronze gewann, wusste sie von ihrer ersten Schwangerschaft noch nichts, beim zweiten Mal 2004 war sie jedoch schon im siebten Monat. Nicht schwanger hatte sie 1996 Olympiasilber gewonnen.
Getty Images
Der Schwangerschaftsbauch von Nur Suryani Mohd Taibi war nun wirklich nicht mehr zu verstecken, als sie 2012 als erste malaysische Schützin überhaupt bei Olympischen Spielen antrat. Im achten Monat war Taibi schwanger. In einem Interview sagte sie: «Mein zusätzliches Gewicht macht mich stabiler.»
Der Schwangerschaftsbauch von Nur Suryani Mohd Taibi war nun wirklich nicht mehr zu verstecken, als sie 2012 als erste malaysische Schützin überhaupt bei Olympischen Spielen antrat. Im achten Monat war Taibi schwanger. In einem Interview sagte sie: «Mein zusätzliches Gewicht macht mich stabiler.»
Reuters
Die holländische Dressurreiterin Anky van Grunsven gewann 2004 in Athen Olympiagold – als 36-Jährige in ihrem fünften Schwangerschaftsmonat. Im November kam ihr Sohn Yannick zur Welt.
Die holländische Dressurreiterin Anky van Grunsven gewann 2004 in Athen Olympiagold – als 36-Jährige in ihrem fünften Schwangerschaftsmonat. Im November kam ihr Sohn Yannick zur Welt.
Getty Images
Die US-Wasserspringerin Juno Stover-Irwin (2. von links) bestritt die Olympischen Spiele 1952 im vierten Schwangerschaftsmonat und gewann Bronze.
Die US-Wasserspringerin Juno Stover-Irwin (2. von links) bestritt die Olympischen Spiele 1952 im vierten Schwangerschaftsmonat und gewann Bronze.
Getty Images
Anna-Maria Johansson war am Ende des ersten Schwangerschaftstrimesters, als sie mit dem schwedischen Handball-Nationalteam 2012 an den Olympischen Spielen teilnahm. Nach einer einjährigen Auszeit im Anschluss an die Geburt kehrte sie in den Spitzensport zurück.
Anna-Maria Johansson war am Ende des ersten Schwangerschaftstrimesters, als sie mit dem schwedischen Handball-Nationalteam 2012 an den Olympischen Spielen teilnahm. Nach einer einjährigen Auszeit im Anschluss an die Geburt kehrte sie in den Spitzensport zurück.
Getty Images
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Die Antwort mag verblüffen, aber sie lautet: Na klar, geht das! Zumindest, was die ersten drei Monate einer Schwangerschaft betrifft. Und Williams ist auch nicht die erste Spitzensportlerin, die schwanger einen grossen Triumph errungen hat (siehe Bildstrecke oben).

Anders, als der Laie im ersten Moment vermuten würde, muss eine frühe Schwangerschaft kein Nachteil sein, wenn es darum geht, körperliche Höchstleistung abzurufen. Ganz im Gegenteil: Die Herzleistung steigt in den ersten drei Monaten, es kommt zudem zu einer Zunahme des Blutvolumens, des Hämoglobins und der roten Blutkörperchen. Das alles führt zu einer erhöhten Sauerstoffzufuhr der Muskeln.

Bis zu 30 Prozent mehr Leistung

Es gibt Schätzungen darüber, wie gross dieser «Vorteil» sein könnte. Einige Mediziner gehen davon aus, dass die körperliche Leistungsfähigkeit um 10 Prozent gesteigert werden könne. Andere schreiben, die Muskelleistung könne gar um 30 Prozent zunehmen. Kommt dazu, dass die Muskeln geschmeidiger und die Gelenke beweglicher werden.

Natürlich gibt es Umstände einer Frühschwangerschaft, die dagegensprechen, sportliche Grosstaten zu vollbringen. Über die Hälfte der werdenden Mütter klagt über Übelkeit. Dazu leidet jede zehnte unter einer Schwangerschaftsdepression.

Und doch sind die positiven Nebenwirkungen einer frühen Schwangerschaft auf die körperliche Leistungsfähigkeit so gross, dass sie auf der Doping-Präventions-Website der Technischen Universität München beschrieben werden.

Die Gerüchte um «Abtreibungs-Doping»

Immer wieder kursieren deswegen Gerüchte, Spitzensportlerinnen würden punktgenau vor Grossanlässen schwanger – und liessen den ungewollten Fötus danach abtreiben. Es gibt allerdings keine Beweise für dieses «Abtreibungs-Doping», das vor allem den Ländern des Ostblocks in den Zeiten des Kalten Krieges nachgesagt wird.

Zwar zeigte der TV-Sender RTL 1994 ein Interview mit einer Frau, die sich als die ehemalige Turnerin Olga Kowalenko ausgab. Diese berichtete, die sowjetischen Turnerinnen seien vor den Olympischen Spielen 1968 zu einer Schwangerschaft gezwungen worden. Doch Kowalenko bestritt danach vehement, dieses Interview gegeben zu haben, und gewann sogar Gerichtsprozesse gegen Zeitungen, welche die Geschichte weiterverbreiteten.

Auch in den Doping-Unterlagen der ehemaligen DDR, die nach dem Mauerfall 1989 intensiv untersucht wurden, gibt es keine Hinweise darauf, dass Schwangerschaften im Ostblock gezielt zur Leistungssteigerung missbraucht wurden.

Ist Sport während der Schwangerschaft gefährlich?

Bei Serena Williams stellt sich diese Frage sowieso nicht. Dafür eine andere: War es für den achtwöchigen Fötus nicht gefährlich, dass sie ihren Körper in der australischen Hitze an die Leistungsgrenze trieb? Nun, es gibt zu schwangeren Spitzensportlerinnen noch keine umfassenden Untersuchungen.

Eine dänische Studie hat aber 2007 festgestellt, dass ein hohes Sportpensum in der Frühschwangerschaft die Gefahr einer Fehlgeburt stark erhöhen könnte. Das Risiko soll bei mehr als sieben Stunden Sport in der Woche drei- bis viermal höher sein. Allerdings sind sich die Studienautoren selbst nicht sicher, ob wirklich der Sport Auslöser der Fehlgeburten ist. Oder ob nicht andere Faktoren mitspielen.

Grundsätzlich ist die Wissenschaft heute weit davon entfernt, Frauen in der Schwangerschaft von Sport abzuraten. Tatsächlich haben mehrere Studien nachgewiesen, dass moderater Sport während der Schwangerschaft sowohl für die Mutter als auch für das Kind gesund ist.

Wichtig ist, dass der aerobe Bereich nicht überschritten wird. Dass also die Sauerstoffzufuhr des Kindes nicht beeinträchtigt wird. Eine Überhitzung des Körpers und ein Puls von über 155 Schlägen pro Minute sollten ebenso vermieden werden wie Sportarten mit hoher Gefahr von Stürzen oder Schlägen.

Auch mit Kindern können Frauen Erfolge haben

Ob Serena Williams das alles berücksichtigt hat, als sie in Melbourne dem Titel nachgejagt ist? Das ist eine Frage, die Aussenstehenden nicht zusteht. Die Deutsche Sporthochschule Köln schreibt in ihren Empfehlungen: «Neben der Herzfrequenzkontrolle ist vor allem das subjektive Belastungsempfinden wichtig.» Es sind also immer die Frau und ihr Körpergefühl, die entscheiden müssen, wie weit die sportliche Anstrengung gehen kann. Sicher war die 35-Jährige in bester medizinischer Betreuung.

Und jetzt ist bei ihr sowieso erst einmal Wettkampfpause angesagt, ohne dass sie deswegen das Training ganz zurückfahren muss. Viele Spitzensportlerinnen treten zwar nach der Geburt ihres ersten Kindes zurück. Aber es gibt genug Beispiele von Frauen, die auch mit Kindern weitere sportliche Erfolge gefeiert haben.

Gerade auch im Tennis: Kim Clijsters zum Beispiel hat nach der Geburt ihrer Tochter noch zweimal das US Open gewonnen. Und die einstige Weltnummer 1 Viktoria Asarenka, die schwanger 2016 das Turnier von Miami gewonnen hat, arbeitet derzeit an ihrem Comeback.

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