«Sie haben Angst vor seiner Wucht»

Coach Daniel Vallverdu kennt Stan Wawrinka als Gegner. In der zweiten Grand-Slam-Woche werde der Romand ein anderer Spieler, sagt er.

Novak Djokovic kann nicht mehr und gibt nach zwei verlorenen Sätzen gegen Stan Wawrinka auf. (Video: AP)

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Wie haben Sie den Djokovic-Match erlebt?
Egal, wie sich Djokovic fühlt, es ist immer extrem schwierig, sein Spiel zu zerstören. Stan hat das grossartig gemacht. Er liess ihn von Beginn weg für jeden Punkt arbeiten. Natürlich ist es schade, dass Djokovic aufgeben musste. Ich fand, phasenweise spielten sie grossartiges Tennis. Aber in gewissen Momenten sah man schon, dass sich Djokovic nicht ganz wohlfühlte.

Waren Sie überrascht, als er aufgab?
Ein bisschen. Wir wussten, dass er mit Problemen kämpfte. Aber in der vorigen Partie (gegen Ku­dla) hatte man davon nichts mehr gesehen. Deshalb dachten wir, er würde okay sei. Aber eben, es ist immer bedauerlich, wenn ein Athlet aufgeben muss. Ich wünsche Djokovic nur das Beste.

Inwiefern beeinflusste der Fakt, dass Djokovic angeschlagen war, die Taktik des Spiels?
Wie immer gegen ihn musste Stan darauf achten, dass er von Beginn weg bereit war. Aber diesmal haben wir diese Botschaft noch mehr betont. Wir sagten: Der erste Satz ist entscheidend! Wir wussten: Nur wenn Stan von Anfang an aus allen Rohren schiesst, kann er so richtig testen, wie sich Djokovic fühlt.

Inspiriert ihn Djokovic zu seinen besten Leistungen?
Die beiden kennen sich sehr gut, trainieren oft miteinander. Deshalb fühlt es sich für Stan nicht seltsam an, wenn er mit Djokovic auf dem Court ist. Und ihr Spiel passt gut zueinander, sie schaukeln sich gegenseitig hoch. Sie hatten schon einige epische Matches gegeneinander, die ich als Zuschauer sehr genoss.

Seit der Rasensaison sind Sie im Coachingteam von ­Wawrinka? Was ist Ihre Rolle?
Ich versuche, so gut zu helfen, wie ich kann. Ich kenne Stan persönlich schon lange. Und es ist fantastisch, mit Magnus (Norman) und Yannick (Fattebert) zu arbeiten. Ich habe die letzten zehn Jahre gegen Stan gecoacht und bringe eine Aussensicht hinein. Ich weiss, wovor seine Gegner Angst haben bei ihm und wo sie ansetzen, um ihn zu schlagen.

Wovor haben sie Angst?
Vor seiner Mentalität, seiner ­Härte auf dem Court, der Wucht seiner Schläge. Manchmal unterschätzt er, wie hart seine Bälle sind, und forciert zu viel. Dabei ist es für seine Gegner nur schon unangenehm, wenn seine Bälle immer wieder auf sie zukommen. Das zu wissen, nimmt Druck von ihm. Er muss nicht immer draufhauen wie verrückt. Er kann sich auch einmal auf längere Punkte einlassen, das Risiko reduzieren.

Wawrinka schlägt mehr Asse als früher. Woher kommt das?
Er schlägt schon eine Weile ganz gut auf. Schon in Paris half ihm der Aufschlag aus manch heikler Situation. Ich sagte zu Stan: Wenn du eine solche Waffe hast, musst du sie einsetzen. Vor allem in dieser Phase deiner Karriere. Das heisst, dass deine Prozentzahl erster Aufschläge nicht mehr so hoch ist, dafür steigt die ­Erfolgsrate. Das haben wir in den letzten Matches gesehen

Im Frühjahr sagte Wawrinka, er brauche einen grossen Sieg, damit es klick mache. Könnte dies dieser Sieg gewesen sein?
Ich sagte vor dem Spiel zu Magnus: Das fühlt sich an wie ein Halbfinal oder ein Final eines Grand Slams. Diese Energie im Stadion! Diese Anspannung! Ja, das ist ein grosser Sieg, der ihn weiterbringen wird. Schon der über Tsitsipas in Paris war einer. Vielleicht braucht er zwei, drei solcher Matches. Der Schlüssel ist, dass er sich körperlich gut fühlt. Dass er Tennis spielen kann, wissen wir alle. Nun geht es für ihn darum, noch mehr ­Vertrauen zu schöpfen

Nach seiner guten Sandsaison war er wieder sehr inkonstant. Mussten Sie da schauen, dass er nicht den Glauben verlor?
Ich achte sehr darauf, wie die Matches verloren werden. Ja, er hatte einige frustrierende Niederlagen. Aber wenn er verlor, hatte er sich zuvor fast immer in eine gute Position gebracht. Das Level war da. Und wenn Stan wie nun in New York zwei, drei, vier Matches in Serie gewonnen hat, wird er ein anderer Spieler.

Erstellt: 02.09.2019, 20:49 Uhr

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