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Djokovics Wutanfälle und Beckers Twitter-Sturm

Djokovic vs. Murray im Doha-Final war grosses Kino – und «bad boy» Kyrgios scherzte über den Wut-Kollegen aus Serbien.

Da brannten ihm einige Male die Sicherungen durch: Novak Djokovic im Doha-Final.
Da brannten ihm einige Male die Sicherungen durch: Novak Djokovic im Doha-Final.
AFP

Boris Becker mag zwar nicht mehr Coach von Novak Djokovic sein. Doch das hindert ihn nicht daran, voll mitzugehen, wenn sein Ex-Schützling spielt. Mit gegen zwei Dutzend Tweets begleitete und kommentierte er dessen Endspiel gegen Andy Murray in Doha – wo er, wie man nebenbei erfuhr, vor 25 Jahren auch selber gewonnen hatte.

«Grossartiges Tennis/Sportgeist/Qualität/Drama/Athletik/Charakter», schwärmte Becker etwa. Und nach fast drei Stunden, als Djokovic 6:3, 5:7, 6:4 gewonnen hatte, machte der bald 50-jährige Deutsche gleich zwei Sieger aus – und vor allem viele Verlierer: «Das sind schlechte Neuigkeiten für den Rest», urteilte Becker.

Mit dieser Einschätzung dürfte er zweifellos richtig liegen: Das Niveau, das die Nummern 1 und 2 der Welt schon im ersten Turnier der Saison wieder erreichten, war phasenweise atemraubend. Das sah auch Andy Murray so, für den die erste Niederlage seit September und nach 28 Siegen deshalb verkraftbar war: Er traue sich dennoch zu, erstmals auch das Australian Open zu gewinnen, sagte «Sir Andy», der in Doha seine Führung in der Weltrangliste sogar um 150 Punkte ausbaute.

«Das beste Szenario»

Grösser dürften die Auswirkungen des relativ kleinen Turniers für Djokovic sein, der erst zum zweiten Turniersieg seit dem French Open kam. «Das ist das beste Szenario, das ich mir am Anfang der Saison wünschen konnte», freute er sich über seinen 67. Titel. Er habe die zweite Jahreshälfte 2016 nicht solid gespielt und an Vertrauen verloren, doch genau solche Siege würden dieses wieder zurückbringen.

Djokovic befindet sich in einer Phase der Neuorientierung, und sein Auftritt in Katar war ein klares Statement: Sein Siegeshunger ist noch nicht gestillt, seine Ära dürfte alles andere als vorbei sein, 2017 ist mit ihm wieder voll zu rechnen. Dabei hatte er am Persischen Golf etliche heikle Szenen zu bewältigen. Gegen Fernando Verdasco musste er im Halbfinal fünf Matchbälle abwehren – gegen Murray schien ihm dann für einmal selber ein vermeintlich sicherer Sieg noch zu entgleiten.

Konkurrenz für Kyrgios

Als Aufschläger konnte der 29-Jährige bei 5:4 im zweiten Satz drei Matchbälle nicht verwerten, worauf ihn der Schotte zweimal in Folge breakte.

Einmal mehr zeigte sich dabei auch, dass Djokovic weiterhin seine innere Ausgeglichenheit sucht. Schon im ersten Satz war er verwarnt worden, als er nach einem Punktverlust einen Ball aggressiv in die Tribüne spedierte. Australiens «bad boy» Nick Kyrgios kommentierte die Szene aus der Ferne über Twitter: Hätte er sich dies geleistet, wäre er disqualifiziert und bis 2025 gesperrt worden.

Das war natürlich übertrieben, aber auffallend ist schon, wie oft mit Djokovic jüngst das Temperament durchgeht. Im zweiten Satz wurde er mit einem Strafpunkt belegt, nachdem er noch ein Racket zerbrochen hatte.

Sechs Mal gewonnen

Doch er fing sich rechtzeitig und kam zum 13. Sieg in der 15. Partie gegen Murray, in der zuvor beide zumindest einen Satz gewonnen hatten.

Am Ende war seine Welt dann auch wieder in Ordnung, und grossmütig verschenkte er zwei weitere Rackets. Seine Flugreise nach Melbourne dürfte nach der erfolgreichen Titelverteidigung deutlich entspannter verlaufen sein als im Fall einer zwölften Niederlage gegen seinen aktuellen Haupt­rivalen. Und immerhin hat er das australische Grand-Slam-Turnier schon sechsmal gewonnen, während Murrays Final­bilanz in Melbourne bei 0:5 steht.

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