«So konnte es nicht weitergehen»

Was Fed-Cup-Captain Heinz Günthardt zur Operation von Belinda Bencic sagt und wie er ihre Schmerzen miterlebte.

Heinz Günthardt ist überzeugt, dass bald wieder bessere Zeiten auf Belinda Bencic zukommen.

Heinz Günthardt ist überzeugt, dass bald wieder bessere Zeiten auf Belinda Bencic zukommen. Bild: Keystone

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Ivan Bencic, der Vater, hat wenig Zeit an diesem Mittwoch und will am liebsten gar nichts sagen. Er sei gerade mit seinem Sohn Brian an einem ITF-Juniorenturnier in Salsomaggiore, müsse ihn vorbereiten und habe keine Zeit. Und mehr zu sagen gebe es zur Operation seiner Tochter ohnehin nicht, als sie selber über Twitter veröffentlicht habe, das sei so abgemacht. Sie sei zu Hause in der Schweiz, aber «es ist alles gesagt. Sie wurde am Handgelenk operiert, nun schauen wir, wie es weitergeht.»

Auskunftsfreudiger ist Fed-Cup-Captain Heinz Günthardt, der die Entwicklung der früheren Top-10-Spielerin auch in den vergangenen Wochen genau verfolgte. Er hatte Bencic im verlorenen Fed-Cup-Halbfinal in Minsk (22./23. April) im Einzel nicht eingesetzt und ihr Viktorija Golubic vorgezogen, die beide Einzel knapp verlor.

«Belinda musste immer wieder auf die Zähne beissen.»Heinz Günthardt

«Belinda schlug den Ball im Training zwar super, teilweise sensationell, aber in einer gewissen Höhe ging es einfach nicht mehr. Es war unklar, ob sie die Einzel hätte spielen können», so der Zürcher. «Sie sagte: Im Training war es gut, nur zwischendurch habe sie Schmerzen.» Der Arzt habe ihr zudem erklärt, es könne nicht schlimmer werden. «Aber im Training merkte man immer wieder: So geht das nicht. Immer wieder musste sie auf die Zähne beissen.»

Bencic habe sich deshalb auch seit Monaten unter ihrem eigentlichen Wert verkaufen müssen, «sie kann viel besser spielen, als sie das zuletzt zeigen konnte», sagt Günthardt. Er war in Weissrussland überrascht, dass sie trotz dieser misslichen Situation noch so positiv bleiben konnte und viel zur guten Stimmung im Fed-Cup-Team beitrug. Wie es um ihr linkes Handgelenk konkret stand, sei aber noch in Minsk unklar gewesen. Eine genaue Diagnose wurde nur durch einen Eingriff möglich, erst da wurde das Ausmass der Verletzung erkannt.

Operation sei «die richtige Entscheidung»

Für Günthardt ist klar: «So konnte es für sie längerfristig gar nicht weitergehen. Tennis muss doch auch noch etwas Spass machen.» Er begrüsst deshalb den Entscheid der auf Rang 131 zurückgefallenen früheren Junioren-Weltmeisterin, die Notbremse zu ziehen, anstatt sich weiter zu quälen. «Seit fast einem Jahr war ja mit ihrem Handgelenk latent etwas nicht gut. Ich würde deshalb auch nicht von einem Schock sprechen. Dass sie sich nun operieren liess, ist sicher die richtige Entscheidung.»

Der Job als Tennisprofi sei hart genug. «Und wenn man vor gewissen Bällen Angst haben muss, dann geht es einfach nicht und es kommt zu einer Kettenreaktion: Es macht keinen Spass, man kann weniger gut trainieren, dann verlierst du, und das macht noch weniger Spass … es ist eine Abwärtsspirale.» Die Grundvoraussetzung, dass jemand auf der Tour vorne mitspielen könne, sei die Gesundheit, so Günthardt. Er ist aber überzeugt: Eine gesunde Bencic wird den Anschluss rasch wieder finden.

Erstellt: 03.05.2017, 14:12 Uhr

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