Stammbach bleibt Swiss Tennis erhalten

Der Aargauer scheiterte bei der Wahl zum Präsidenten des Weltverbands ITF im ersten Wahlgang.

René Stammbach.

René Stammbach.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

René Stammbach hatte sich reelle Chancen ausgerechnet, als erster Schweizer Präsident des Internationalen Tennisverbands ITF zu werden. Wenn er den ersten Wahlgang überstehe, sehe es für ihn nicht schlecht aus, hatte er spekuliert. Dazu kam es nicht: Der 59-jährige Zurzacher erhielt zu wenig Stimmen, um den zweiten Durchgang zu erreichen.

Stammbach bekam von den vier Kandidaten gemäss eigenen Angaben gestern in Santiago de Chile am drittmeisten Stimmen (die genaue Simmenverteilung wurde nicht publik). Er schaffte aber die Quote von 25 Prozent nicht, die nötig gewesen wäre, um in den zweiten Wahlgang zu kommen. Zur allgemeinen Überraschung erhielt der als Kronfavorit gehandelte Spanier Juan Margets ­offenbar am wenigsten Stimmen. Den zweiten Wahlgang erreichten der Inder Anil Khanna und Dave Haggerty (USA), der sich mit 200:192 Voten durchsetzte und Nachfolger von Francesco Ricci Bitti wird, der 16 Jahre lang Präsident war.

Zu radikales Wahlprogramm?

«Unter allen Kandidaten hatte ich wohl das radikalste Reformprogramm, für das der Tennisverband offensichtlich noch nicht bereit ist», erklärte Stammbach in einer ersten Reaktion. Was für ihn persönlich einer Niederlage gleichkommt, bedeutet für Swiss Tennis einen Gewinn: Stammbach hätte bei einer Wahl als Präsident des nationalen Verbands zurücktreten müssen, nun will er ihm mindestens die drei weiteren Jahre vorstehen, für die er kürzlich gewählt wurde. Die Suche nach einer valablen Nachfolge­lösung wäre nicht einfach geworden.

Haggerty war von Stammbach anfänglich nicht als ernst zu nehmender Konkurrent eingestuft worden. Der 58-jährige Amerikaner wird den Weltverband vorerst vier Jahre anführen. Er bringt im Tennis viel Erfahrung mit, vor allem in seiner 14-jährigen Tätigkeit für den amerikanischen Verband, den er zwei Jahre als Präsident leitete, zudem war er 2013 bis 2015 Vizepräsident des Direktorengremiums der ITF.

Im Führungsgremium bestätigt

Der aus New Jersey stammende Haggerty war auch beruflich dem Tennis während Jahrzehnten eng verbunden, als Vorsitzender und Präsident verschiedener Sportartikelhersteller (Head, Penn, Dunlop Maxfli Slazenger, Prince). Er war eine der treibenden Kräfte beim Projekt, das Arthur-Ashe-Stadion in Flushing Meadows zu überdachen und in Orlando (Florida) ein neues Tenniszentrum zu erstellen. Haggerty gilt als besonnen und eher konservativ, was kaum erwarten lässt, dass er das Profitennis so markant zu verändern versuchen wird, wie es viele für nötig halten.

Stammbach hatte zwar aktiv Wahlkampf betrieben und sein Programm weltweit vorgestellt. Beim US Open hatte er aber gewisse Überdrusserscheinungen gezeigt angesichts der Radikalität, mit der einige Rivalen um Stimmen buhlten. Ihm war es immer um die Sache gegangen, nicht um die persönliche Profilierung. Als einziger der vier Kandidaten hatte er denn auch die Titelseite seines Dossiers nicht mit dem eigenen Konterfei ­geschmückt. Eine Genugtuung gab es für ihn dann doch noch: Er wurde mit dem besten Ergebnis als Mitglied des ­Direktorenboards der ITF bestätigt. 26 Kandidaten hatten sich um die 13 Positionen dieses Gremiums beworben.

Erstellt: 25.09.2015, 23:49 Uhr

Artikel zum Thema

Er plant die Tennis-Revolution

René Stammbach will auf den Tennis-Thron – und dann den Sport verändern. Angefangen beim Davis Cup. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Blogs

Geldblog Wie Sie auf US-Dividenden-Stars setzen

Mamablog Kinder sollten lügen dürfen

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Die Welt in Bildern

Duftendes Gut: In einer Räucherstäbchenfabrik in Tangerang, Indonesien, läuft die Produktion kurz vor dem chinesischen Neujahrsfest auf Hochtouren. (22. Januar 2020)
(Bild: Ajeng Dinar Ulfiana) Mehr...