«Manchmal tut ein solcher Dämpfer gut»

Roger Federer scheitert bei seinem Comeback in Stuttgart an einem stark aufspielenden Tommy Haas in drei Sätzen.

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Roger Federer hat zum Auftakt in die Rasensaison einen Dämpfer erlitten. Der Baselbieter verlor bei seiner Rückkehr auf die Tour nach zehnwöchiger Wettkampfpause gegen seinen langjährigen Rivalen Tommy Haas in der 2. Runde des Turniers in Stuttgart in drei Sätzen.

2:6, 7:6 (10:8), 6:4 lautete nach knapp zwei Stunden das Verdikt zugunsten des gebürtigen Hamburgers, der sich auf Abschiedstournee befindet und in der Weltrangliste nur noch Platz 302 belegt. Der 39-Jährige hatte im Tiebreak des zweiten Satzes bei eigenem Service einen Matchball abgewehrt und fügte Federer danach die zweite Niederlage in diesem Jahr bei. Bereits im Februar in Dubai hatte dieser mit dem Russen Jewgeni Donskoi gegen einen deutlich schlechter klassierten Spieler den Kürzeren gezogen.

Perfekter Start in die Partie

Während Haas, der im März als Turnierdirektor von Indian Wells Federer noch den Siegespokal überreicht hatte, von einem «Schock» sprach, kam die Niederlage für den Australian-Open-Champion nicht ganz so überraschend. Bereits nach der Auslosung hatte er geahnt, dass es im Fall eines Duells mit seinem guten Kumpel schwierig werden könnte. «Er hat alles, was es auf Rasen braucht.» Und nach einer 73-tägigen Wettkampfpause den Tritt gleich wieder zu finden, ist auch für Federer nicht ganz einfach. «Die Marge auf Rasen ist gering. Ich wusste, dass das Risiko einer Niederlage besteht.»

Zu Beginn der Partie hatte allerdings nichts auf ein Scheitern Federers hingedeutet, der in diesem Jahrtausend noch nie gegen einen im Ranking so tief klassierten Gegner verloren hat. Die Weltnummer 5 schaffte gleich im ersten Game ein Break, schlug in der Folge stark auf (insgesamt 23 Asse) und gewann den ersten Satz nach gut 20 Minuten locker 6:2. Auch im zweiten Durchgang führte er schnell 2:0, ehe sich das Blatt wendete. «Vielleicht lief es am Anfang zu gut und zu einfach für mich», sagte Federer, der seinen 1100. Sieg auf der Tour verpasste. Ein paar unnötige Fehler hätten zum Rebreak geführt, «und im dritten Satz habe ich nicht mein bestes Tennis abrufen können».

Federer: Wimbledon im Hinterkopf

Haas nutzte die Gunst der Stunde und kam im 17. Duell gegen Federer zum vierten Sieg. «Ein Wahnsinns-Highlight für mich», sagte der ehemalige Weltranglisten-Zweite (2002), der erstmals seit seinem Comeback in diesem Jahr zwei Spiele in Serie gewann und damit den ersten Viertelfinal-Einzug auf der ATP-Tour seit gut drei Jahren feierte. «Der Sieg war auch die Belohnung für die harte Arbeit der letzten Jahre und die Tatsache, dass ich nie aufgegeben habe.» Haas freute besonders, dass seine Tochter Valentina diesen Triumph live miterleben konnte. «Es ist nicht so schlecht, die Geschichte in 10, 20 Jahren noch einmal zu erzählen.»

Im Gegensatz zu Haas spielt Federer noch nicht mit dem Gedanken an den Rücktritt. Seine Planungen reichen bereits ins nächste Jahr hinein, Priorität geniesst aber die Gegenwart, steht doch mit Wimbledon das Saison-Highlight vor der Tür. Federer verhehlte nicht, dass ein achter Sieg des wichtigsten Turniers der Welt ihm «sehr, sehr viel» bedeuteten würde. Nach seinem grandiosen Saisonstart mit den Siegen am Australian Open, in Indian Wells und in Miami gehört er in Wimbledon zu den Topfavoriten. «Im Hinterkopf ist sehr präsent, dass die Chance in diesem Jahr da ist.»

«Ich muss die Partie abhaken»

Die überraschende Niederlage im Tennisclub Weissenhof in der schwäbischen Metropole zeigte aber auch ihm, dem erfolgreichsten Spieler der Geschichte, dass es keine Garantie für Erfolge gibt. «Man kann sich nie sicher sein, dass es immer so gut weitergeht», sagte Federer in Anspielung auf seine fantastische Matchbilanz in dieser Saison. «Manchmal tut ein solcher Dämpfer gut.»

Auch deswegen blickte er bereits wieder nach vorne: «Ich muss die Partie abhaken.» Nun bleibe ihm etwas mehr Zeit, das Turnier in Halle vorzubereiten. «Zudem war bei weitem nicht alles negativ», so Federer, der gleich nach der Partie in die Schweiz zu seiner Familie zurückkehrte. In Ostwestfalen hat er die Möglichkeit, im Hinblick auf Wimbledon weitere Matchpraxis zu sammeln. Das Turnier behagt ihm: mit acht Titeln ist Federer der Rekordsieger. (lif/oli/sda)

Erstellt: 14.06.2017, 15:18 Uhr

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