Zum Hauptinhalt springen

Federer könnte ein fast unfassbares weiteres Kapitel schreiben

Abgeschrieben haben Roger Federer einige Tennis-Auguren, immer wieder abgeschrieben. Und jetzt das!

1. SatzDas 7. Schweizer Grand-Slam-Duell ist von Beginn weg ein enges Spiel. Beide müssen Breakchancen abwehren, bringen aber ihre Aufschlagspiele durch.
1. SatzDas 7. Schweizer Grand-Slam-Duell ist von Beginn weg ein enges Spiel. Beide müssen Breakchancen abwehren, bringen aber ihre Aufschlagspiele durch.
AFP
2. SatzAuch zu Beginn des zweiten Durchgangs bleiben beide Schweizer bei ihren Aufschlägen unangetastet.
2. SatzAuch zu Beginn des zweiten Durchgangs bleiben beide Schweizer bei ihren Aufschlägen unangetastet.
AFP
Danach behält der 'Maestro' die Nerven – mit 7:5, 6:3, 1:6, 4:6 und 6:3 entscheidet Federer das Schweizer Duell für sich und steht nun in seinem 28. Grand-Slam-Final. Dort wartet er auf den Sieger der Partie Nadal-Dimitrov.
Danach behält der 'Maestro' die Nerven – mit 7:5, 6:3, 1:6, 4:6 und 6:3 entscheidet Federer das Schweizer Duell für sich und steht nun in seinem 28. Grand-Slam-Final. Dort wartet er auf den Sieger der Partie Nadal-Dimitrov.
Reuters
1 / 11

Es war der Australia Day, der Nationalfeiertag «down under», doch im Zentrum standen zwei Schweizer. Und was Roger Federer und Stan Wawrinka den 15'000 im Stadion und den Zuschauern an den TV-Bildschirmen boten, war grosses Kino – ein Spektakel, das alles bot, was Tennis so faszinierend macht. Brillante Winner, hochklassige Ballwechsel, mentale Stärken und mentale Baissen, unerwartete Umschwünge, Verletzungspausen, Schmerzen, Tränen (als Wawrinka den zweiten Satz verloren hatte) und Spannung bis zum letzten Punkt.

Und am Schluss kam es – zumindest aus der Sicht der Mehrheit in der Rod-Laver-Arena – zu einem Happy-end in Form des Sieges von Roger Federer. 7:5, 6:3, 1:6, 4:6, 6:3. Ein Resultat für die helvetischen Tennisannalen. Seit seinem letzten Endspiel in Melbourne 2010 hatte Federer schon fünf Halbfinals verloren. Und Wawrinka trieb ihn in ihrem 22. Duell in ihren ersten Fünfsätzer, der mit 3:05 Stunden allerdings auch nicht allzulange ging – was im Hinblick auf den Final beruhigend ist. Zumal Federer zuvor auch schon gegen Kei Nishikori über die volle Distanz gehen musste.

Wawrinka ist nicht mehr der «little bro»

Stan Wawrinka sei nicht mehr der «little bro», der kleine Bruder Federers, schrieb «The Age» in der Vorschau. Klar, der Waadtländer hatte in den vergangenen drei Jahren auch Australian Open, French Open und US Open gewonnen, während Roger Federer an den Majors seit Wimbledon 2012 leer ausging und nach seiner Verletzungspause vergangene Saison erstmals seit fast 14 Jahren aus den Top 10 rutschte.

Video – die schönsten Szenen des 5-Satz-Krimis:

Doch an diesem Tag (hier gehts zum Liveticker) stellte Federer die alte Hierarchie wieder auf den Kopf und demonstrierte, dass er immer noch der etwas bessere Spieler ist, vor allem auf schnellen Plätzen – wenn auch nicht der schlagkräftigere. Wawrinka mag zwar in der Weltrangliste inzwischen klar besser klassiert sein – Federer kehrt nun auf Rang 14 zurück, bei einem Sieg sogar auf Rang 10, Wawrinka wird nach dem Australian Open die Nummer 3.

Federer weiss, wie er an Wawrinkas Spiel vorbeikommt

Aber Federer zeigte wie in vielen der 21 Duelle der beiden zuvor, dass er weiss, wie er dem wuchtigen Grundlinien-Gepeitsche seines Davis-Cup-Kollegen und Olympia-Goldpartners von 2008 beikommen kann: Mit Virtuosität, mit Variation und einem Angriffsfurioso, das jeden Gegner schwindlig spielt. Und mit Mut und Aggressivität, wie nur es zu bieten bereit ist.

Als Federer im zweiten Satz auch noch besser zu servieren begann, wurde Wawrinka vorübergehend zum Statisten. Seine eindrücklichste Szene war, wie er seinen Schläger zertrümmerte, als Federer 7:5, 4:2 in Führung ging. Dafür setzt es nicht nur eine Busse vom Internationalen Tennis-Verband ab, sondern auch eine von Racketlieferant Yonex.

Wawrinkas eindrückliche Rückkehr

Die grössere Strafe für Wawrinka aber war, dass ihm Federer einmal mehr vor einem grossen Erfolg stand, seinen Vorstoss in den 4. Grand-Slam-Final verhinderte. Er braucht sich nichts vorzuwerfen – er kam im dritten Satz eindrücklich zurück, holte insgesamt nur sechs Punkte weniger (136:142) und schien die Wende geschafft zu haben, als Federer nach dem vierten Durchgang eine längere Verletzungspause bezog (vermutlich für den unteren Rückenbereich, hiess es im Melbourne Park).

Der Romand schnupperte im Entscheidungssatz auch zweimal zuerst am Break. Aber Wawrinka hat ein tolles Turnier gespielt und ist an einem Gegner gescheitert, der daran ist, ein fast unfassbares weiteres Kapitel in seiner Karriere zu schreiben. Einer Karriere, die viele einmal mehr 2016 als beendet betrachteten.

Und was für ein Kapitel es ist: Bereits ist Federer der älteste Finalist an einem Grand-Slam-Turnier seit über 42 Jahren, als Ken Rosewall als fast 40-Jähriger im Endspiel des US Open stand. Es ist zwar noch nicht fertig – aber das passende Happy End liegt bereits als Skript in der Schublade: Indem Federer am Sonntag auch das Endspiel gegen Grigor Dimitrov oder Rafael Nadal gewinnt und seinen 18. Grand-Slam-Titel holt, in seinem 100. Einzel an diesem Turnier.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch