Top-10-Spielerin wider Willen

Timea Bacsinszky wird seit Monaten von Rückschlägen verfolgt – und von der WTA bevormundet.

Ihre Spielfreude und Zuversicht hat sich Bacsinszky bewahrt: «Ich weiss, es wird zurückkommen, irgendwann.»

Ihre Spielfreude und Zuversicht hat sich Bacsinszky bewahrt: «Ich weiss, es wird zurückkommen, irgendwann.» Bild: Shuji Kajiyama/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Timea Bacsinszky sitzt in der Players Lounge des Tennis Garden in Indian Wells und strahlt. Sie hat zwar nur ein Startspiel gegen eine klar schlechter klassierte Gegnerin gewonnen. «Aber dieser Sieg ist sehr wichtig für mich. Denn er zeigt, dass es mir wieder viel besser geht als vor ein paar Wochen», kommentiert sie das 6:2, 6:1 gegen die Bulgarin Tsvetana Pironkova (WTA 97).

Hinter der 26-jährigen Lausannerin liegen turbulente Monate, die eine Ballung schlechter Nachrichten brachten. Entsprechend schwach ist sie in die Saison gestartet. Lediglich drei von neun Spielen hat sie vor Indian Wells gewonnen. Ein krasser Gegensatz zu 2015, als sie mit einer 18:2-Bilanz und Turnier­siegen in Acapulco und Monterrey für grosses Aufsehen sorgte.

Als das Unheil begann

Nach weiteren schönen Erfolgen – wie ­einem Halbfinal in Roland Garros, ­einem Viertelfinal in Wimbledon und einem ­Final in Peking – war sie auf gutem Weg, sich für das Saisonfinale der Top 8 in Singapur zu qualifizieren. Da begann das Unheil. Denn in Peking fand sie heraus, dass ihr letztes Turnier, Luxemburg, nicht mehr für die Qualifikation zählte, weshalb sie am Saison­finale nur als ­Ersatz hätte dabei sein können. Desillusioniert und sich ungerecht behandelt fühlend, musste sie trotzdem in Luxemburg antreten – und verletzte sich dort prompt schwer am linken Knie.

«Es war wohl Schicksal», sagt sie. Die folgende Zwangspause beeinträchtigte ihre Vorbereitung auf die neue Saison und brachte ein Trainingsdefizit mit sich, das sie noch nicht wettmachen konnte. Und die nächste schlechte Nachricht liess nicht lange auf sich warten. In den Ferien in Zermatt wurde sie von der WTA-Tour darüber informiert, dass sie 2016 als Top-10-Spielerin gelten würde – obwohl sie 2015 nur auf dem 12. Platz ­beendete. «Nur wenige wissen das», sagt Bacsinszky, «aber weil Serena Williams schon über 30 Jahre alt ist, ist sie von den WTA-Verpflichtungen befreit, und zudem trat Flavia Pennetta zurück.»

Beförderung mit Nachteilen

So rutschte sie nach. Und musste rasch feststellen, dass diese Beförderung vor allem Nachteile mit sich bringt. Aufgrund komplizierter Regeln, die ­dafür sorgen sollen, dass die Top-Spielerinnen gerecht auf die diversen Turnierkategorien verteilt werden, musste sie ihre Planung für 2016 grundlegend umstellen. «Ich wollte zuerst an den kleineren Turnieren in Shenzhen und ­Hobart gegen schwächere Gegnerinnen beginnen, doch das ging nicht», erzählt sie. Sie musste stattdessen nach Brisbane und Sydney, wo sie zweimal sogleich verlor.

Auch ihre Planung für den Februar war nicht mehr möglich, um die Anforderungen zu erfüllen. Diese zwangen sie zu einem Start in Doha – wodurch sie der Möglichkeit beraubt wurde, ihre beiden ­Titel in Mexiko zu verteidigen. «Ich hatte dort spielen wollen, und die Turniere bemühten sich um mich. Auch für die Zuschauer war es unverständlich, dass die Titelverteidigerin nicht kam.»

«Ich freue mich für Bencic»

Auch die Reise in den Mittleren Osten verlief dann nicht problemlos. Nach dem Fed-Cup-Viertelfinal in Leipzig erlitt die Lausannerin eine starke Magen-Darm-Infektion, aufgrund derer sie vier Kilogramm abnahm und das Turnier in Dubai absagen musste. «Am Dienstag nach Leipzig, als es mir wirklich schlecht ging, kamen auch noch die Doping­kontrolleure zu mir nach Hause – und das gleich zweimal», erzählt sie. «Um sechs Uhr morgens die vom internationalen Verband, und um neun Uhr abends jene von Swiss Olympic.»

Die Situation auf der WTA-Tour ist aus Schweizer Sicht nun regeltechnisch ­etwas konfus. Bacsinszky, die nun auf Rang 21 zurückgefallen ist, gilt als Top-10-Spielerin, während Belinda Bencic, die Nummer 8, einer tieferen Kategorie zugeordnet wird. Sie sei von der WTA-Tour zu wenig gut informiert worden, was der Top-10-Status alles mit sich bringe, kritisiert Bacsinszky. «Ich habe vieles nicht gewusst.» Sie habe sich auch bei der WTA beklagt: «Man müsste aufstrebenden Spielerinnen besser kommunizieren, was sie erwartet.»

Der Rückfall im Ranking beunruhige sie aber nicht, sagt sie: «Damit habe ich mich abgefunden. Es wäre auch nicht normal, wenn ich gleich gut in Form wäre wie vor einem Jahr.» Ihre Zuversicht, die Spielfreude und den Optimismus hat sie trotzdem bewahrt: «Ich weiss, es wird zurückkommen, irgendwann.» Sie hoffe, dass es noch vor dem Sommer sein werde. Die Frage, ob sie nicht neidisch sei auf Bencic, die wohl in Rio mit Martina Hingis auch das Doppel bestreiten dürfte, verneint sie vehement. «Wäre ich das, müsste ich auf alle neidisch sein, die vor mir klassiert sind.» Im Gegenteil: Sie freue sich über Bencics Erfolge. «Es ist ein riesiger Vorteil, sie zu haben. Und sie ist auch sehr nett.»

Erstellt: 14.03.2016, 08:35 Uhr

Schweizer Trio

Starker Start

Die drei Schweizer in Indian Wells erledigten ihre erste Aufgaben am Samstag alle souverän. Stan Wawrinka schlug den Ukrainer Illja Martschenko (ATP 72) vor den Augen von Microsoft-Mitgründer Bill Gates 6:3, 6:2 und trifft heute erstmals auf Andrej Kusnezow (RUS/55). «Ich bin gut vorbereitet und spüre, dass ich hier dieses Jahr weit kommen kann», sagte der Lausanner. Belinda Bencic tat sich etwas schwerer, bis sie die starke Amerikanerin Lauren Davis (WTA 99) 6:3, 3:6, 6:3 niedergekämpft hatte, wobei sie im Startsatz 1:3 zurückgefallen war. «Die erste Runde hier ist nie einfach», sagte Bencic. Es war ihr erster Sieg nach drei Niederlagen in Folge, als Top-10-Spielerin und 19-Jährige. Sie trifft im Sechzehntelfinal auf die Slowakin Magdalena Rybarikova (97), die sie von gemeinsamen Trainings gut kennt. Ebenfalls heute bestreitet Timea Bacsinszky gegen Eugenie Bouchard (42) ihre zweite Partie. Bereits im Startspiel scheiterte die Australian-Open­-Siegerin Angelique Kerber an der Tschechin Denisa Allertova. (rst)

Scharapowa

Starke Verteidigung

Laut BBC kann es bis drei Monate dauern, bis Maria Scharapowa das Urteil für ihr Dopingvergehen erfährt (wobei sie dieses anfechten kann). In Indian Wells erklärte ihr Manager Max Eisenbud derweil gemäss zuverlässiger Quelle, dass sie ihre Karriere abbrechen würde, sollte sie über ein Jahr gesperrt werden (möglich sind bis vier Jahre Sperre). Die Russin intensivierte ihre Verteidigungsstrategie. In einem langen Facebook-Eintrag kritisierte sie die komplizierte Art, auf die kommuniziert wurde, dass das Medikament Meldonium seit dem 1. Januar verboten ist. Und behauptet, sie habe es seit 2006 nur gemäss ärztlicher Vorschrift und tiefdosiert verwendet. Weiteren Support erhielt sie von ihrem Schlägerlieferanten Head, der der Welt-Anti-Doping-Agentur forsch riet, das Verbot zu überdenken. Derweil provozierte Altstar John McEnroe mit der Aussage, es sei doch selbstverständlich, dass Menschen alles tun würden, um sich einen Vorteil zu verschaffen – erst recht, wenn es legal sei. (rst)

Artikel zum Thema

Brilliante Bacsinszky, bissige Bencic

Timea Bacsinszky zieht im Express-Tempo in die 3. Runde von Indian Wells ein. Belinda Bencic hat mehr Mühe, gewinnt aber ebenfalls. Mehr...

Durststrecke von Timea Bacsinszky ist vorbei

Timea Bacsinszky ist am Australian Open eine Runde weiter: Sie entschied das Spiel gegen die Tschechin Katerina Siniakova mit 2:0 Sätzen für sich. Mehr...

«Ich hatte sogar Mühe aufzustehen»

Interview Timea Bacsinszky hat einen erstaunlichen Weg an die Spitze hinter sich. Dafür hat sich die 26-Jährige neu entdecken müssen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Kommentare

Blogs

Mamablog Wutanfälle sind so ... gesund

Geldblog Eine Million Cash abheben? Geht nicht!

Die Welt in Bildern

Winzig: Die Hand des Babyschimpansen Quebo (geboren am 6. Oktober 2019) im Zoo Basel. (13. November 2019)
(Bild: Georgios Kefalas) Mehr...