Tritt Federer nun zurück?

Nach seinem grandiosen Finalsieg über Rafael Nadal gab der Maestro in seiner Rede auf dem Court Rätsel auf.

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Es war ein Match für die Tennis-Historie. Und es passte, dass Rod Laver, der den Kalender-Grand-Slam einst zweimal gewann, Roger Federer die Siegertrophäe übergab. All die bitteren Niederlagen gegen Rafael Nadal machten diesen Fünfsatzsieg für Roger Federer umso süsser. Zumal er im Vergleich mit dem Spanier nach Major-Titeln nun 18 zu 14 führt. Ein beruhigendes Polster. Mit seiner Siegerrede gab der 35-Jährige aber Rätsel auf. Zuerst verstieg er sich zur Aussage, er wäre auch glücklich gewesen, wenn er den Final verloren hätte. Dann fügte er an: «Tennis ist ein harter Sport. Bei uns gibt es kein Unentschieden. Wenn es das gäbe, ich hätte heute Abend gerne eines akzeptiert.»

Nadal, der zuvor gesagt hatte, Federer habe sich den Sieg «ein bisschen mehr verdient als ich», liess die Rede des Schweizers mit versteinerter Miene über sich ergehen. Der 18-fache Major-Champion flehte seinen ewigen Rivalen dann auch noch an: «Bitte spiele weiter, Rafa, das Tennis braucht dich!» Der 30-Jährige dürfte nichts anderes vorhaben. Schliesslich hat er, nachdem er sich nach seiner Handgelenkverletzung zurückgekämpft und gerade wieder sein Topniveau erreicht hat, gute Aussichten in den nächsten Monaten. In Paris dürfte er, wenn ihn nicht eine weitere Verletzung zurückwirft, sogar der Topfavorit sein.

Die Highlights der Partie. Video: Tamedia/SRF.

«Wenn nicht?» Wieso wenn nicht?

Noch stutziger machte schliesslich diese Bemerkung Federers: «Ich hoffe, euch alle nächstes Jahr wieder zu sehen», sagte er zum Publikum. «Aber wenn nicht, dann war das eine wunderbare Sache. Ich könnte nicht glücklicher sein, heute Abend gewonnen zu haben.» Wenn nicht? Was will der Baselbieter damit andeuten? Auf den sozialen Medien wurde in den Minuten nach seinem grossen Sieg natürlich bereits rege diskutiert, was er damit andeuten wollte. Schwirrt bei Federer tatsächlich irgendwo im Hinterkopf herum, nach diesem grandiosen Erfolg zurückzutreten? Wohl erst die nächsten Tage und Wochen werden auf diese Frage eine Antwort geben. Vielleicht will Federer ja auch nur noch diese Saison spielen.

Der frühere Marathon-Europameister Viktor Röthlin hatte Federers Physiotherapeut Daniel Troxler vor dem Final im Scherz geschrieben, er solle dem Maestro im Falle eines Sieges den Rücktritt nahelegen – denn er halte Tenniskrimis wie jenen gegen Stan Wawrinka nicht mehr aus. Röthlin und Troxler kennen sich gut, sie arbeiteten früher zusammen. Klar ist: Ein perfekteres Skript als diesen Triumph könnte sich Federer wohl kaum ausdenken für einen Rücktritt auf dem Höhepunkt. Und solche kamen zuletzt in Mode. Zumindest bei den Frauen. Marion Bartoli beendete ihre Karriere mit dem Wimbledon-Sieg 2013. Flavia Pennetta verabschiedete sich mit dem US-Open-Titel 2015.

Ach ja, und da ist ja noch Pete Sampras, Federers früheres Idol. Der spielte nach seinem US-Open-Titel 2002 auch keinen Profimatch mehr. Sampras trat damals in New York als Nummer 17 der Setzliste an. Wie diesmal am Australian Open ein gewisser Roger Federer.

Erstellt: 29.01.2017, 14:28 Uhr

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