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Federer weint gemeinsam mit Chiudinelli

Marco Chiudinelli hat bei den Swiss Indoors in Basel gegen Haase sein letztes Einzel auf der ATP-Tour bestritten. Ein emotionaler Abschied.

René Stauffer
Lassen ihren Gefühlen freien Lauf: Roger Federer und Marco Chiudinelli. (Video: Tamedia/SRF)

Es sind bewegende Momente, nachdem der letzte Matchball gespielt ist, spät an diesem Montagabend. Marco Chiudinelli verneigt sich mehrmals vor den Zuschauern, winkt mit schweren Armen und ermattet immer wieder ins Publikum. Dieses hat sich zu einer stehenden Ovation erhoben, die einfach nicht enden will. Im Platz-Interview mit Heinz Günthardt ist der frühere Basel-Halbfinalist, ein Mitglied des Davis-Cup-Siegerteams von 2014 und einst die Nummer 52 der Welt, zuerst sprachlos. Doch dann sprudelt es doch aus ihm heraus. Wie viel es ihm bedeutet hat, noch einmal vor so vielen Leuten zu spielen. Wie viele Freunde da waren, wie emotionell alles war.

Lassen ihren Gefühlen freien Lauf: Roger Federer und Marco Chiudinelli. (23. Oktober 2017)
Lassen ihren Gefühlen freien Lauf: Roger Federer und Marco Chiudinelli. (23. Oktober 2017)
Georgios Kefalas, Keystone
Chiudinelli hat in seinem letzten Spiel gegen den Niederländer Robin Haase keine Chance. (23. Oktober 2017)
Chiudinelli hat in seinem letzten Spiel gegen den Niederländer Robin Haase keine Chance. (23. Oktober 2017)
Georgios Kefalas, Keystone
Tritt solid und abgeklärt auf: Robin Haase. (23. Oktober 2017)
Tritt solid und abgeklärt auf: Robin Haase. (23. Oktober 2017)
Georgios Kefalas, Keystone
Sind schon als Jugendliche zusammen auf dem Platz gestanden: Roger Federer und Marco Chiudinelli. (23. Oktober 2017)
Sind schon als Jugendliche zusammen auf dem Platz gestanden: Roger Federer und Marco Chiudinelli. (23. Oktober 2017)
Georgios Kefalas, Keystone
Die beiden feiern beim Davis Cup gemeinsame Erfolge. (19. September 2015)
Die beiden feiern beim Davis Cup gemeinsame Erfolge. (19. September 2015)
Salvatore Di Nolfi, Keystone
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Wo immer der 36-jährige Basler auch hinblickt, in jeder Ecke sieht er vertraute Gesichter. Die Eltern sind da, natürlich die Freundin, dazu viele Weggefährten aus der Tennisszene. Wie Michael Lammer, mit dem er im Doppel sein einziges ATP-Turnier gewann, wie Ivo Heuberger, Yves Allegro, Severin Lüthi und natürlich Roger Federer, mit seiner Frau und den Eltern. «Auch aus dem Ausland kamen viele Leute, aus Italien und Deutschland, und darüber bin ich glücklich», sagt er später. Tennis sei zwar ein Einzelsport, und trotzdem brauche es die Hilfe von vielen; von Trainern, Masseuren, Sponsoren, von Bespannern, Physiotherapeuten und, wie in seinem Fall, auch von Chirurgen. Seine Karriere war von drei Operationen überschattet. «Wenn einer mich betrunken operiert hätte, wäre ich wohl schon vor Jahren zurückgetreten», scherzt er.

Chiudinelli bewies noch einmal Kampfgeist und sorgte für Emotionen, als er im zweiten Satz beim Stand von 4:5 und Aufschlag Haase nach zuvor sechs verpassten Breakchancen doch noch das Break schaffte und sich in die Partie zurückkämpfte. Ein dritter Satz blieb dem im Ranking auf Position 366 abgerutschten Davis-Cup-Sieger von 2014 aber verwehrt, zu solid und abgeklärt trat Robin Haase im Tiebreak auf. Um 23.11 Uhr war es dann so weit, mit einem Ass verwertete Haase seinen ersten Matchball und beendete damit die Einzel-Karriere Chiudinellis. «Es war fantastisch, noch einmal vor so vielen Leuten zu spielen», sagte er im anschliessenden Interview, als er auch mit den Emotionen zu kämpfen hatte.

«Ein erstaunliches Gefühl»

Als Chiudinelli nach diesem 2:6, 6:7 gegen den Holländer Robin Haase – gegen den er in Basel schon einmal mit dem gleichen Resultat verloren hat – auf die Ehrenrunde geht, sich bei vielen Leuten am Spielfeldrand mit Handschlag oder Umarmungen bedankt, gehen die Emotionen noch höher. Auch Federer, sein bester Freund aus der Jugend, zückt das Handy, um zu fotografieren. Als sich die beiden schliesslich kurz umarmen, kann der 19-fache Grand-Slam-Sieger die Tränen nicht mehr zurückhalten.

«Ich wusste nicht, was mich erwartet», sagt Chiudinelli. «Es war ein erstaunliches Gefühl, stehende Ovationen zu erhalten. Das gab es in meiner Karriere nicht oft.» Über 30 persönliche Gäste habe er im Stadion gehabt, normalerweise seien es etwa vier. Die starken Gefühlsausbrüche, auch bei Federer, seien für ihn wie eine Anerkennung gewesen. «Er sagte schon vor zwei Tagen zu mir, das sei komisch, wenn er in Interviews lese, dass ich aufhöre.» Die grosse Anteilnahme habe ihm bestätigt, dass er «super Leute» um sich herum gehabt habe, auf allen Etappen. Das Tennis habe ihm Hunderte, ja Tausende von Erinnerungen beschert.

Chiudinelli hat selber auch immer wieder Tränen in den Augen, vor allem, als auf den Bildschirmen ein Rückblick auf seine Karriere eingespielt wird. Er wird zwar in Basel noch Doppel spielen und Ende Monat einen Interclub-Einsatz für den TC Paris absolvieren, aber für ihn ist klar: «Für mich ist dies heute das Ende.» Ein Ende, für das er wohl den richtigen Zeitpunkt gefunden hat.

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