Vom Karrierehoch ins Krankenbett

Die nächste Gegnerin von Viktorija Golubic am French Open blickt auf zwölf dramatische Monate zurück.

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Genau zwölf Monate ist es her, seit Lucie Safarova in Paris ihr Traumturnier gelang. Sie schlug in Roland Garros Maria Scharapowa, Ana Ivanovic und Garbiñe Muguruza und verlor erst im Final nach harter Gegenwehr und einem 3:6, 7:6, 2:6 gegen Serena Williams. Doch es schien, als ob das Schicksal all das Gute von ihr postwendend zurückverlangen würde. Im Sommer die Nummer 5 der Welt, fiel sie kurz danach mit einer Viruserkrankung monatelang aus, ihre Karriere war in der Schwebe. Für die 29-jährige Tschechin ist es nun schon ein Erfolg, dass sie in Paris überhaupt wieder dabei ist und nach einem klaren Startsieg in Runde 2 gegen die Zürcher Aufsteigerin Viktorija Golubic spielen darf.

Wie krank die schlagstarke Linkshänderin tatsächlich war, verriet sie nun dem amerikanischen Magazin «Sports Illustrated». Noch im Januar hätten ihr die Ärzte nicht versprechen wollen, dass sie je wieder laufen könne. «Alle meine Gelenke schmerzten. Ich konnte weder laufen noch schlafen noch Treppen steigen.» Sie litt konstant und brauchte bereits die Hilfe von Freunden und Familie, um vom Bett ins Wohnzimmer zu gelangen. Dazu kam die quälende Ungewissheit, ob sie je wieder Sport würde bestreiten können. «Ein Rheumatologe sagte, es könne eine Woche, einen Monat oder zehn Jahre dauern, bis es mir besser gehen würde.» Dabei habe sie sich ein Leben ohne Tennis schlicht nicht vorstellen können.

Fünf verschiedene Antibiotika

Die Probleme begannen kurz nach Roland Garros, wo sie zusammen mit Bethanie Mattek-Sands auch im Doppel das Endspiel erreicht und dieses auch gewonnen hatte. Im Spätsommer erlitt Safarova eine Bauchmuskelzerrung und verlor am US Open in Runde 1. Kurz darauf wurde sie mit einer bakteriellen Infektion in ein tschechisches Spital eingeliefert – schwach, verwirrt und an Schmerzen leidend. Doch die Ärzte taten sich schwer damit, eine Diagnose zu finden. Der Verdacht auf eine Borreliose bestätigte sich nicht. Die sanftmütige Frau mit den blauen Augen musste fünf verschiedene Antibiotika zu sich nehmen, ehe endlich die Lösung gefunden wurde: Penicillin. «Ich hatte nie zuvor Penicillin gehabt, das war ein grosser Vorteil», so Safarova.

Im Oktober kehrte sie für drei Turniere auf die Tour zurück, zumal sie sich für das WTA-Finale in Singapur qualifiziert hatte. Sie war aber noch nicht bereit, gewann nur eine von fünf Partien. «Ich versuchte, nicht darauf zu achten, aber mein Körper fühlte sich überhaupt nicht richtig an», gibt sie heute zu. Dann, eines Morgens im November, wachte sie mit einem dick geschwollenen Handgelenk auf, ohne dass etwas geschehen wäre.

Safarova litt an reaktiver Arthritis, einer Autoimmunerkrankung, die Schwellungen und Gelenkschmerzen auslöst. Selbst der Weg vom Bett zur Toilette wurde zur Qual. Während der Weihnachtszeit und im Januar, als ihre Kollegen das Australian Open bestritten, war sie zur Untätigkeit gezwungen. Sie überbrückte die Zeit mit dem Lesen von Büchern, schaute Filme und nahm ihr Psychologiestudium wieder auf.

Es droht der grosse Absturz

Dank guter Behandlung und hohen Dosen an entzündungshemmenden Medikamenten verschwanden die Schmerzen langsam, und Safarova konnte wieder ein leichtes Training aufnehmen. Sie hatte zwar ihre gesamte Fitness eingebüsst – aber nicht ihre Zuversicht. Ende Februar konnte sie in Doha auf die Tour zurückkehren, aber sie verlor ihre ersten fünf Partien allesamt. Den Trend wenden konnte sie danach in Prag, wo sie ihren 7. WTA-Titel gewann. Beim Fed-Cup-Halbfinal in Luzern gegen die Schweiz fehlte sie dann aber wieder; sie war noch nicht richtig bereit.

In Madrid und Rom konnte Safarova wieder jeweils nur eine Partie gewinnen. Umso mehr steht sie nun in Paris unter Druck: Sollte sie gegen Golubic verlieren, würde sie in der Weltrangliste vom 13. auf ungefähr den 28. Rang zurückfallen. Doch was bedeuten schon ein paar Ränge für jemanden, der vor wenigen Monaten nicht einmal wusste, ob er je wieder würde Tennis spielen können?

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Erstellt: 24.05.2016, 17:02 Uhr

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