Wand – Artist – Power

Was sind die grössten Stärken der US-Open-Titelanwärter? Klar, Wawrinkas Backhand-Longline hat es in sich. Aber auch die anderen drei verfügen über ein Arsenal.

Welchen Champion hättens gern? Djokovic, Cilic, Federer und Wawrinka sind von den 128 Spielern des Haupttableaus übrig geblieben.

Welchen Champion hättens gern? Djokovic, Cilic, Federer und Wawrinka sind von den 128 Spielern des Haupttableaus übrig geblieben. Bild: Keystone

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Novak Djokovic, die mobile Wand

So beweglich wie der Serbe ist kein Spieler auf der Tour, so konstant erst recht nicht. Die Leichtbau-Nummer-1 – Djokovic wiegt bei 1,88 m Grösse gerade einmal 78 kg – deckt den Platz besser ab als alle Konkurrenten. Das schlägt sich auch in der Returnbilanz nieder. Der US-Open-Favorit der Wettanbieter (Quote 1,9:1) gewann in dieser Saison gegen den Service des Gegners 32 Prozent aller Games. Und Djokovic ist ein Mann für die wichtigen Punkte, wehrte 69 Prozent der Breakbälle gegen sich ab, obwohl er nicht zu den stärksten Aufschlägern gehört. Auch bei der Verwertung von Breakchancen ist er mit einem Wert von 42 Prozent der Beste unter den vier New Yorker Halbfinalisten.

Roger Federer, der Artist

Leichtfüssig, virtuos, angriffig: Das sind drei Attribute, die den 17-fachen Major-Champion auszeichnen. Auf der ATP-Tour weisen nur die drei ausgewiesenen Aufschlagspezialisten Ivo Karlovic (2,11 m), John Isner (2,08 m) und Milos Raonic (1,96 m) eine bessere Service-Game-Bilanz auf als der 1,85 m grosse Federer (93 Prozent). Nach dem ersten Aufschlag ist er mit 80 Prozent gewonnenen Punkten die klare Nummer 1 unter den US-Open-Halbfinalisten. Auch nach dem zweiten Service gehört der Baselbieter zu den Erfolgreichsten (58 Prozent), der Allerbeste in dieser Statistik heisst aber: Djokovic (60 Prozent). Wenn Federer eine Schwäche hat, dann vielleicht die, dass sein Schlagrepertoire so gross ist, dass er eher danebengreifen kann als seine Rivalen.

Stan Wawrinka, der Druckvolle

«Wenn Stan so spielt, kann man nichts gegen ihn machen», sagte der frühere Weltranglistenerste Mats Wilander im Juni nach dem French-Open-Viertelfinal zwischen dem Romand und Jo-Wilfried Tsonga. Wawrinka gewann in der Folge bekanntlich den Titel. Und auch in New York gilt: Der einstige Zauderer hat die Waffen und das Selbstvertrauen, um jedem Spiel den Stempel aufdrücken zu können. Er verbindet Wucht und Akkuratesse. Sein Backhand-Longline ist selbst für den äusserst schwierig zu passierenden Djokovic eine gewaltige Bedrohung. Wawrinkas Formkurve, die nach Roland Garros wochenlang nach unten zeigte, kennt seit der Ankunft in New York nur noch eine Richtung: nach oben.

Marin Cilic, der Unbekümmerte

Sein Titelgewinn im vergangenen Jahr war eine Sensation, und das wäre ein Triumph auch diesmal wieder: Die Buchmacher zahlen für jeden auf Cilic gesetzten Franken im Erfolgsfall das 30-Fache zurück. Der Kroate hat zwar einen starken Aufschlag und eine gefürchtete Rückhand, wenn ihm gegen die übermächtig scheinende Konkurrenz aber eine Sache zugute kommen könnte, dann ist es die Unbekümmertheit. Cilics Bilanz gegen seinen Halbfinalgegner Djokovic? 0:13. Je länger eine Serie ist, desto grösser die Wahrscheinlichkeit, dass sie irgendwann einmal reisst. Und da sind noch die Erinnerungen ans letzte Jahr: Damals traf Marin Cilic in der vorletzten Runde auf Roger Federer und putzte ihn – als krasser Aussenseiter – mit 6:3, 6:4, 6:4 weg. (ak)

Erstellt: 11.09.2015, 12:52 Uhr

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