Was Federer tun muss, um auch Djokovic zu schlagen

Nach dem grandiosen Sieg über Rafael Nadal spielt Roger Federer um seinen neunten Wimbledon-Titel. Der bald 38-Jährige könnte für eine Premiere sorgen.

Die Höhepunkte der Partie zwischen Federer und Nadal. (Video: AP)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

In einem knappen Monat feiert Roger Federer seinen 38. Geburtstag. Zuvor hat er aber noch einen wichtigen Termin wahrzunehmen: Am Sonntag um 15 Uhr spielt er gegen Novak Djokovic um seine neunte Wimbledon-Krone. Und seinen 21. Grand-Slam-Titel. Man sagt ja oft als Kompliment, das Alter sei jemandem nicht anzusehen. Es ist nicht immer ganz ehrlich. Aber wer Federer beim Tennisspielen zuschaut, würde nie ahnen, dass er geboren wurde, bevor Helmut Kohl 1982 deutscher Bundeskanzler wurde.

In der spektakulären Neuauflage ihres Wimbledon-Klassikers von 2008 zeigten Federer und Rafael Nadal im Halbfinal grosses Tennis von höchster Intensität. Der Spanier schlägt so hart auf den Ball ein wie noch nie, um nicht mehr so viele lange Ballwechsel spielen zu müssen. Federer ist ohnehin ein Angriffsspieler und tritt seit seiner Rückkehr 2017 nach seiner sechsmonatigen Pause noch konsequenter offensiv auf. Diese Spielweise trug ihn nun auch zum Viersatz-Sieg in diesem Tennis-Krimi.

Nadal war einst der Mann, der Federer nach seinen idyllischen Jahren der Dominanz bremste, seine Schwäche auf der Rückhandseite konsequent bearbeitete und ihm die schmerzhaftesten Niederlagen zufügte. Wie eben 2008 im Wimbledon-Final. Wie der Schweizer nun die Rivalität verändert hat gegen den Linkshänder mit der überrissenen Topspin-Vorhand, ist etwas vom Bemerkenswertesten in seiner reichen Karriere. In Wimbledon gewann er das sechste Duell gegen Nadal in Serie ausserhalb von Paris.

Er lässt sich nicht mehr zurückdrängen

Weil er die Rückhand inzwischen viel angriffiger spielt, praktisch als Halbvolley, lässt er sich auf seiner vermeintlich schwachen Seite nicht mehr zurückdrängen. Das zeichnet Federer aus: Er ist einer, der nicht in Problemen denkt, sondern in Lösungen. Und der auch immer wieder bereit ist, sich zu hinterfragen. So kehrte er in dieser Saison erstmals nach vier Jahren nach Roland Garros zurück, um seinen Körper in Schwung zu halten. Ein weiser Entscheid, wie wir nun wissen. Auch die Niederlage in Nadals Reich schadete seinem Selbstvertrauen nicht. Er konnte sie realistisch einschätzen.

Und an seinem Lieblingsturnier sorgt Federer gegen den Spanier nun wieder für magische Momente. Wie er den Ball um den Netzpfosten herumzirkelte oder beim Volley kontrollierte, obschon ihn Nadal auf der Kurzdistanz auf ihn zuwuchtete, sorgte für ungläubiges Staunen. Das waren «Federer-Momente», wie sie der verstorbene US-Schriftsteller David Foster Wallace einst schwärmerisch beschrieb. Die These sei sogar gewagt: Dieser Federer hätte jenen geschlagen, der 2003 mit Pferdeschwanz und zarten 21 erstmals Wimbledon gewann.

Mit bald 38 könnte er nun für eine Premiere sorgen: Nämlich, dass er an einem Grand-Slam-Turnier nacheinander seine grössten Rivalen schlägt. Sein letzter Major-Finalsieg über Djokovic liegt bereits zwölf Jahre zurück – am US Open 2007 schlug er ihn in drei umkämpften Sätzen. Es ist eine Ewigkeit her. Doch wenn Federer gegen den Serben so angriffig spielt wie gegen Nadal, kann er auch gegen ihn die Zeit zurückdrehen.

Erstellt: 13.07.2019, 10:26 Uhr

Artikel zum Thema

Federer ringt Nadal in vier Sätzen nieder

Video Roger Federer gelingt in Wimbledon die Revanche für die Halbfinal-Niederlage in Paris: Er schlägt Rafael Nadal und trifft im Final auf Novak Djokovic. Mehr...

Promi-Auflauf in der Royal Box

Wenn sich die besten Tennisspieler der Welt duellieren, zieht das Grössen aus Sport und Showbusiness an. So auch in Wimbledon. Mehr...

Diese Asse bringen Federer den nächsten Rekord

Video Im ersten Satz des Wimbledon-Halbfinals gegen Rafael Nadal übertrifft Roger Federer eine Bestmarke von Goran Ivanisevic. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Kommentare

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Die Welt in Bildern

Fast wie auf der Titanic: Ein Liebespaar betrachtet die untergehende Sonne im untergehenden Venedig (17. November 2019).
(Bild: Luca Bruno) Mehr...