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«Was Serena schafft, will ich auch»

Die fünffache Wimbledon-Siegerin Venus Williams, in Zürich erstmals seit 2004 dabei, über die Rivalität mit ihrer Schwester, die Langlebigkeit ihrer Karriere und Federer.

«Schauen Sie: Ich habe heute immer noch keine Falten»: Venus Williams, Zürich-Siegerin 1999, vor ihrem ersten Einsatz.
«Schauen Sie: Ich habe heute immer noch keine Falten»: Venus Williams, Zürich-Siegerin 1999, vor ihrem ersten Einsatz.
Dominique Meienberg

Venus Williams, als wir hier in Zürich vor 9 Jahren ein Interview mit Ihnen führten . . . . . . (schaut sich den Zeitungsausschnitt an) Jööö, die kleine V.

. . . fragten wir Sie, wie lange Sie wohl Tennis spielen würden. Sie sagten: Vielleicht bis 26. Jetzt sind Sie schon 28.(lacht) Okay, da habe ich mich wohl getäuscht. Ach nein, ich glaube, Sie haben es falsch aufgeschrieben. Ich meinte bis 36. Das Foto von mir ist süss. Schauen Sie: Ich habe heute immer noch keine Falten.

Die Karrieren der Spielerinnen werden immer kürzer, Sie trotzen diesem Trend.Serena und ich klatschen immer gegenseitig ab und sagen: Jawoll, noch 10 Jahre.

Sie geniessen das Tour-Leben immer noch?Ich geniesse mein Leben, ja. Ich bin mir bewusst, dass ich viel Glück habe. Ich lebe ein Leben, von dem viele andere Frauen träumen. Es ist meine Verantwortung, diesen Traum für andere zu leben.

Sind Sie überrascht, dass Sie Ihr Niveau über eine so lange Zeit halten konnten?Viel hängt mit dem Kopf zusammen. Mir gefällt mein Job. Und ich hatte wirklich Glück, dass ich von schweren Verletzungen verschont blieb.

Wie wichtig ist das Tennis jetzt noch für Sie?Sehr wichtig. Wenn ich aufwache, ist es das Erste, woran ich denke. Ich habe das Gefühl, dass ich das Tennis sogar je länger, desto mehr liebe. Weil ich das Ganze besser verstehe und bewusster wahrnehme.

Sie sind bekannt dafür, dass Sie neben dem Tennis noch viele andere Dinge tun. Sie sind Designerin, absolvieren eine Schule. Ist das Ihr Geheimnis, Ihre Freude zu bewahren Eigentlich habe ich nun eine neue Strategie: Ich versuche, neben dem Tennis weniger Dinge zu tun. Mir Zeit zu nehmen, mich zu entspannen. Langweilig wird mir sicher nicht. Ich bin ja auch noch im Spielerrat der WTA-Tour.

Wie würden Sie Ihre Aktivitäten neben dem Tennis beschreiben?Da ist zuerst mein Modedesign mit meiner Firma EleVen. Mit der Schule habe ich abgeschlossen. Kürzlich begann ich mit Wasserfarben zu malen, um Drucke für meine Kollektion zu entwerfen. Am zweiten Tag hatte ich genug. Dann kam ich nach Stuttgart und dachte: Oh, so viele schöne Dinge, die möchte ich malen. Aber ich hatte meine Wasserfarben nicht dabei. Wenn ich zurück in den USA bin, fang ich wieder damit an. Ich probiere immer wieder neue Dinge.

Sie und Ihre Schwester Serena sind sich sehr nahe. Hat sich Ihre Beziehung mit den Jahren verändert?Nicht wirklich. Wenn wir zusammen sind, scherzen wir die ganze Zeit. Ich fühle mich sehr wohl mit ihr.

Treibt Sie die Rivalität mit ihr an?Absolut. Serena hat Anfang Jahr sehr hart gearbeitet. Als ich sie so sah, dachte ich: Oh mein Gott, jetzt muss ich auch wieder mehr tun. Und als sie wieder die Nummer 1 wurde, nahm ich mir das auch vor. Was Serena schafft, will ich auch.

Dann treten Sie auch mal gemeinsam zurück?Ich wäre sehr traurig, wenn sie aufhören würde. Ja, wir müssten es wohl gleichzeitig tun. Aber das hat noch Zeit.

Ihr Freund Hank Kuehne ist Golfprofi. Haben Sie es auch schon mit Golf versucht?Nein, ich will mich nicht verletzen. Ich könnte eine dumme Bewegung machen. Vielleicht trifft mich ein Ball. Nein, das lasse ich lieber sein. Mein Vater spielt Golf, aber er entschied sich, uns Tennis beizubringen und nicht Golf. Zum Glück. Denn ich liebe den Zweikampf im Tennis. Im Golf kämpft man vor allem gegen sich selbst.

Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Jahr?Ich hatte eine grossartige Saison. Mein 5. Wimbledon-Sieg war fantastisch, auch die Doppeltitel in Wimbledon und Peking. Das Olympiagold im Doppel war seit 4 Jahren eines unserer grossen Ziele gewesen.

In der Schweiz hört man Stimmen, die sagen, olympisches Doppelgold sei unwichtig.Wer das sagt, ist ein Narr. Für mich ist es der ultimative Traum.

Ihre Karriere wird durch Wimbledon definiert. Sie haben da fünf Ihrer sieben Major-Titel gewonnen. Wie erklären Sie sich das?Das ist nicht zu erklären. Es ist Magie. Immer, wenn ich nach Wimbledon komme, spiele ich besser. Meine Beine sind plötzlich schneller. Ich versuche, mein Wimbledon-Spiel an andere Orte zu transportieren. Aber es klappt noch nicht so gut. (lacht)

Federer sagt, er würde keinen Wimbledon-Titel gegen einen andern tauschen. Und Sie?Ich auch nicht. Wenn ich zwischen einem sechsten Wimbledon-Sieg und einem dritten am US Open wählen könnte, würde ich Wimbledon nehmen. Keine Frage.

Wie ist Ihre Beziehung zu Roger Federer?Sie beschränkt sich auf unsere gemeinsamen Champion’s Dinner in Wimbledon (05/07). Wir kennen uns nicht so gut, er hat mich noch nie angerufen. Aber natürlich ist er eine beeindruckende Persönlichkeit.

Verfolgten Sie seine Saison? Hatten Sie auch das Gefühl, er sei in einem Tief?Von Tief würde ich nicht sprechen. Aber ich denke, dass er nicht so gesund war, wie er gerne gewesen wäre. Dennoch spielte er immer noch grossartig. Er beklagte sich nicht und spielte weiter, obwohl er im Innersten wusste, dass er sich nicht so gut fühlte. Ich war auch schon in einer ähnlichen Situation. Niemand wusste, was in meinem Leben geschah, aber ich wollte es einfach versuchen.

Im Interview vor neun Jahren fragten wir, ob Tennis das Wichtigste in Ihrem Leben sei. Sie sagten: Nein, die Familie, Gott und das Glücklichsein sind wichtiger. Würden Sie das heute noch unterschreiben?Absolut. Auch wenn ich jeden Match verlieren würde, so lange ich glücklich bin, ist alles okay. Und was nützt es mir, wenn mir die Welt gehört, wenn ich unglücklich bin?

Bereuen Sie etwas, wenn Sie auf Ihre Karriere zurückblicken?Vielleicht denke ich mal über diese Frage nach, wenn ich aufgehört habe. Aber ich bin immer noch voll dabei und habe noch viele Möglichkeiten, grosse Siege zu feiern. Meistens habe ich mein Bestes versucht. Nur wenn ich das nicht getan hätte, würde ich mir Vorwürfe machen.

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