Wawrinkas Magie verblasst gegen Zverev

Der dreifache Grand-Slam-Sieger muss sich Deutschlands Nummer 1 beugen, die erstmals im Halbfinal steht.

Wawrinka unterliegt Zverev in vier Sätzen (Quelle: SRF)

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Am Tag nach Roger Federers sieben abgewehrten Matchbällen gegen Tennys Sandgren und dem Vorstoss in die Halbfinals des Australian Open gab es für Stan Wawrinka kein Happy-end. Nach einem grossartigen Startsatz spielte er zu fehlerhaft gegen Alexander Zverev, der mit 1:6, 6:3, 6:4, 6:2 auch die dritte Partie gegen den Westschweizer gewann und nach 2:20 Stunden seinen ersten Grand-Slam-Halbfinal erreichte. Dort spielt er gegen den Sieger des letzten Viertelfinals, den in der Abendsession Dominic Thiem und Rafael Nadal bestreiten.

«Ich konnte diese Barriere noch nie brechen, deshalb bin ich froh, dass ich es geschafft habe. Ich weiss nicht, was ich sagen soll», sagte Zverev. «Ihr könnte euch nicht vorstellen, was das für mich bedeutet. Ich hoffe, das ist der erste von vielen Halbfinals.» Und er verteidigte auch die Zusammenarbeit mit seinem Vater Alexander, die von vielen Seiten immer wieder kritisiert wird.

Wawrinka hatte nach der Partie kein Problem, Zverevs Überlegenheit zu anerkennen. «Ich merkte, dass er am Anfang etwas nervös war. Doch dann wurde er solider, und ich musste mehr überlegen, was ich tun sollte», sagte er. «Ich bewegte mich nicht so gut, machte einige Fehler und wurde etwas zögerlich. Dadurch kam er in die Partie zurück. Aber er spielte und servierte auch sehr gut.»

Angesichts seiner gesundheitlichen Probleme der ersten Turnierwoche sei er sehr glücklich über diesen Viertelfinal, seinen 18. an einem Majorturnier. «Die erste Woche war sehr kompliziert, und vielleicht habe ich auch deshalb körperlich nachgelassen, fehlte mir deshalb etwas die Energie. Ich war schon müde, und überall habe ich kleine Wehwehchen.» Insgesamt sei dies ein sehr positives Turnier gewesen: «Das gibt mir für die neue Saison gute Gefühle.» Nächste Turnierstationen sind für Wawrinka Montpellier, Rotterdam, Acapulco und Indian Wells.

Ungewohnt fehlerhaft

Entgegen der Weltrangliste hatte sich der 34-jährige Wawrinka gute Siegeschancen ausrechnen können. Auf Grand-Slam-Stufe ist er im Gegensatz zu Zverev ein erfahrener Routinier, ihm lagen diese Turniere bisher viel besser als Zverev. Der Lausanner liess aber im Viertelfinal die Präzision, Konzentration und Aufschlagstärke vermissen, mit der er zuvor Daniil Medwedew eliminiert hatte, einen der grossen Favoriten und die Weltnummer 4. Er fand in der ersten Partie gegen Zverev seit fast drei Jahren je länger desto weniger ein Mittel, um die starke Defensive des Hamburgers zu brechen, der weit hinter der Grundlinie spielte.

Wawrinka hätte mit einem Sieg einen grossen Sprung in der Weltrangliste gemacht. Von Rang 15 auf 13 hat er sich schon verbessert. Hätte er Zverev geschlagen, wäre er nach Melbourne bereits wieder in den Top 10 gestanden. Er und Federer haben bisher dreimal gemeinsam die Halbfinals eines Grand-Slam-Turniers erreicht: 2014 in Melbourne, wo Wawrinka den Titel holte, 2015 am US Open (Sieger Djokovic) und vor drei Jahren am Australian Open, wo Federer nach Wawrinka auch Nadal schlug und den Titel holte.

Für einen guten Zweck

Zverev hatte angekündigt, sein ganzes Preisgeld den Opfern der Buschbrände zu spenden, sollte er den Titel gewinnen – brutto wären das 2,7 Mio Franken. Nun trennen ihn nur noch zwei Erfolge von diesem Szenario. Im Halbfinal am Freitag ist er aber sowohl gegen Nadal (1:5) als auch gegen Thiem (2:6) der Aussenseiter. 10'000 Dollar würde er pro Sieg ohnehin spenden (bisher sind es fünf), und er würde auch sein Versprechen halten, sollte es tatsächlich geschehen, versicherte er an diesem Tag John McEnroe noch einmal.

Erstellt: 29.01.2020, 04:22 Uhr

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