Wawrinka erkämpft sich das Schweizer Duell hart

Der Romand gewinnt am French Open gegen Stefanos Tsitsipas die längste Partie seiner Karriere. Nun trifft er im Viertelfinal auf Roger Federer.

Nach fünf Stunden und neun Minuten verwertet Stan Wawrinka seinen zweiten Matchball: Der Romand setzt sich im Achtelfinal gegen Stefanos Tsitsipas durch. (Video: SRF)

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Viel unterschiedlicher hätten die Achtelfinals der beiden Schweizer nicht sein können. Auf der einen Seite – auf dem Court Philippe Chatrier – Federer, der auch bei seinem vierten Auftritt in diesem Jahr ungefährdet blieb und ein weiteres Mal ohne Satzverlust mit 6:2, 6:3, 6:3 gewann.

Auf der anderen Seite – im zweitgrössten Stadion Suzanne-Lenglen – Wawrinka, der sich fünf Stunden und neun Minuten abmühen und unzählige heikle Situation überstehen musste, bevor das 7:6 (8:6), 5:7, 6:4, 3:6, 8:6 gegen den Weltranglisten-Sechsten feststand.

Wawrinka hat wieder einmal Grosses vollbracht. Fast zwei Jahre Jahre nach seinen Knieoperationen steht er bei einem Grand Slam wieder im Viertelfinal und hat sich dank seinen Leistungen in der ersten Pariser Woche wieder in den Kreis der Siegesanwärter gespielt. Der Weg zu einem allfälligen vierten Major-Titel ist allerdings noch sehr weit. Der 34-Jährige müsste Federer schlagen und dann – nach Papierform - Rafael Nadal und Novak Djokovic.

In wichtigsten Momenten am Stärksten

Auszuschliessen ist nach den jüngsten Leistungen aber nichts mehr. Wawrinka zeigte in einem Kampf der Superlative gegen Tsitsipas alles, was man braucht, um die grössten Turniere zu gewinnen: die spielerischen Qualitäten, der starke Service, den Kampfgeist und die nervliche Belastbarkeit. Im ersten Satz gewann er zum vierten Mal in Folge einen Tiebreak. Bis er später seinen ersten Umgang abgab, wehrte er sieben Satzbälle ab. Schon gegen Grigor Dimitrov hatte er in den wichtigsten Moment am stärksten gespielt.

Trotz der Hitze und der Müdigkeit war er auch im Entscheidungssatz bereit, als es am meisten zählte. Obwohl er spielerisch nicht mehr ganz mit Tsitsipas mithalten konnte und bei eigenem Service regelmässig unter Druck geriet, triumphierte er am Ende. Er wehrte acht Breakbälle ab, drei davon bei 5:5, bevor er seinen zweiten Matchball nutzte und die längste Partie seiner Karriere zu einem glücklichen Ende brachte. «Solche Fünfsätzer in einer solchen Atmosphäre sind der Hauptgrund, weshalb ich nach den Operationen zurückgekommen bin», sagte Wawrinka.

Selten noch hatte die typische Geste des 34-Jährigen, den Zeigefinger an die Schläfe zu drücken, so gut gepasst wie nach diesem verrückten Achtelfinal. Im fünften Satz hatte der ebenfalls bemerkenswert kämpfende Tsitsipas die Vorteile scheinbar auf seiner Seite. Doch der Lausanner schlug im richtigen Moment zu. Dass er 22 der 27 Breakchancen abwehrte und einen Punkt weniger machte als der Athener, beweist, dass er die Begegnung nicht zuletzt mit dem Kopf gewonnen hat. «Ich stand so nahe am Sieg, ich hatte so viele Möglichkeiten», lamentierte Tsitsipas verständlicherweise.

Vorteile liegen bei Federer

Anders als Wawrinka marschierte Federer in seinem ersten Roland Garros seit 2015 mit einer Selbstverständlichkeit in die Runde der letzten acht, dass vergessen werden könnte, wie aussergewöhnlich ein Grand-Slam-Viertelfinal für einen 37-Jährigen ist. Letztmals stiess 1971 ein älterer Spieler als Federer in Paris so weit vor.

Ob der Vorteil, ohne grossen Kraftaufwand die ersten Runden überstanden zu haben, oder der Nachteil, bislang nicht gefordert worden zu sein, stärker ins Gewicht fällt, wird sich am Dienstag im Viertelfinal zeigen. Gegen Wawrinka hat er 22 von 25 Begegnungen gewonnen, allerdings alle drei Niederlagen auf Sand bezogen, die letzte vor vier Jahren im Viertelfinal des French Open als Wawrinka später den Titel gewann. (ddu/sda)

Erstellt: 02.06.2019, 15:53 Uhr

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