Whistleblower, Handy-Detox und Grande Azzurri

Ein etwas anderer Rückblick aufs US Open 2019 in 19 Episoden. Was Trudeau freut, Federer so richtig nervt, sich Dimitrov wünscht und Townsend vormacht.

Ach US Open, wo sollen wir nur anfangen? Das Turnier bot einige grossartige Momente.

Ach US Open, wo sollen wir nur anfangen? Das Turnier bot einige grossartige Momente. Bild: Keystone

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1. Tennisnation Kanada
Kanada ist nicht nur eine Eishockey-, sondern auch eine Tennisnation. Bianca Andreescu verblüffte mit ihrem Triumph, auch Denis Shapovalov und Felix Auger-Aliassime haben eine gute Zukunft. Was sie gemein haben: Alle sind Kinder von Einwanderern. Das freut Premier Justin Trudeau, der den Multikulturalismus propagiert.

2. Angriffige Amerikanerin
Netzspiel und Aufschlag-Volley sind immer noch gute Taktiken, wenn man sie beherrscht: Taylor Townsend stürmte gegen Wimbledon-Champion Simona Halep 106-mal ans Netz – und siegte.

Stürmte ans Netz. Immer wieder. Und schlug die Wimbledon-Siegerin: Taylor Townsend. (Bild: Keystone)

3. Dimitrovs Erkenntnis
Federer-Bezwinger Grigor Dimitrov sagte etwas ­Kluges über die nächste Generation: «Die Jungen sollten mit niemandem verglichen werden. Sie sollten mehr Luft haben zum Atmen und viel mehr Zeit, sich zuerst einmal zu finden. Ich habe das auf die harte Weise herausfinden müssen.»

4. Unbeliebte Flüsterer
Nick Kyrgios hat einen neuen Begriff eingeführt im ­Tennis: Whistleblower. Als solche bezeichnete er die Linienrichterin, die dem Schiedsrichter meldete, dass er sie beschimpft hatte.

Ärgerte sich über die Linienrichter und scheiterte an Andrej Rublew: Nick Kyrgios. (Bild: Keystone)

5. Verpasste Chance
Es wäre sehr reizvoll gewesen, einen Final zwischen Belinda Bencic und Serena Williams zu erleben. Die Chancen wären gut gestanden für die Ostschweizerin.

6. Djokovic am Limit
Die Schulterprobleme von Novak Djokovic und seine Aufgabe gegen Stan Wawrinka zeigen, dass sich auch der Serbe körperlich am ­Limit bewegt. Am Australian Open, das er schon siebenmal ­gewonnen hat, ist er aber wieder in Top-Form zu erwarten.

Musste gegen Stan Wawrinka aufgeben: Vorjahressieger Novak Djokovic. (Bild: Keystone)

7. Grande Azzurri
Die Italiener scheinen ­etwas richtig zu machen im Tennis: Matteo Berrettini stand im US-Open-Halb­final, die Azzurri haben sieben Spieler in den Top 100. Und im 18-jährigen Südtiroler Jannik Sinner ein grosses Talent.

8. Federers Fehler
Auch Roger Federer kann mit seinen 38 immer noch etwas lernen: dass es sich nicht empfiehlt, sich bei Rückenschmerzen abseits des Courts behandeln und den Körper kalt werden zu lassen. Danach war er im fünften Satz gegen ­Dimitrov nur noch ein Schatten.

9. Wawrinkas Aussichten
Wenn Stan Wawrinka auf diesem Weg weiterfährt, wird am Australian Open mit ihm zu rechnen sein. Zumal er zurück ist in den Top 20 und er sich so in Melbourne in den ersten ­Runden gegen ­Ungesetzte warmspielen kann.

10. Osakas Fairplay
Naomi Osaka gewann ­erneut einen Titel: den Fairplay-Award. Wegen der Geste, Coco Gauff zum Siegerinterview auf dem Court mitzunehmen. Allerdings empfiehlt es sich nicht, das beliebig nachzuahmen. Die meisten Verlierer dürften pikiert reagieren.

Bekam Trost von der Titelverteidigerin: Wunderkind Coco Gauff. (Bild: Keystone)

11. Reife Teenagerin
Apropos Gauff: In Wimbledon als Qualifikantin im Achtelfinal und gross gefeiert, am US Open immerhin in Runde 3. Für ihre 15 zeigt die Amerikanerin schon eine erstaunliche Reife. Doch jene, die schon jetzt sagen, sie könne einmal den Rekord nach Grand-Slam-Titeln brechen, tun ihr keinen Gefallen.

12. Handy-Detox
Stefanos Tsitsipas ist seit der epischen Achtelfinal-Niederlage in Paris gegen Stan Wawrinka in eine Krise gerutscht. Seitdem hat er fünfmal in der ersten Runde verloren, auch in Wimbledon und am US Open. Seine Massnahme: Er nimmt eine Pause von den sozialen Medien (#SocialMediaDetox). Mal schauen, wie lange er durchhält.

13. Europäische Dominanz
Stammen die vier Grand-Slam-Siegerinnen dieses Jahres aus unterschiedlichen Kontinenten – aus Asien, Ozeanien, Europa und Nordamerika –, geht bei den Männern die europäische Dominanz weiter: Zum 40. Mal in Serie triumphierte an einem Major ein Spieler vom Alten ­ Kontinent. Der letzte Aussereuropäer war Juan Martin Del Potro am US Open 2009.

14. Federers Ärger
So verärgert wie nach dem Evans-Match, als ihn ein britischer Journalist fragte, ob er die frühe Startzeit verlangt habe, sah man Federer lange nicht mehr. Der Diskurs der Bevorzugung geht ihm gehörig auf die Nerven.

15. Scharapowas Niedergang
Maria Scharapowa ist in den USA immer noch präsent als Werbeträgerin für französisches Mineralwasser. Auf dem Court dagegen weniger. In der Startrunde gegen Serena Williams holte sie nur zwei Games. War dies ihr Abschied vom US Open?

16. Nadals Vergehen
2018 mit grossem Brimborium eingeführt und kontrovers diskutiert, war die «Shot Clock» in diesem Jahr kein Thema mehr – bis zum letzten Match, als Rafael Nadal immer wieder die 25 Sekunden vor dem ersten Aufschlag überschritt, mehrmals verwarnt wurde und deswegen im dritten Satz zweimal den Aufschlag verlor.

Ärger mit der Shot Clock: Rafael Nadal. (Bild: Keystone)

17. Vermisster Federer
Die «New York Post» schrieb nach dem Aus Federers: «Wenn er das nächste Jahr noch spielt, sollte es das letzte Mal sein. Niemand will diesen Tennis-Artisten mit 40 noch hier rumhängen sehen.» Niemand? Der Wiederverkaufswert der Halbfinal- und Finaltickets rasselte nach seiner Niederlage in den Keller.

18. Mangelhafter Streamingdienst
Amazon Prime drängt zusehends ins Tennis, hält in Grossbritannien die Exklusivrechte fürs US Open. Doch der Live­stream stoppte immer wieder. ­ Erstaunlich, dass es Amazon ­immer noch nicht hinkriegt.

19. Sorry!
Gibt es etwas Kanadischeres, als sich nach dem Finalsieg zu entschuldigen wie Andreescu? Es war smart. Anders als Osaka 2018 wurde sie bei der Siegerehrung nicht ausgepfiffen.

Erstellt: 09.09.2019, 13:28 Uhr

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