Wie ein donnernder Güterzug

Stan Wawrinka glänzt am French Open auch in seiner fünften Partie und kämpft morgen gegen Andy Murray um einen Platz im Endspiel.

Jubel nach einem Viertelfinal-Sieg im Schnelldurchlauf: Wawrinka bezwang Ramos-Viñolas in nicht einmal 2 Stunden. Foto: Keystone

Jubel nach einem Viertelfinal-Sieg im Schnelldurchlauf: Wawrinka bezwang Ramos-Viñolas in nicht einmal 2 Stunden. Foto: Keystone

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Stan Wawrinka hat auch schon andere Grand-Slam-Turniere erlebt. Vor zwei Jahren in Wimbledon musste er drei Partien ­innerhalb von drei Tagen bestreiten – am Ende gingen ihm im Viertelfinal gegen Roger Federer die Kräfte aus. In Paris steht er diese Woche nun aber auf der Sonnenseite eines Turniers, bei dem der Regen das Programm massiv durcheinandergebracht hat – und auch Novak Djokovic in eine unangenehme Lage.

Während in der oberen Tableauhälfte die Viertelfinalisten erst gestern bekannt wurden, kämpfte sich Wawrinka mit seinem bisher schnellsten Sieg des Turniers schon in die Halbfinals. «Zweieinhalb Sätze spielte ich auf einem enorm hohen Niveau. Deshalb bin ich umso glücklicher, wieder so weit gekommen zu sein», sagte der Titelverteidiger nach dem 6:2, 6:1, 7:6 (9:7) gegen Albert Ramos-Viñolas, das ihn 1:56 Stunden beschäftigte. Er kann nach einem weiteren Ruhetag frisch in seinen sechsten Grand-Slam-Halbfinal steigen, in dem er wie ­erwartet auf Andy Murray trifft. Der Schotte eliminierte Richard Gasquet, den letzten Franzosen, 5:7, 7:6, 6:0, 6:2.

Djokovic mit Stressprogramm

Die beiden Halbfinalisten wurden vom schlechten Wetter praktisch nicht tangiert – abgesehen davon, dass ihre Viertelfinals um einen Tag verschoben wurden und sie am Dienstag indoors trainieren mussten. Ungleich härter traf es Djokovic, für den sich der Weg in den ­Final deutlich komplizierter gestaltet. Am Dienstag war er von neun Uhr morgens bis acht Uhr abends auf der Anlage – für zwei Stunden Spiel. Erst gestern konnte er die Hängepartie gegen Bautista Agut beenden. Zwar zeigte sich die Sonne weiterhin nicht und blieben die Temperaturen im herbstlichen Bereich, immerhin konnte aber ohne weitere Verzögerungen gespielt werden.

Djokovic steht schon heute gegen ­Tomas Berdych wieder im Einsatz – mit der Aussicht, im Falle eines Sieges morgen den Halbfinal (gegen Thiem oder Goffin) zu bestreiten. Und noch ­immer hält sich die Schlechtwetterfront über Paris; allerdings sollen die grössten ­Regenfälle vorbei sein. Der Serbe begegnet den meteorologischen Kalamitäten aber mit einer bewundernswerten ­Gelassenheit. Er akzeptiert diese Situation als mentale Herausforderung.

Im Gegensatz zu seinem letztjährigen Finalgegner, der in Paris noch nie gewann, kann Wawrinka das French Open schon jetzt wieder als Erfolg betrachten. Er hat seinen Platz in den Top 5 verteidigt und angesichts seiner Baisse in ­Madrid und Rom, wo er nur eine Partie gewann, die Erwartungen übertroffen. Das macht ihn nun noch gefährlicher.

Die Frage sei berechtigt, warum er an Grand Slams klar erfolgreicher ist als ­anderswo, sagte er. «Aber je weiter ich komme, desto besser fühle ich mich, desto grösser ist mein Vertrauen, desto mehr Zeit habe ich, um kleine Fehler auszumerzen», beantwortete er sie. ­Zudem spüre er an diesem French Open weniger Druck als früher. Die Tatsache, es gewonnen zu haben, empfindet er als befreiend. Es ist längst kein Geheimnis mehr: Einmal in Schwung, erinnert der Romand an einen donnernden Güterzug, ist er nur noch sehr schwer zu stoppen, macht er Druck aus allen Lagen. Das musste auch ­Ramos-Viñolas erkennen, dem die langsamen Bedingungen nicht halfen. «Wawrinka hat so viel Power, gegen ihn gibt es keine lang­samen Bälle», sagte er ernüchtert.

«Murray ist Lichtjahre vor mir»

Der Lausanner liegt im Duell mit Murray – wie er ein zweifacher Grand-Slam-Champion – 7:8 zurück, hat aber die letzten drei Partien gewonnen; 2013 in Monte Carlo und am US Open sowie im vergangenen November am ATP-Finale in ­London. Trotzdem stellte er den Olympiasieger in der Hierarchie einmal mehr deutlich über sich: Er gehöre zu den Big 4 (neben Federer, Nadal und Djokovic) und «ist Lichtjahre vor mir», sagte er. Denn Murray spiele seit vielen Jahren konstant an der Spitze, habe schon viel mehr erreicht als er – was auch stimmt.

In ­Roland Garros steht Murray bereits zum vierten Mal in den Halb­finals – das Endspiel hat er ­allerdings ­immer verpasst. «Wir haben schon eine Weile nicht mehr gegeneinander gespielt. Es dürfte extrem schwierig werden», sagte der Schotte. An Grand Slams steht es zwischen den beiden 2:2, in Paris duellieren sie sich zum ersten Mal. «Er hat auf Sand grosse Fortschritte gemacht, gewann Rom und stand in Monte Carlo im Halbfinal», sagte Wawrinka über Murray. Dennoch freue er sich darauf, wieder einmal auf ihn zu treffen. «Das wird eine grosse Herausforderung und dürfte einen interessanten Halbfinal ­geben.» Es klang wie eine Kampfansage.

Erstellt: 01.06.2016, 23:15 Uhr

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