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Wieder fünf Sätze! Kommt das gut mit Federer?

1:2 Sätze hinten, Zitterarm beim Aufschlag zum Satzausgleich: Der Schweizer lässt am US Open Fragen aufkommen.

Erschöpft, erleichert: Roger Federer nach seinem zweiten Fünfsatzsieg.(Video: Tamedia/AP)

Sollte Roger Federer dieses US Open ­gewinnen, es wäre sein verblüffendster Grand-Slam-Sieg. Noch erstaunlicher als sein Triumph Anfang Jahr in Melbourne nach seiner sechsmonatigen Pause. Denn sein Rücken, das war auch bei ­seinem zweiten Auftritt offensichtlich, schränkt ihn immer noch ein. Doch der Schweizer weigert sich schlicht, aus New York abzureisen.

Wie schon in der Startrunde gegen Frances Tiafoe (ATP 70) musste er auch gegen seinen alten Bekannten Michail Juschni (101) über fünf Sätze gehen. Und anders als gegen den Amerikaner musste er sich diesmal sogar nach einem 1:2-Satzrückstand befreien. Als ihn viele schon abgeschrieben hatten, kämpfte er sich im Arthur Ashe Stadium zurück und siegte noch mit 6:1, 6:7 (3:7), 4:6, 6:4, 6:2. Es war eindrücklich, mit welcher Leidenschaft er sich gegen die Niederlage stemmte.

Hochspannung in Flushing Meadows: Roger Federer kann gegen den tapfer kämpfenden Michail Juschni einen 1:2-Satzrückstand wenden, um auf Umwegen in die dritte Runde einzuziehen.
Hochspannung in Flushing Meadows: Roger Federer kann gegen den tapfer kämpfenden Michail Juschni einen 1:2-Satzrückstand wenden, um auf Umwegen in die dritte Runde einzuziehen.
Andres Kudacki/AP Photo
Ein Start nach Mass: Zu Beginn der Partie läuft alles wie geschmiert – der «Fed-Express» überrollt Juschni im ersten Satz ohne jegliche Probleme.
Ein Start nach Mass: Zu Beginn der Partie läuft alles wie geschmiert – der «Fed-Express» überrollt Juschni im ersten Satz ohne jegliche Probleme.
Andres Kudacki/AP Photo
Körperliche Probleme: Im Entscheidungssatz hat Michail Juschni nicht nur mit einem solider aufspielenden Federer zu kämpfen, sondern auch mit wiederkehrenden Krämpfen im Oberschenkel.
Körperliche Probleme: Im Entscheidungssatz hat Michail Juschni nicht nur mit einem solider aufspielenden Federer zu kämpfen, sondern auch mit wiederkehrenden Krämpfen im Oberschenkel.
Andres Kudacki/AP Photo
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Dabei hatte in dieser Nachmittags­partie anfangs nicht viel auf Drama hingedeutet. Federer startete exzellent, zog mit zwei Breaks schnell auf 5:0 davon – 14 Minuten waren da erst gespielt. Der ­Favorit bestimmte das Geschehen, streute auch ab und zu einen Stoppball ein, liess Juschni verzweifeln.

Filmriss kurz vor 2:0-Satzführung

Im zweiten Satz kam der Russe aber besser ins Spiel, wurden die Ballwechsel länger. Und wenn sich Federer in der Defensive wehren musste, sah man, dass er Mühe hatte. Vor allem, wenn er sich strecken musste. Trotzdem schaffte er zwei Breaks, schlug bei 5:4 zur 2:0-Satzführung auf. Doch just da passierte ihm ein schlechtes Game, gab den Aufschlag zum zweiten Mal ab. Und das baute Juschni auf. Der 35-Jährige, zweifacher US-Open-Halbfinalist (2006, 10), spielte ein exzellentes ­Tiebreak und glich auf 1:1-Sätze aus.

Federer hatte Mühe, das wegzustecken. Seine Anzahl unerzwungener Fehler war im zweiten Satz von 7 auf 20 hochgeschnellt, und auch im dritten wurde es nicht besser. Kam dazu, dass Juschni seine Chance witterte, im 17. Duell erstmals zu siegen. Er war nun von der Grundlinie aus der solidere Mann und schaffte das Break zum 3:2. Der Schweizer kämpfte zwar, so gut es ging, wehrte bei eigenem Aufschlag auch zunächst zwei Satzbälle ab, doch er war nun sichtlich gezeichnet. Nach knapp zwei Stunden ging Juschni mit 2:1-Sätzen in Führung, zeichnete sich vor den Augen der verblüfften Zuschauer ein baldiges Ende ab.

Doch dann nahm die wilde Partie im vierten Durchgang wieder eine Wendung. Federer zog dank eines Breaks auf 4:1 davon, ehe Juschni den Physiotherapeuten auf den Court rief und ein Gel zu sich nahm. Er schien sich schwindlig zu fühlen. Würde nun er einbrechen? Nein. Oder: noch nicht. Als Federer bei 5:3 zum 2:2-Satzausgleich servieren konnte, zitterte sein Arm wieder, gab er erneut den Aufschlag ab. Mit einem Break erzwang er dann aber einen fünften Satz. Und da lockerte er seinen Griff nicht mehr, hetzte er Juschni, der Krämpfe hatte, hin und her. Das ­Geschehen erinnerte an einen Boxkampf, bei dem die beiden Kontrahenten sichtlich gezeichnet Schläge austauschen in der Hoffnung, dem anderen den K.o. zu ­versetzen.

«Ich bin nun so richtig warm»

Der entscheidende Schlag gelang Federer mit dem Break zum 4:2, wobei Juschni mit einem Doppelfehler half. Danach blickte der Schweizer nicht mehr zurück, gab er kein Game mehr ab. Mit versteinerter Miene gab ihm Juschni am Netz die Hand, Federer jubelte ausgelassen. Und das Publikum tobte. Der Platzinterviewer hatte ein Einsehen mit dem Maestro, befragte ihn nicht zum lädierten Rücken. «Ich bin nun so richtig aufgewärmt», scherzte der. «Diese Fünfsätzer machen richtig viel Spass.»

In Melbourne hatte er zuletzt drei davon gewonnen zum Titel – gegen Kei Nishikori, Stan Wawrinka und Rafael Nadal. Doch da war er 100-prozentig fit gewesen. Er wird froh sein über den Tag Pause, am Samstag geht es weiter gegen Feliciano Lopez (35). Federer führt in den Direktduellen 12:0. Doch das muss dieser Tage nichts heissen.

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