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Wieso Djokovic nach seiner Operation drei Tage weinte

Die erstaunliche Geschichte von der Rückkehr des Serben zur Nummer 1 – dank Schweizer Hilfe.

Ein fesselndes Spiel gegen Roger Federer ist der bisherige Abschluss von Djokovics rauschendem Comeback. Video: SRF

Wer bei North Greenwich derU-Bahn entsteigt, wird auf dem Weg zur O2-Arena von Novak Djokovic begrüsst. Der Aufgang per Rolltreppe ist mit Plakaten des Serben gesäumt, auf denen er die Poloshirts mit dem Krokodil trägt. Der 31-Jährige ist der Mann der Stunde, wird von den Wettanbietern als klarer Favorit auf den Titel am ATP-Finale geführt. Es wäre sein sechster.

Sein Weg zurück an die Spitze ist eindrücklich und wurde durch Schweizer Hilfe ermöglicht. Erst als er sich Anfang Februar in der Rennbahnklinik in Muttenz am rechten Ellbogen operieren liess, war für ihn wieder daran zu denken, auf sein bestes Niveau zu kommen.

In einem Interview mit dem «Daily Telegraph» blickte er nun zurück auf diese Zeit. Nach dem Eingriff sei er zwei oder drei Tage lang immer wieder in Tränen ausgebrochen. «Immer wenn ich daran dachte, kam es mir vor, als hätte ich versagt.» So wie 2016 für Roger Federer (Meniskusoperation) war es für Djokovic der erste chirurgische Eingriff. Und er hatte ihn so lang wie möglich vor sich hergeschoben.

«Ich glaube daran, dass sich der menschliche Körper selbst heilt», erklärte er. «Deshalb will ich mich nie mehr in die Situation bringen, dass eine Operation nötig wird. Aber diesmal war es unvermeidlich. Es war der Kompromiss, den ich eingehen musste. Denn ich wollte nicht mehr ein solches Jahr erleben.»

Ein Jahr Schmerztabletten

Was er damit meint? Ein Jahr lang hatte er Schmerztabletten geschluckt, um überhaupt spielen zu können. Andere täten das ihre ganze Karriere lang, aber für ihn sei das nichts. Nach dem Australian Open 2018, seinem ersten Turnier nach sechs Monaten, sah er ein, dass sein Versuch, eine Operation zu umgehen, fehlgeschlagen war.

Die Schwierigkeit sei für ihn auch lange gewesen, herauszufinden, welcher Prozedur und welchem Arzt er vertrauen könne. Sechs oder sieben Chirurgen habe er konsultiert, ehe er sich für die Rennbahnklinik entschied. Über einen Monat lang habe er sich nach der Operation schuldig gefühlt, danach habe er sich gesagt: «Es liegt an mir zu entscheiden, ob ich dankbar sein will oder verbittert.»

Seinen sportlichen Tiefpunkt erlebte er in Indian Wells und Miami, wo er bei seinem verfrühten Comeback beide Male in der Startrunde ausschied - gegen Taro Daniel und Benoît Paire. Er habe sich völlig verloren gefühlt auf dem Court, gibt er nun zu. Alle hätten ihm davon abgeraten, nur fünf Wochen nach der Operation wieder zu spielen. Doch er habe es trotzdem getan. Obschon es ein Fehler gewesen sei, bereue er nichts. Einige Fehler müsse man einfach machen. Trotz allem habe er stets daran geglaubt, dass er es zurück an die Spitze schaffen könne. «Aber ich dachte, ich würde mehr Zeit brauchen.»

Weg von «Heiler» Pepe Imaz

Die Schlüsselfigur auf seinem Weg zurück war Marian Vajda, mit dem er seit der Sandsaison wieder zusammenarbeitet. Der 53-jährige Slowake, gerade zum Coach des Jahres erkoren, stellte eine Bedingung, als ihn Djokovic fragte, ob er zu ihm zurückkehre: dass er sich vom spanischen «Heiler» Pepe Imaz lossage. Keine einfache Entscheidung, ist doch Novaks jüngerer Bruder Marko einer der Coachs in der Akademie von Imaz auf Marbella. Zudem konnte Vajda seinen Schützling, der strikte Vegetarier war, dazu überreden, zumindest wieder Fisch zu essen.

Die Rückkehr zu Vajda beendete die verzweifelte Suche von Djokovic nach Neuem. Mit Andre Agassi wurde er nicht glücklich, auch Radek Stepanek, mit dem er immer noch gut befreundet ist, war nicht die Lösung. «Marian ist mehr als ein Coach für mich», sagt Djokovic. «Er ist Teil meiner Familie. Auch in den zwölf Monaten, in denen wir nicht miteinander arbeiteten, blieben wir stets in Kontakt, unterhielten uns übers Leben, über die Familie, übers Tennis. Unsere Bindung ist unzerstörbar.» Es sei für ihn in dieser schwierigen Zeit das Beste gewesen, zum Altbewährten zurückzukehren, «zu jenen Menschen, die mich am besten kennen und verstehen». Im Juli kam ja auch der österreichische Fitnesscoach Gebhard Gritsch zum Serben zurück.

Er habe nun wieder einiges gelernt, sagte Djokovic gegenüber dem «Daily Telegraph». Und wurde philosophisch: «Jeder Tag ist für uns die Chance, zu wachsen und uns besser kennen zu lernen. Ich glaube daran, dass die Antwort in uns drin ist. Wenn wir nach ihr suchen, finden wir sie.»

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