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Zu zweit enteilt

Die Big 4 des Tennis wurden dieses Jahr aufgesplittet. 2014 dürfte im Zeichen der Jagd auf Rafael Nadal und Novak Djokovic stehen – und ihres Zweikampfs.

Im Zeichen der Jagd: Novak Djokovic (l.) und Rafael Nadal in London.
Im Zeichen der Jagd: Novak Djokovic (l.) und Rafael Nadal in London.
Reuters

Es war ein bekanntes letztes Bild für ein Saisonfinale: Als der Konfettiregen vom Dach der O2-Arena rieselte, stand wie 2008 und 2012 Novak Djokovic im Lichtkegel auf dem Court, die BradDrewett-Trophy in die Höhe gereckt, wie der Masters-Pokal nach dem kürzlich verstorbenen Chef der ATP nun heisst. «Das ist der bestmögliche Weg, eine Saison zu beenden», sagte der Serbe, der seine zweitlängste Siegesserie auf 22 Einheiten verlängerte.

Im Jahr zuvor war Roger Federer als Finalverlierer neben ihm gestanden, nun Rafael Nadal, der beim 3:6, 4:6 deutlicher unterlegen war, als er es sich eingestehen wollte. Dieser Rollentausch ist bezeichnend: Die Kräfteverhältnisse haben sich 2013 verschoben, Federer rutschte vier Ränge zurück, Nadal kämpfte sich nach seiner siebenmonatigen Verletzungspause mirakulös von Rang 4 zurück auf den Thron. Wimbledon-Sieger Andy Murray (4.), das vierte Mitglied der seit Jahren dominierenden Big 4, hielt sich zwar in der Kopfgruppe, hat durch seine Verletzungspause aber etwas den Anschluss verloren. Nadal (10 Titel) und Djokovic (7) sind dieses Jahr enteilt, beide weisen mehr als doppelt so viele Punkte auf wie ihre ersten Verfolger und schon fast dreimal so viele wie Federer.

Das Duo wird damit aus der ersten Reihe ins Jahr 2014 starten, ihr Zweikampf dürfte andauern. Zwar hat Nadal im Januar am Australian Open noch ein Freispiel, da er dieses Jahr dort fehlte, während Djokovic den Titel verteidigen muss. Doch der Mallorquiner wird ab Februar überall Punkte zu verteidigen haben, und er gibt zu, dass ihn sein Problem-Knie noch immer beschäftigt. Zudem steht er wie Djokovic vor einer hektischen Saisonpause.

«Mehr als meine Mutter»

Während Murray sich konsequent auf die Therapie des operierten Rückens und des Wiederaufbaus konzentriert und Federer sich in eine Art Trainingsklausur zurückziehen will, sind die Agenden der beiden Mastersfinalisten ziemlich voll. Djokovic, der zum vierten Mal am gleichen Turnier Nadal und Federer schlug, flog noch in der Nacht auf Dienstag im Privatjet nach Belgrad, wo er ab Freitag den Davis-Cup-Titel gewinnen will. Gleich danach wird er während einer Woche in Chile und Argentinien Schaukämpfe bestreiten, zusammen mit Nadal. «Wir werden uns oft begegnen. Ich sehe ihn mehr als meine Mutter», sagte er.

Nadal kombiniert vor dem Südamerika-Trip das Angenehme mit dem Nützlichen. Er verbringt einige Tage auf Necker Island, der Luxusresidenz des Milliardärs Richard Branson, wo er auch für seine Stiftung aktiv wird. Vor seinem Saisonstart in Abu Dhabi (Schauturnier mit Wawrinka) und Doha würden ihm nur zwei Trainingswochen bleiben, sagte er. «Wahrscheinlich werde ich danach nicht in der besten Verfassung sein», aber danach bleibe ja noch etwas Zeit bis zum Australian Open.

Das Duell um die Nummer 1 wurde 2013 im Rückblick in einem einzigen Match entschieden. Hätte Djokovic den US-Open-Final gewonnen, stünde nun er zuoberst. «Das Einzige, mit dem ich nicht zufrieden bin, sind die drei wichtigen Matches, die ich an den Grand-Slam-Turnieren verlor», sagte er denn am Montag. Das seien jene Titel, die er am meisten gewinnen wolle, «und das wird nächstes Jahr meine höchste Priorität sein».

«Wir treiben uns an die Grenzen»

Djokovic habe sich dieses Jahr wohl etwas zu sehr auf das (ihm noch fehlende) French Open und den Davis-Cup konzentriert, bemerkte in London Stanislas Wawrinka. «Dabei braucht man auch die anderen Turniere, um an den Grand Slams in Bestform zu sein.» Tatsächlich hatte sich der Serbe möglicherweise nach dem Sieg über Nadal in Monte Carlo in falscher Sicherheit gewiegt. Darauf gewann er von April bis Oktober keinen Titel mehr, verlor den Pariser Halbfinal 7:9 im 5. Satz gegen Nadal, den Wimbledon-Final gegen Murray und das New Yorker Endspiel wieder gegen Nadal.

«Nadal verdient es, das Jahr als Nummer 1 zu beenden, denn er hat zwei Grand Slams gewonnen», sagte Djokovic fair. Dass er nach dem US Open zu seiner jüngsten Siegesserie ansetzen konnte, begründete er so: «Ich versuchte, das Rechnen und die Rangliste zu ignorieren und mich auf jedes Turnier, jeden Tag zu fokussieren. Diese Einstellung brachte mich hierher.»

Seine Rivalität mit Nadal hat Dimensionen angenommen, die keine Vergleiche scheuen müssen. Schon 39-mal duellierten sie sich, ein Rekord in der Profiära, und die Bilanz ist viel ausgeglichener als etwa jene zwischen Nadal und Federer (22:10). Der Mallorquiner führt noch 22:17, doch in Endspielen liegt er 9:10 zurück. «Wir treiben uns an die Grenzen, machen uns gegenseitig zu besseren Spielern», sagte Djokovic. Es liegt an Murray, Federer und dem Rest, dafür zu sorgen, dass die Zweisamkeit nicht allzu harmonisch wird.

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