Zu zweit in einer eigenen Liga

Novak Djokovic und Rafael Nadal erdrückten mit ihrer Überlegenheit das Turnier. Aber nur einer kann es gewinnen.

Djokovic (31) feierte in Melbourne schon sechs Titel. Nadal (32) hingegen gewann das Turnier nur 2009. Bilder: AFP / Getty Images

Djokovic (31) feierte in Melbourne schon sechs Titel. Nadal (32) hingegen gewann das Turnier nur 2009. Bilder: AFP / Getty Images

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Novak Djokovic verspricht Spektakel: «Nadal ist mein grösster Rivale»

Vor einem Jahr war Novak Djokovic im Achtelfinal am Südkoreaner Hyeon Chung gescheitert, hatte sich danach in Basel am Ellbogen operieren lassen und war in eine Krise gestürzt. So tief sie auch war – so kurz war sie im Rückblick. Nur ein Jahr später steht er am Yarra River wieder im Final, als aktueller Wimbledon- und US-Open-Sieger. Dem Serben bietet sich morgen die Chance, mit seinem 7. Titel alleiniger Rekordsieger zu werden. Momentan teilt er sich diese Bestmarke mit Roger Federer und Roy Emerson. Das Australian Open war schon immer sein bestes Majorturnier. 2008 holte er hier seinen ersten dieser Titel, und auch seine fünf folgenden Endspiele gewann er.

Erinnerungen an ein Epos

Obwohl er im Turnierverlauf weniger überzeugte als Nadal und schon zwei Satzverluste aufweist, ist er morgen Favorit – wenn auch weniger klar, als vor dem Turnier erwartet worden war. «Nadal spielt hier hervorragend, aber auch meine letzten Partien waren gut», sagte er. «Er ist mein grösster Rivale, und ich denke, dass es ein grossartiges Endspiel geben wird.»

Djokovic war in der ersten Turnierwoche auch neben dem Court unter Druck geraten, nachdem durchgesickert war, dass er auf die Absetzung von ATP-Chef Chris Kermode hinarbeite. Was dran ist, bleibt unklar, die entscheidende Abstimmung über eine Weiterverpflichtung des Briten wird erst im März in Indian Wells erfolgen. Inzwischen hat sich der Sturm gelegt, die Wolken haben sich für Djokovic rechtzeitig verzogen. «Das war eine der besten Partien, die ich je hatte auf diesem Court», kommentierte er seinen Halbfinal, der angesichts des inferioren Gegners allerdings wenig Aussagekraft hatte. Vor einem Jahr sei es zwar unwahrscheinlich gewesen, dass er nun wieder im Final stehen würde, sagte ­Djokovic im Siegerinterview, schränkte aber sofort ein: «Ich glaube immer an mich, habe sehr viel Vertrauen in mich. Das gehört zu mir und ist der Schlüssel zum Erfolg.»

Der 31-jährige Serbe und der um ein Jahr ältere Nadal, die zusammen 31 Grand-Slam-Titel gewonnen haben, stehen sich zum 53. Mal gegenüber. Djokovic führt 27:25, nachdem er in den Jahren 2015/16 alle sieben Duelle für sich entscheiden konnte. Was die Direktduelle in Grand-Slam-Endspielen betrifft, liegt er allerdings 3:4 zurück, und die letzten drei hat er verloren.

Bereits sieben Jahre ist es her, seit sich die beiden in Melbourne ihren epischen Final lieferten, den der Serbe nach 5:53 Stunden 5:7, 6:4, 6:2, 6:7, 7:5 gewann. Seither ist viel passiert in seinem Leben, inzwischen ist er auch zweifacher Vater und sein Sohn Stefan schon fast vierjährig. Er interessiere sich aber mehr für Spider-Man als für seine Partien, erzählte der Serbe, der ohne Familie nach Australien reiste. «Er sagte mir vor der Partie am Telefon nur: Viel Glück. Und schau, dass du gewinnst.»


Rafael Nadal wird grundsätzlich: «Ich war schon immer aggressiv»

Rafael Nadal ist im Gegensatz zu Novak Djokovic normalerweise keiner, der seine Zuhörer zu belehren versucht. Ein Vorbild an Bescheidenheit abseits der Courts, pflegt sich der 32-jährige Spanier lieber stakkatomässig bei irgendwem zu bedanken, wenn er ein Mikrofon vor sich hat. In Melbourne ist das meistens das Publikum, und obwohl er hier nur einen seiner bisherigen vier Finals gewonnen hat, muss etwas daran sein an seiner Beziehung zu diesem.

Wenn der Mallorquiner doch einmal grundsätzlich – oder belehrend – wird, zeugt das meistens davon, dass sein Selbstvertrauen im Hoch ist, er sich wohlfühlt. So war es auch am Donnerstag, nachdem er Stefanos Tsitsipas 6:2, 6:4, 6:0 überrumpelt hatte und in seinen 25. Grand-Slam-Final eingezogen war, ohne Satzverlust. Zuerst wehrte er sich gegen den Eindruck, dass ihm gegen den Griechen eine aussergewöhnliche Leistung gelungen sei. «Ich spielte schon das ganze Turnier gut, mit der Vorhand sogar fantastisch», sagte er, ehe er doch noch zugab: «Vielleicht war die Rückhand etwas besser als in den Runden zuvor.»

Die häufigen Fragen nach seiner gesteigerten Aggressivität schienen ihn zu beleidigen. «Es ist nichts Neues, dass ich aggressiv spiele. Das Problem bei mir ist, dass die Leute denken, ich machte das nicht, nur weil ich viel Erfolg auf Sand hatte. Diese Leute liegen komplett daneben.» Zwar spiele er nicht Aufschlag/Volley oder schlage jeden Ball als Winner. «Ich kann auch nicht servieren wie Roger, der damit viele Freipunkte holt oder danach eine oft relativ einfache Vorhand schlagen kann.»

Das Ziel: Schaden anrichten

Was er aber seine ganze Karriere lang versucht habe: «Ich spiele jeden Schlag, um beim Gegner Schaden anzurichten. Und das ist der beste Weg, aggressiv zu sein.» In Melbourne gelinge es ihm nun, den Gegner im Ballwechsel etwas früher in Bedrängnis zu bringen, so der 17-fache Grand-Slam-Sieger – weil er hier grossartig aufschlage.

«Dadurch wird der erste Schlag normalerweise etwas einfacher.» Darauf habe er mit Coach Carlos Moya auch hingearbeitet, doch sei es nicht einfach, sein Spiel zu ändern. «Du kannst nicht gegen deine Mentalität spielen, gegen dein Spielverständnis. Das Mentale muss vorausgehen, und das habe ich stets versucht zu tun.» Dennoch habe sich sein Tennis verändert. «Ich mache heute viele Dinge gut, aber ich habe schon während meiner Karriere vieles gut gemacht. Deshalb können wir auch nicht sagen, dass ich besser denn je spiele. Ich musste einfach mein Spiel an die neue Zeit und an mein Alter anpassen.» Das sei auch der Grund, warum er noch auf diesem Niveau mithalte. «Über die Jahre habe ich einige Dinge verloren und andere hinzugefügt. Das Ziel war immer dasselbe: zu verbessern, was ich verbessern kann.»

Erstellt: 25.01.2019, 23:17 Uhr

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